Gewusst wie Special

Aufstehen, Anziehen, Körper­pflege – auf einmal geht manches nicht mehr ohne Hilfe. Sind Sie pflegebedürftig geworden, haben Sie Anspruch auf Leistungen der Pflege­versicherung. Sie können Pflegegeld erhalten oder die Versicherung zahlt für professionelle Pflege. Wie viel Sie bekommen, hängt von der Pfle­gestufe ab. Die müssen Sie beantragen.

Sie benötigen:

  • Stift und Papier
  • Uhr
  • Vordruck für ein Pfleg­etagebuch

Schritt 1

Stellen Sie bei Ihrer Kasse einen Antrag. Es reicht, wenn Sie schreiben: „Ich beantrage hier­mit Leistungen der Pflege­versicherung und bitte um kurz­fristige Begut­achtung.“ Die Kasse schickt Ihnen ein Antrags­formular, das Sie ausgefüllt zurück­senden müssen. Privat Kranken­versicherte wenden sich an ihre private Kranken­versicherung.

Schritt 2

Bitten Sie die Menschen, die sich um Sie kümmern, zwei Wochen lang ein Pfleg­etagebuch zu führen. Sie sollten genau nach der Uhr notieren, wann und wobei Sie Hilfe benötigen und wie lange das dauert. Einen Vordruck dafür bekommen Sie von der Krankenkasse, aber auch bei der Verbraucherzentrale Berlin als PDF unter www.vz-berlin.de/mediabig/33212A.pdf.

Schritt 3

Ein Gutachter des Medizi­nischen Dienstes der Kranken­versicherung (MDK) wird seinen Besuch ankündigen. Wenn Sie privat versichert sind, meldet sich die Firma Medicproof. Bitten Sie pflegende Angehörige, dabei zu sein, und halten Sie Ihr Pfleg­etagebuch bereit. Der Gutachter kommt, um fest­zustellen, wo Sie Hilfe benötigen. Das Pfleg­etagebuch ermöglicht es ihm, Ihre Situation einzuschätzen. Verschweigen Sie nichts, weil es Ihnen peinlich ist, zum Beispiel Inkontinenz. Denn auf Grund­lage des Gutachtens entscheidet die Kasse über Ihre Einstufung.

Schritt 4

Spätestens fünf Wochen nachdem die Pflegekasse Ihren Antrag erhalten hat, muss sie Ihnen das Ergebnis über die Einstufung mitteilen. Sind Sie damit nicht einverstanden, können Sie inner­halb von einem Monat ab Erhalt dieses Bescheids schriftlich Wider­spruch einlegen. Sie sollten den Wider­spruch begründen, indem Sie schildern, warum die Pfle­gestufe zu nied­rig ist oder Ihnen zu Unrecht verweigert wurde. Verbände wie Caritas, Diakonie oder Arbeiter­wohl­fahrt sowie Anwälte können Ihnen dabei helfen.

Gewusst wie! – auch als Buch erhältlich

Gewusst wie Special

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