Haus- und Grundbesitzerhaftpflicht: Eigentümerschutz

Gewässerschadenhaftpflicht Test

Hält der Balkon? Haus- und Grundbesitzer-Haftpflichtversicherungen zahlen jährlich insgesamt rund 106 Millionen Euro – etwa wenn Passanten durch marode Fassadenteile verletzt werden.

Eigentümer von Mehrfamilienhäusern oder vermieteten ­Einfamilienhäusern brauchen eine Haus- und ­Grundbesitzer-Haftpflichtversicherung.

In einem Haus oder auf einem Grundstück kann viel passieren. Dann ist der Eigentümer in der Pflicht und muss für die Folgen geradestehen. Vor diesem finanziellen Risiko schützt ihn eine Haus- und Grundbesitzer-Haftpflichtversicherung. Denn sie zahlt, wenn Dritte im Haus oder auf dem Grundstück geschädigt werden.

Die Versicherung kommt beispielsweise für den Schaden auf, wenn das Auto eines Besuchers auf dem Grundstück von einem herabfallenden Ast eines Baumes beschädigt wird. Auch zahlt sie, wenn ein Gast eine Treppe hinunterstürzt und sich schwer verletzt, weil eine Stufe uneben oder ­beschädigt war. Die Schadenersatzforderungen eines Passanten, der von einer ­herabfallenden Dachpfanne oder einem Stein aus einer bröckelnden Fassade oder eines maroden Balkons getroffen wird, begleicht die Versicherung ebenfalls. Insgesamt rund 54 000 Schäden regulieren die Anbieter von Haus- und Grundbesitzer-Haftpflichtversicherungen jedes Jahr.

Hat der Eigentümer eines Mehrfamilienhauses oder eines vermieteten Einfamilienhauses diese Police nicht, kann der Schaden für ihn zur finanziellen Katastrophe werden. Im Fall des von einem bröckelnden Stein getroffenen Passanten ist dies leicht möglich. Wird dieser beispielsweise so unglücklich am Kopf getroffen, dass er bleibende Schäden davonträgt und erwerbsunfähig wird, können auf den Hauseigentümer insgesamt Forderungen in Millionenhöhe zukommen: Behandlungskosten, Schmerzensgeld und eine lebenslange Rente. Denn er haftet laut Gesetz mit seinem gesamten Vermögen und ­seinem Einkommen oberhalb der Pfändungsfreigrenze.

Deshalb ist eine ausreichend hohe Versicherungssumme wichtig. Sie sollte nicht niedriger sein als 3 Millionen Euro pauschal für Personen- und Sachschäden.

Finanztest hat die Angebote getestet und festgestellt, dass nicht alle untersuchten Tarife diese Versicherungssumme ­bieten. Im Vergleich zu unserer letzten ­Untersuchung (siehe Artikel Haus- und Grundbesitzer-Haftpflichtaus Finanztest 5/02) haben eine Reihe von Versicherern nachgebessert und die Versicherungssumme auf mindestens 3 Millionen Euro aufgestockt. Einige Gesellschaften wie Arag, Volksfürsorge und Volkswohl Bund erfüllen diese Voraussetzung nicht. Sie stehen deshalb nicht in der Tabelle „Haus- und Grundbesitzer-Haftpflicht“.

Schutz für 31 Euro im Jahr

Der Beitrag für eine Haus- und Grundbesitzerhaftpflicht-Versicherung richtet sich bei Wohnhäusern nach der Anzahl der Wohnungen, der Gesamtwohnfläche oder der Bruttojahresmiete. Je größer das Haus und je höher die Mieteinnahmen, desto teurer der Beitrag.

Wir haben die Beiträge für ein Haus mit zwei Wohnungen und ein Haus mit sechs Wohnungen verglichen. Schutz für sein Haus mit zwei Wohnungen gibt es bereits für einen Jahresbeitrag von 31 Euro. So viel kostet diese Police beim günstigsten ­Anbieter im Test, der Gesellschaft Asstel, wenn der Kunde zwei schadenfreie Jahre vorweisen kann. Sie bietet dafür sogar eine Versicherungssumme in Höhe von 5 Millionen Euro. Dies ist die Höchstgrenze, bis zu der die Gesellschaft für einen Schaden aufkommt. Nachteil diese Angebots: Die Risiken bei kleineren Bauvorhaben werden nicht mit abgedeckt.

Ein Haus mit sechs Wohnungen kann der Kunde beim günstigsten Anbieter im Test, der Gesellschaft Gerling, bereits für 52 Euro im Jahr versichern. Beim teuersten Anbieter, der Allianz, kostet die Police für ein Mehrfamilienhaus mit sechs Wohnungen 226 Euro. Dafür beträgt die Versicherungssummer allerdings 3 Millionen Euro für Personen- plus 3 Millionen Euro für Sachschäden. Außerdem sind Bauvorhaben ohne Zuschlag mitversichert, egal wie hoch die Bausumme ist.

Plus für Eigentümergemeinschaft

Für Eigentümergemeinschaften machen viele Gesellschaften günstigere Angebote. So kostet der Beitrag für ein Mehrfamilienhaus mit sechs Wohnungen einer Eigen­tümergemeinschaft beim günstigsten getesteten Anbieter, der Haftpflichtkasse Darmstadt, 42 Euro.

Der Verwalter einer Wohnanlage in ­Eigentümergemeinschaft ist verpflichtet, eine Haus- und Grundbesitzer-Haftpflichtversicherung abzuschließen. So steht es im Wohnungseigentumsgesetz. Ist kein Verwalter bestimmt, kann zwar niemand die Eigentümer zum Abschluss zwingen. ­Allerdings müssten sie dann Schäden aus eigener Tasche bezahlen. Die Police ist daher unbedingt notwendig.

Wer keine Häuser, sondern nur ein unbebautes Grundstück versichern will, zahlt im Schnitt wesentlich weniger als ein Hausbesitzer. Meist berechnen die Unternehmen einen bestimmten Beitragssatz pro 100 Quadratmeter Fläche. Bei der Gothaer sind dies 0,14 Euro für eine Versicherungssumme von 3 Millionen Euro. Bei der Axa werden dagegen 0,93 Euro fällig.

Fast alle Gesellschaften verlangen jedoch einen Mindestbeitrag. Dann kommen kleinere Grundstücke schnell teurer, als wenn der Beitrag strikt nach dem Beitragssatz pro 100 Quadratmeter Fläche erhoben würde.

Gesellschaften, die einen günstigen Beitragssatz pro 100 Quadratmeter Fläche ­haben, bieten längst nicht immer einen günstigen Mindestbeitrag. So verlangt die Gothaer für eine Versicherungssumme von 3 Millionen Euro einen Mindestbeitrag von 47 Euro. Die beim Beitragssatz pro 100 Quadratmeter Fläche mit 0,65 Euro teurere SHB will nur mindestens 35 Euro. Wer nur ein kleines Grundstück versichern möchte, kommt hier also besser weg. ­Genaues Rechnen lohnt sich.

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