Dispozinsen Test

Positives Ergebnis unseres Tests von 1 377 Banken, Sparkassen, Volks- und Raiff­eisen­banken: Fast alle Banken veröffent­lichen inzwischen ihren Dispozins im Internet. Dafür tricksen nun einige bei der Zins­anpassung. Insgesamt gilt: Banken können sich so günstig Geld leihen wie nie. Ihre Kunden dagegen müssen immer noch hohe Zinsen zahlen. Im Schnitt liegt der Dispozins bei 9,78 Prozent – nur 0,1 Prozent­punkte unter Vorjahr. Wir halten einen Dispozins von 8 Prozent noch für akzeptabel.

Alle Zins­konditionen seit 2010

Seit 2010 prüft Finanztest regel­mäßig bundes­weit die Höhe der Dispozinsen der Kredit­institute. Seitdem ist der Durch­schnitts­zins zwar gesunken, aber noch nicht genug. 2017 haben die Tester Konditionen für insgesamt 1 377 Banken, Sparkassen, Volks- und Raiff­eisen­banken ermittelt – teil­weise mit mehreren unterschiedlichen Konto­modellen: Dispozinsen und Zinsen für die geduldete Überziehung für alle getesteten Banken. In unserer Daten­bank finden Sie jähr­liche Entwick­lung der Zins­konditionen seit 2010.

Beur­teilungs­maßstab ist der EZB-Leitzins

Ein wichtiger Anhalts­punkt, um die Höhe des Dispozinses zu beur­teilen, ist der EZB-Leitzins. Das ist der Zins, zu dem sich Banken bei der Europäischen Zentral­bank Geld leihen. Aktuell liegt er bei 0 Prozent. Der Abstand zwischen EZB-Leitzins und Durch­schnitts­dispo lag vor der Finanz­krise Anfang 2008 bei gut 8 Prozent­punkten. Dann stieg er 2010 auf fast 12 Prozent­punkte. Aktuell liegt der Unterschied immer noch bei knapp 10 Prozent­punkten.

In der Spitze über 13 Prozent

Bei den teuersten Banken ist der Abstand noch größer. Die Volksbank Raiffeisenbank Oberbayern Südost verlangt bei ihren Konten Direkt und Klassik 13,75 Prozent für die Konto­über­ziehung, die Rosbacher Raiffeisenbank 13 Prozent. Beide Banken gehörten mit diesen Zins­sätzen schon im Vorjahr zu den teuersten Banken. Insgesamt verlangen 28 Banken 12,5 Prozent und mehr: Banken mit hohem Dispozins. Das finden wir über­trieben.

Güns­tige Zins­sätze ab 0 Prozent

Ein Dispozins um 8 Prozent ist nicht unrealistisch. Flächen­deckend haben die Direkt­banken die güns­tigsten Dispozinsen. Die Deutsche Skat­bank berechnet im Girokonto Flat 0 Prozent, beim Kontomodell Trumpf 4,17 Prozent. Bei der Comdirect Bank beträgt der Dispo 6,50 Prozent. Zwar gibt es Filial­banken, die in die Nähe dieser guten Konditionen kommen. Kunden müssen jedoch prüfen, zu welchem Konto­modell der Zins gehört. Finanztest beob­achtet seit einigen Jahren, dass viele Banken spezielle Premium­konten mit sehr nied­rigen Dispozinsen und Extras wie einer goldenen Kreditkarte oder Versicherungen anbieten. Der Haken: Die Konto­führungs­gebühr ist so hoch, dass selbst Kunden, die den Dispo regel­mäßig nutzen, aufs Jahr gerechnet mehr bezahlen müssen als für ein Stan­dard­konto mit deutlich höherem Dispozins.

Tipp: Die aktuellen Konto­führungs­gebühren finden Sie im Produktfinder Girokonten.

Banken veröffent­lichen Zins im Netz

Positives Ergebnis unseres aktuellen Tests: Nachdem die Banken jahre­lang gemauert haben, ist es mitt­lerweile nicht mehr so schwer, den Dispozins einer Bank zu erfahren – weder für uns Tester noch für die Kunden. Nahezu alle Banken veröffent­lichen ihn auf ihrer Internetseite. Dazu sind sie seit gut einem Jahr, seit März 2016, gesetzlich verpflichtet.

Einige Banken verstoßen gegen das Gesetz

Bei fünf Banken aber haben auch erfahrene Finanztest-Mitarbeiter den Dispozins nicht gefunden. Das sind die Volks­banken Esens, Rathenow, Über­wald-Gorxheimertal, die Raiff­eisen­bank Kaarst und die Föhr-Amrumer Bank. Fehlt die Information über den Dispozins, wäre das ein Verstoß gegen das Gesetz.

[Update 24. Juli 2017]: Nach der Veröffent­lichung der Test­ergeb­nisse hat uns die Raiff­eisen­bank Kaarst darüber informiert, dass die Konditionen für den Dispositions­kredit jetzt auf ihrer Internetseite zu finden sind. Darauf­hin haben wir auch die Internet­seiten jener Banken erneut über­prüft, bei denen wir die Angaben zuvor nicht finden konnten. Der Check ergab: Auch die Föhr-Amrumer Bank und die Volks­bank Esens haben ihre Internet­seiten um die Konditionen für den Dispositions­kredit ergänzt.

