Gewusst wie Erbschein beantragen

Nach dem Tod eines Menschen benötigen seine Erben oft einen Nach­weis für ihre Stellung als Erben. Diesen Nach­weis kann ein Testament liefern. Viele Erben müssen aber extra einen Erbschein beantragen, weil es kein Testament gibt oder es nicht ausreicht.

Sie benötigen:

  • Termin beim Amts­gericht oder Notar
  • Personal­ausweis oder Reisepass
  • Ster­beurkunde des Verstorbenen
  • Falls vorhanden Testament/Erbvertrag
  • Anschriften aller Miterben

Schritt 1

Stellen Sie fest, ob Sie einen Erbschein brauchen. Haben Sie zu Lebzeiten eine Konto­voll­macht vom Verstorbenen bekommen, erhalten Sie sein Bank­guthaben ohne Erbschein und Testament. Die Bank kann das Geld auch auszahlen, wenn Sie das Testament oder eine beglaubigte Kopie vorlegen und daraus hervorgeht, dass Sie Erbe sind. Sie müssen nur noch zusätzlich das Protokoll des Amts­gerichts über die Testaments­eröff­nung vorlegen. Ist das Testament nicht eindeutig, verlangt die Bank jedoch einen Erbschein. Auch für das Umschreiben eines Grund­stücks ist oft ein Erbschein nötig. Ohne den Schein geht es nur, wenn es ein notarielles Testament oder einen Erbvertrag gibt.

Schritt 2

Wenn Sie einen Erbschein benötigen, können Sie ihn beim Notar oder in der Nach­lass­abteilung des Amts­gerichts beantragen. In Baden-Württem­berg sind die staatlichen Notariate zuständig. Rufen Sie dort an und fragen Sie, welche Unterlagen Sie mitbringen müssen. Gibt es kein Testament, müssen Sie Dokumente vorlegen, aus denen sich Ihre Stellung als gesetzlicher Erbe ergibt. Hat die Ehefrau geerbt, muss sie etwa die Heirats­urkunde vorlegen. Nehmen Sie das Familien­stamm­buch des Verstorbenen mit, wenn es eines gibt. Einige Angaben müssen Sie eides­statt­lich versichern.

Schritt 3

Sie müssen ein Formular zum Nach­lass­wert ausfüllen. Davon hängen die Kosten des Erbscheins ab. Für einen Nach­lass von 50 000 Euro kostet er 264 Euro, für 100 000 Euro sind es 414 Euro. Es ist billiger, den Erbschein beim Amts­gericht zu beantragen. Denn auf die Notar­gebühr kommen 19 Prozent Mehr­wert­steuer.

Schritt 4

Wenn Sie noch Unterlagen nach­reichen müssen, kann es mehrere Wochen dauern, bis der Erbschein da ist. Sind alle Dokumente da, geht das meist sehr schnell.

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7 Kommentare Diskutieren Sie mit

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family am 30.05.2017 um 10:32 Uhr
2-6 Wochen Wartezeit??

Wir haben den Antrag über einen Notar (in Bayern) beim Amtsgericht Leverkusen abgegeben. Das war vor ca. 8 Wochen. Auf Nachfrage heißt es seit über 2 Wochen, der Antrag ist in Bearbeitung... Also ist die Zeitangabe von 2-6 Wo. eher in gut und schnell arbeitenden Amtsgerichten üblich, aber nicht standard.

Piefke36 am 31.03.2017 um 19:01 Uhr
Schritt 3 Kosten doppelt so hoch beim Notar

..."Denn auf die Notar­gebühr kommen 19 Prozent Mehr­wert­steuer.".... ist irreführend
Beantragt man den Erbschein über ein Notariat erhebt das Amtsgericht eine Gebühr und zusätzlich der Notar die gleiche Gebühr plus Umsatzsteuer plus Beurkundungsgebühr plus Auslagen.
Also enstehen durch den Notar mehr als doppelt so hohe Gebühren plus USt., da die Gerichtsgebühr bestehen bleibt.

Till_Wollheim am 21.09.2015 um 12:20 Uhr
Theoretisches Geplänkel

In der Regel kennt eine Bank ihre Kunden Jahrzehnten und kann dann auch sehr wohl abschätzen, ob eine Aussage der vermeintlichen Erben zutrifft oder nicht.
Aber das beste ist: der Erblasser weiß ja in der Regel, daß es mit ihm zu Ende geht. Dann soll er sein gesamtes Bankvermögen seinen Erben schenken (Schenkungsurkunde aufsetzen und Unterschrift vom Banker bestätigen lassen!! Und Schenkung vor dem Tod auch durch Übertragung auf ein -am besten- Gemeinschaftskonto der Erben ausführen - sonst unwirksam nach Tod!!). Besser noch, wenn er dies bei Zeiten tut mit Nießbrauchsvorbehalt. Dadurch wird dann nochmals kräftig Schenkungsteuer gespart! Till

CarmenLang am 18.08.2015 um 14:45 Uhr

Kommentar vom Autor gelöscht.

Profilbild Stiftung_Warentest am 07.01.2014 um 12:43 Uhr
Erbschein-Antrag ohne Notar?

@JoeWag: Es ist sicher richtig, dass der Notar die Sache beschleunigen kann, wenn er die Unterlagen des Mandanten auf Vollständigkeit prüft und noch fehlende Dokumente nachfordert bevor der Antrag zum Amtsgericht geht. Aber in einfach gelagerten Fällen ist es sicher auch Nicht-Juristen möglich, die nötigen Unterlagen für die Antragstellung zusammenzustellen. Viele Amtsgerichte informieren auf ihren Internetseiten gut über die mitzubringenden Unterlagen. Außerdem kann einiges vorab bei der telefonischen Vereinbarung des Termins geklärt werden. Wir haben uns bei einigen Rechtspfleger umgehört: sind die Unterlagen bei Antragstellung alle vorhanden, dauert die Erbscheinerstellung je nach Amtsgericht und Belastung 2 bis 6 Wochen. Auch über den Notar geht es dann nicht schneller. (AK)