Gewinn­spiel-Werbung Meldung

Das Boesche-Gewinn-Kontor verschickt Briefe: „Glück­wunsch! Ein Geschenk im Wert von 300 Euro.“ Und es verspricht: 99,99 Prozent Gewinn­chance, „staatlich garan­tiert“. Klar, dass wir sofort die Service-Rufnummer wählen. Eine gut geschulte Verkäuferin sagt uns, es gehe um eine Vier-Tage-Busreise zur „Bern­steinküste“ – nach Polen. Dann wechselt sie schnell das Thema und wird penetrant. „Sie haben jetzt die einmalige Chance“ für ein Halb­jahres­los der Nord­deutschen Klassenlotterie (NKL): 480 Euro, aber dafür 99,99 Prozent Gewinn­chance. So viel, dass auch wir mal was gewinnen: Autos, Häuser, Traumreisen. Fragen zur Reise wimmelt sie ab, drängt aber massiv zum Loskauf. Wir sollen sofort zusagen.

Wir gehen auf die Internetseite der NKL. Dort steht: „16 Bundes­länder garan­tieren, dass alle Gewinne ausgespielt werden.“ Aber 99,99 Prozent? NKL-Sprecherin Vanessa Müller bestätigt die Zahl, aber: „Das lässt keine Rück­schlüsse auf die Art des Gewinns zu“– ach so. Wir rufen bei Boesche den Chef an. Johann-Peter Boesche muss zugeben: Die 99,99 Prozent betreffen nicht Autos, Häuser, Traumreisen, sondern den kleinst­möglichen Gewinn: 8,75 Euro. Juristin Julia Rehberg von der Verbraucherzentrale Hamburg warnt: „Unver­hoffte Gewinn­mitteilungen sind oft nur Türöffner für ein Verkaufs­gespräch.“

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