Gewusst wie Special

Erben heißt nicht immer reich werden. Auch Schulden werden vererbt und müssen dann von den Angehörigen getilgt werden. Wenn Sie wissen, dass Ihnen Schulden drohen, können Sie die Erbschaft ausschlagen. test.de erklärt, wie das funk­tioniert und welche Fristen Sie dabei einhalten müssen.

Sie benötigen:

  • Personal­ausweis
  • Internet, um das Nach­lass­gericht zu ermitteln, zum Beispiel unter Justiz.de
  • 30 Euro für die Kosten

Schritt 1

Fürs Ausschlagen haben Sie sechs Wochen Zeit. Die Frist beginnt, sobald Sie erfahren, dass der Erbfall einge­treten ist und Sie der Erbe sind. Lebte der Verstorbene im Ausland oder halten Sie sich als Erbe außer­halb von Deutsch­land auf, verlängert sich die Frist auf sechs Monate. Sie werden meist nicht benach­richtigt. Es gilt: Wer das Verwandt­schafts­verhältnis kennt, weiß um sein gesetzliches Erbrecht. Beantragen Sie zunächst keinen Erbschein, sonst gilt das Erbe als angenommen.

Schritt 2

Finden Sie heraus, vor welchem Gericht Sie ausschlagen müssen. Sie können wählen, ob Sie sich an das Nach­lass­gericht am Wohn­sitz des Verstorbenen oder an das am eigenen Wohn­sitz wenden, wenn Sie woanders wohnen. Letzteres ist meist einfacher. Nach­lass­gerichte sind bei den Amts­gerichten angesiedelt. Sie können auch beim Notar erklären, dass Sie ausschlagen möchten. Der Notar leitet die Erklärung ans Gericht weiter.

Schritt 3

Gehen Sie zum Nach­lass­gericht oder Notar und denken Sie daran, dass Sie sich ausweisen müssen. Das Ausschlagen kostet Geld: Ist der Nach­lass über­schuldet, sind es 30 Euro. Beim Notar kommen Gebühren, Portokosten und Umsatz­steuer hinzu.

Schritt 4

Informieren Sie Ihre Verwandten, wenn Sie ausgeschlagen haben. Denn wenn Sie ablehnen, lösen Sie einen Domino­effekt aus. Die Erbschaft fällt dem Nächsten in der gesetzlichen Erbfolge zu. Auch ihm bleiben sechs Wochen, um die Schulden loszuwerden. Wer minderjäh­rige Kinder hat, muss auch für diese ausschlagen.

Tipp: Wenn Sie die sechs­wöchige Frist verstreichen lassen, gilt die Erbschaft als angenommen. Dennoch können Sie verhindern, dass Sie die Schulden bezahlen müssen. Sie können zum Beispiel inner­halb von zwei Jahren die Anordnung der Nach­lass­verwaltung beim Nach­lass­gericht beantragen. Steht fest, dass es nur Schulden zu erben gibt, müssen Sie die Eröff­nung eines Nach­lassinsolvenz­verfahrens beim Insolvenzge­richt beantragen.

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