Girokonten Test

Angestellte und Rentner können Girokonto, ec- und Kreditkarte kostenlos bekommen. Gebühren von 80 Euro oder mehr im Jahr sind entschieden zu viel. Viele Banken machen den Wechsel leicht.

Eine Überweisung per Beleg kostet leicht 1,50 Euro, jede Lastschrift 30 Cent. Richtet die Bank einen neuen Dauerauftrag ein, kassiert sie 1 Euro. Die Kontoauszüge, die sie einmal im Monat verschickt, rechnet sie mit 55 Cent ab.

Für sich genommen sind das kleine ­Beträge, doch in der Summe fallen je nach Bank oder Sparkasse pro Monat schnell 10 Euro und mehr an Kontoführungsgebühren an – weit über 100 Euro im Jahr.

Jeder vierte Bankkunde ärgert sich über zu hohe Gebühren, hat vergangenes Jahr eine Studie des Marktforschungsinstituts TNS Emnid im Auftrag der Citibank ergeben. Dennoch scheuen viele den Wechsel. Dabei bieten manche Banken bessere Konditionen und sogar kostenlose Konten.

Vielleicht sind gute Kontakte zu den Bankmitarbeitern oder langjährige Verbundenheit Gründe für die Kundentreue. Doch auch die Bequemlichkeit spielt eine Rolle: Für 42 Prozent der Kunden sind die Formalitäten das größte Wechselhindernis, ergab die Studie von TNS-Emnid.

Banken helfen beim Wechsel

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Dabei ist der Wechsel gar nicht so mühsam. Wir empfehlen ihn vor allem Kunden, die derzeit inklusive Kreditkartengebühr mehr als 80 Euro im Jahr für ihr ­Filialkonto oder mehr als 40 Euro für ihr Onlinekonto zahlen. Schließlich bieten ­jeweils rund die Hälfte der Banken in ­unserem Test günstigere Konten an.

Beim Kontowechsel müssen zwar alle Daueraufträge umgestellt werden, außerdem sind Arbeitgeber, Vermieter und Versicherer über die neue Kontoverbindung zu informieren, doch die meisten Banken bieten Unterstützung. „Der Wechsel lief schnell und unkompliziert“, erinnert sich Saskia Eversloh, die ihr Konto bei der Citibank aufgelöst und ein Konto bei der Berliner Sparkasse eingerichtet hat.

„Ich habe vielleicht eine halbe Stunde gebraucht, um die Kontoauszüge danach durchzusehen, welche Einzugsermächtigungen und Daueraufträge über mein Konto liefen.“ Die Informationen über die neue Kontoverbindung hat dann die Berliner Sparkasse für sie verschickt.

Beim Kontowechsel helfen aber nicht nur Institute, die wie die Berliner Sparkasse ­eine Gebühr für die Kontoführung berechnen. Auch Banken, die ein kostenloses Konto anbieten und damit zu den Testsiegern der aktuellen Finanztest-Untersuchung von Gehalts- und Rentenkonten gehören, unterstützen ihre Neukunden.

Einen umfassenden Wechselservice bieten zum Beispiel die meisten der untersuchten Sparda-Banken. Sie leiten den Auftrag zur Schließung des bisherigen Kontos weiter, lösen das alte Konto auf und ziehen das Guthaben ein. Außerdem richten sie die bisherigen Daueraufträge für das neue Konto wieder ein.

Um sicherzugehen, dass keine Fehlbuchungen eingehen, sollten Wechsler das alte und das neue Konto für einige Wochen parallel führen. „Bei mir lief das alte Konto noch einen Monat weiter“, sagt Saskia Eversloh, „der Wechsel zur Sparkasse hat dann reibungslos geklappt.“

Mehr als 100 Euro im Jahr sparen

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Unter die Testsieger unserer Untersuchung hat die Berliner Sparkasse es jedoch nicht geschafft, weil sie Gebühren für die Kontoführung nimmt. Schließlich fanden wir bei anderen Banken immerhin 34 Angebote, für die Kunden gar keine monatliche Grundgebühr zahlen müssen. Zusätzlich erhalten sie die ec-Karte kostenlos.

Finanztest hat 141 Modelle für Gehalts- und Rentenkonten von 62 Banken geprüft. Um die Kontopreise vergleichen zu können, haben wir für je einen Modellkunden den Preis für ein Filial- und Online­konto ermittelt und enorme Unterschiede festgestellt: Ein Filialkunde kann für sein Girokonto rund 170 Euro im Jahr zahlen. Er bekommt es aber auch zum Nulltarif.