[Update 15. August 2017]: Auch die Volks­bank Rathenow hat auf unsere Veröffent­lichung reagiert und uns darüber informiert, dass die Konditionen für den Dispositions­kredit jetzt auf ihrer Internetseite zu finden sind. Eine erneute Über­prüfung der Volks­bank Über­wald-Gorxheimertal hat dann ergeben, dass auch diese ihre Internet­seiten um die Konditionen für den Dispositions­kredit ergänzt hat. Jetzt sind die Angaben der Kredit­institute voll­ständig. [Update Ende]

Einige Banken stellen den Dispozins nicht klar dar

Bei einigen Banken waren wir erst nach längerem Suchen erfolg­reich: Bei der Volks­bank Rhein-Wupper fanden wir den Preis­aushang nicht direkt auf der Internetseite, sondern erst auf dem Umweg über die Google-Suche. Ob er aktuell ist, konnten wir allerdings nicht erkennen. Bei der VR Bank im Altkreis Bersenbrück steht der Dispozins unter dem Stich­wort „Wohn­immobilien­kredit­richt­linie Giro­konto“, bei der Volks­bank Baum­berge unter dem Stich­wort „Wunsch­kredit“.

Neue Tricks bei Zins­anpassung

Nachdem die Intrans­parenz bei den Dispozinsen fast behoben ist, haben sich einige Banken – insbesondere kleine Volks- und Raiff­eisen­banken – offensicht­lich etwas Neues ausgedacht, um zu verschleiern, nach welchen Regeln sie den Zins anpassen. Seit Juni 2010 müssen Verbraucher nach­voll­ziehen können, wie und wann sich die Zinsen verändern. Die Banken legen seitdem in einer Zins­anpassungs­klausel fest, an welchen Referenz­wert sie den Dispozins koppeln. Das ist häufig der EZB-Leitzins oder der 3-Monats-Euribor, beides Zins­sätze, zu denen sich europäische Banken mit sehr guter Kreditwürdig­keit unter­einander Geld leihen.

  • Trick 1. Bei einigen Banken ist auf den ersten Blick immer noch nicht die genaue Höhe des Dispozinses erkenn­bar: nämlich dann, wenn im Preis­verzeichnis steht „Referenzzins­satz + Aufschlag von x Prozent“. Andere machen ihn von der Bonität des Kunden abhängig.
    Alle Banken mit unklaren Angaben zum Dispozins
  • Trick 2. Einige Banken senken den Dispo nicht oder nicht mehr, wenn der Referenzzins in den Minusbereich geht. Sie behandeln einen negativen Referenzzins wie null. Bei der Volks­bank Klett­gau-Wutöschingen heißt das „Null­zins­bremse“. Ihre Einführung am 1. Februar 2017 führte sogar dazu, dass der Dispozins der Bank gegen­über dem 1. Juli 2016 um 0,2 Prozent­punkte gestiegen ist, obwohl der negative Referenz­wert fast unver­ändert blieb.
  • Trick 3. Eine Zins­erhöhung sogar um knapp 2 Prozent­punkte seit dem Vorjahr ist uns bei der Franken­berger Bank aufgefallen. Unsere Nach­frage ergab, dass die Bank einfach die Zins­anpassungs­klausel geändert hat: Der Zins­satz für Dispokredite beträgt statt 8 Prozent plus 3-Monats-Euribor nun 10 Prozent plus 3-Monats-Euribor. Auch wenn die Kunden darüber informiert wurden, fragen wir uns, welchen Sinn die Klauseln haben, wenn sie bei anhaltend nied­rigen Zinsen einfach zulasten der Kunden geändert werden können.

Freiwil­lige Zins­senkungen

Unsere bundes­weite Erhebung der Dispozinsen bringt auch Gutes ans Licht. Einige Banken, die schon 2016 nicht zu den teuersten gehörten, haben ihren Zins gesenkt, obwohl die Markt­zinsen nicht gefallen sind:

  • Elke Rienau, Leiterin Vertriebs­steuerung und Marketing bei der Volksbank Magdeburg, begründet die Dispozins­senkung um 1,72 Prozent­punkte mit den weitest­gehend auto­matisierten Abläufen bei einem Dispokredit.
  • Bei der Kreissparkasse Gotha ermöglicht „die anhaltende Nied­rigzins­situation, die güns­tige Zins­gestaltung für Kredite und Finanzierungen an unsere Kunden weiterzugeben,“ so Vorstand Jörg Kriegl­stein.

Auch wenn solche Beispiele die Ausnahme sind, beweisen sie, dass faire Dispozinsen möglich sind – auch bei Filial­banken.

Hinweis: Finanztest erhebt die Dispozinsen deutsch­land­weit einmal pro Jahr. Kommentare, die vor dem 14.07.2017 gepostet wurden, beziehen sich auf eine ältere Version der Unter­suchung.

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