Geld abheben: Günstig fremd­gehen

Giro­konten Test

Zwischen 1,75 und 7,50 Euro verlangen die Banken in unserem Test, wenn fremde Kunden ihre Geld­automaten nutzen.

Eine Kundin der Volks­bank Villingen in Süddeutsch­land ist zu Besuch in Berlin. Sie will Geld ziehen und schiebt ihre Girocard in einen Auto­maten der Berliner Sparkasse. Kaum hat sie ihre Geheim­nummer einge­geben und den Betrag gewählt, erscheint auf dem Bild­schirm der Hinweis: Die Abhebung kostet 4,95 Euro.

Seit dem 15. Januar 2011 zeigen Geld­automaten in Deutsch­land die Gebühr an. Der Kunde kann dann immer noch entscheiden, ob er den Vorgang fortsetzt oder zu einem anderen, für ihn güns­tigeren Geld­automaten wechselt.

Seit Mitte Januar legt jede Bank selbst fest, wie viel fremde Kunden an ihren Geld­automaten zahlen müssen. Vorher war es die Bank des Konto­inhabers, die vorgab, wie viel er an Auto­maten anderer Banken zu zahlen hatte.

Die Gebühr bemerkten viele erst später beim Blick auf die Konto­auszüge. Anders als heute war sie immer gleich hoch, egal welchen fremden Auto­maten sie benutzt hatten. Heute unterscheiden sich die Gebühren je nach Bank und betragen zwischen 1,75 und 7,50 Euro pro Abhebung.

Den passenden Auto­maten finden

Am güns­tigsten wäre es für die Besucherin aus Villingen, wenn sie gar nicht fremd­geht, sondern einen Geld­automaten der Berliner Volks­bank sucht. Diese gehört wie ihre eigene Volks­bank zum Bank­card Service­netz. Kunden von Mitglieds­banken zahlen fürs Abheben bei anderen Mitgliedern nichts.

Andere Kredit­institute haben sich zu weiteren Auto­maten­verbünden zusammen­geschlossen – zum Beispiel zum Cashpool und zur Cash Group. Welche Banken einen gemein­samen Auto­maten­verbund bilden, zeigt die Tabelle "Kostenlos Bargeld abheben".

Ist keine Volks­bank in der Nähe, wäre für die Touristin ein Auto­mat der Deutschen Bank, der Post­bank oder der Commerz­bank immer noch güns­tiger als die Sparkasse. Die Groß­banken verlangen wie die übrigen Mitglieder des Bundes­verbands privater Banken von fremden Kunden nur 1,95 Euro fürs Geld­abheben. Noch güns­tiger in unserem Test von 71 Banken war allein die Sparda München. Sie nimmt 1,75 Euro.

Volks­banken und Sparkassen verlangen meist mehr, oft zwischen 4 und 5 Euro. Die Ethik­bank nimmt mit 7,50 Euro die höchste Gebühr im Test.

Gebühren zum Teil gesunken

Für viele Kunden ist das Abheben an fremden Auto­maten güns­tiger geworden, wie der Vergleich zu unserem Test im vergangenen Jahr zeigt. Hob zum Beispiel im Jahr 2010 ein Post­bank-Kunde an einem Auto­maten der PSD Köln Geld ab, stellte ihm die Post­bank damals 5,99 Euro in Rechnung. Geht der Kunde heute zum selben Auto­maten, muss er nur die von der PSD Bank geforderten 1,95 Euro zahlen.

Streit gab es in der Vergangenheit mehr­mals um Kunden von Direkt­banken, die mit der Visa-Kreditkarte eigentlich an jedem Geld­automaten kostenlos abheben können. Mehrere Sparkassen und Volks­banken hatten ihnen das jedoch verweigert. Der Bundes­gerichts­hof bestätigte nun ein Urteil des Ober­landes­gerichts München, dass das nicht erlaubt ist (Az. KZR 82/10).

Im Supermarkt und an der Tank­stelle

Bargeld gibt es mitt­lerweile nicht mehr nur an Geld­automaten von Banken, sondern zum Beispiel auch im Supermarkt: Kunden bezahlen ihre Einkäufe an der Kasse und heben dabei gleich noch gebührenfrei Geld ab. Das Angebot machen derzeit die Toom-Baumärkte und Rewe bei Einkäufen ab 20 Euro sowie Penny bei Einkäufen ab 25 Euro.

Bargeld gibt es zudem an rund 1 300 Shell-Tank­stellen, ohne dass Kunden dafür tanken und einkaufen müssen. Bislang gab es diesen Service nur für Kunden einer Bank der Cash-Group, bis Ende des Jahres gibt es ihn für Kunden aller Banken.

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