Kein Cent für Konto und ec-Karte

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Von den überregionalen Banken haben die Wüstenrot Bank mit dem Konto Topgiro und die Deutsche Kreditbank (DKB) mit dem Onlinekonto Cash in unserem Test am besten abgeschnitten.

Diese beiden Banken bieten das Girokonto ohne monatliche Grundgebühr inklusive ec- und Kreditkarte an. Die Kontoführung ist nicht an Voraussetzungen wie ein Mindesteinkommen geknüpft.

Ähnliche Bedingungen bietet auch die Netbank für ihr Konto Giro Allround. Allerdings kann bei dieser Direktbank die Kreditkarte je nach Umsatz mit der Karte bis zu 20 Euro im Jahr kosten. Für eine Überweisung per Beleg, die bei Wüstenrot Bank und DKB kostenlos sind, müssen Kunden der Netbank 10 Euro zahlen.

Die Kunden der DKB, Netbank und Wüstenrot Bank erledigen ihre Bankgeschäfte per Internet, bei der NetBank wahlweise auch übers Telefon.

Kunden der Wüstenrot Bank können sich darüber hinaus aber bei Fragen rund um ihr Konto an einen der rund 6 500 Berater der Wüstenrot Bausparkasse oder der Württembergischen Versicherung wenden und dort auch beleghafte Überweisungen abgeben. Für die Kontoeröffnung ist der Abschluss eines Bausparvertrags oder einer Versicherung keine Voraussetzung.

Genauso gut wie die bundesweiten Spitzenreiter schnitten viele PSD- und SpardaBanken ab. Ihr Angebot gilt aber nur für Kunden, die im regional begrenzten Geschäftsgebiet der jeweiligen Bank wohnen.

Die PSD- und die Sparda-Banken verlangen keine Grundgebühr und verzichten auf Vorgaben zum Mindestguthaben oder Geldeingang. Bei den PSD-Banken Berlin-Brandenburg und Nord und den Sparda-Banken Berlin, Hamburg und Hessen gibt es nicht nur die ec-Karte, sondern auch die Kreditkarte kostenlos dazu. Das Gleiche gilt für die Sparda-Banken München und West für das Giro Online.

Kostenlos – aber nicht für jeden

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Andere Banken und Sparkassen bieten zwar auch kostenlose Konten an. Aber nicht jeder hat die Chance, diese Angebote zu bekommen: Oft wird ein bestimmtes Einkommen oder ein Mindestguthaben verlangt.

Kunden der Citibank benötigen für das kostenlose Konto Best ein Durchschnittsguthaben von 2 500 Euro pro Monat. Das Geld muss nicht unbedingt auf dem Gehaltskonto liegen, sondern kann sich zum Beispiel auf einem Sparbuch befinden.

Auf dem Giro-plus-Konto der Postbank müssen monatlich mindestens 1 250 Euro eingehen. Einen Geldeingang in der Höhe verlangt auch die comdirect bank. Bei der SEB müssen es 1 250 Euro Gehalt sein. Wer 1 250 Euro Rente bekommt, muss das Konto außerdem online führen.

In kleinen Schritten sparen

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Das Konto zu wechseln, ist eine Sparmöglichkeit. Doch manche Kunden können auch die Kosten bei der aktuellen Bankverbindung senken. Auch dafür lohnt es sich, anhand der Kontoauszüge einfach zu überprüfen, welche Gebühren anfallen und was die Kosten womöglich in die Höhe treibt.

Denn auch wenn eine Bank eine Pauschalabrechnung für das Konto anbietet, kann es sein, dass die Kunden für einzelne Buchungen zusätzlich zahlen.

Sparen können die Kunden mancher Banken zum Beispiel, wenn sie sich die Kontoauszüge in der Bankfiliale selbst ausdrucken, anstatt sie sich gegen Gebühr ­zuschicken zu lassen. Und wer für Überweisungen den Selbstbedienungsterminal in der Filiale nutzt, anstatt einen Überweisungsbeleg abzugeben, spart je nach Kreditinstitut bis zu 2 Euro pro Überweisung.

Immer und überall flüssig

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Entscheidet sich der Kunde für einen Wechsel, sollte er sein Gehalt erst dann auf das neue Konto überweisen lassen, wenn er auch eine ec-Karte hat, um am Automaten Geld abheben zu können.

An den Automaten der eigenen Bank und des Verbundes, dem sie angehört, ist das kostenlos. Fremdgehen müssen die Bankkunden meist teuer bezahlen. Die ABC Privatkunden-Bank berechnet mindestens 7,50 Euro, wenn einer ihrer Kunden an einem fremden Automaten Geld abhebt. Bei vielen anderen Anbietern werden mindestens 4 bis 5 Euro bei jeder Abhebung fällig.

Am besten sind die Kunden der DKB dran. Sie können zwar nicht mit ihrer ec-Karte, aber mit ihrer Visa-Karte an allen Geldautomaten kostenlos Geld ziehen – und das sogar weltweit. Wer sein Girokonto bei der ING Diba oder der Volkswagenbank direct hat, kann mit der Visa-Karte immerhin an allen Geldautomaten in ­Euroland kostenlos Bargeld bekommen (siehe Tabelle „Im Ausland kostenlos Bargeld bekommen“).

In Deutschland stehen den Kunden der Sparkassen und Volks- und Raiffeisenbanken (Bankcard Servicenetz) die meisten kostenlosen Automaten zur Verfügung.

Das Netz der Sparkassen umfasst rund 21 000 Automaten, das des Bankcard Servicenetzes 18 000 Automaten. Rund 7 000 Automaten umfasst die Cash-Group, zu der sich unter anderem die Commerzbank, Deutsche Bank, Dresdner Bank, Hypovereinsbank und Postbank zusammengeschlossen haben.

Noch löchriger ist mit 2 300 Automaten das Netz der Banken, die den Cashpool bilden: zum Beispiel ABC PrivatkundenBank, Citibank, Netbank, norisbank, SEB und Sparda-Banken.

Einzelne Cashpool-Mitglieder haben sich daher Zusatzleistungen überlegt. So können zum Beispiel Kunden der BBBank nicht nur die Cashpool-Automaten kostenlos nutzen, sondern auch zweimal im Monat an Automaten des Bankcard Servicenetzes Geld abheben, ohne dafür zu zahlen. Für weitere Abhebungen an Automaten dieses Netzes werden jeweils 1,02 Euro fällig.

Den Dispozins beachten

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Im Minus nicht noch Geld verschenken: Aufpassen bei Dispozins: Die Banken im Test verlangen zwischen 7,90 (DKB) und 16,49 Prozent (Citibank). Ist ein Konto, das pro Quartal abgerechnet wird, ein Jahr mit 3 000 Euro im Minus, fallen bei der Citibank 282 Euro mehr an als bei der DKB, wenn auch die anfallenden Zinsen nicht sofort ausgeglichen werden.

Im Minus nicht noch Geld verschenken: Aufpassen bei Dispozins: Die Banken im Test verlangen zwischen 7,90 (DKB) und 16,49 Prozent (Citibank). Ist ein Konto, das pro Quartal abgerechnet wird, ein Jahr mit 3 000 Euro im Minus, fallen bei der Citibank 282 Euro mehr an als bei der DKB, wenn auch die anfallenden Zinsen nicht sofort ausgeglichen werden.

Wer fürchtet, sein Konto zu überziehen, sollte bei der Kontowahl den Dispozins beachten. Auch hier ist die DKB mit einem Zinssatz von 7,90 Prozent sehr günstig.

Den höchsten Zinssatz unter den untersuchten Kontomodellen zahlen Citibank-Kunden für das Pauschalentgelt-Konto: Für einen Dispo über 500 Euro fallen 16,49 Prozent Zinsen an. Bei den meisten Banken liegt der Zinssatz für den Dispokredit zwischen 12 und 13 Prozent.

Deutlich geringer sind die Unterschiede bei den Zinsen für das Guthaben. Den besten Zinssatz bietet die Hypovereinsbank: Bei dem Konto KomfortPaket zahlt sie bis zum Kontostand von 1 500 Euro 3 Prozent, Beträge darüber verzinst sie nicht.

Die übrigen Banken, die Guthaben verzinsen, zahlen meist zwischen 0,5 und 1,5 Prozent. Bei solchen niedrigen Zinsen ist es besser, größere Summen auf einem ­Tagesgeldkonto anzulegen.

Wenn das Konto ansonsten günstig ist, sind die Zinserträge ein angenehmer Nebeneffekt. Ein Kriterium für die Auswahl eines neuen Girokontos sollten sie jedoch nicht sein. Wichtiger ist, dass keine monatliche Grundgebühr anfällt und alle Überweisungen per Beleg, Abbuchungen von Lastschriften und die Zusendung der Kontoauszüge kostenlos sind. Kreditinstitute wie Deutsche Kreditbank, Wüstenrot Bank und viele PSD-Banken und Sparda-Banken bieten genau das.

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