Gewährleistung Meldung

Sieg für Verbraucherzentrale Bundesverband: Wer für ein defektes Gerät Ersatz erhält, zahlt keine Nutzungsgebühr.

Umtausch: Nutzungsgebühren verlangen viele Händler, wenn sie in der zweijährigen Gewährleistung ein kaputtes Gerät gegen ein neues austauschen. Im vorliegenden Fall hatte sich bei einem Herd von Quelle nach 17 Monaten die Emailleschicht gelöst. Quelle lieferte ein Ersatzgerät, forderte aber fast 120 Euro Nutzungsentschädigung. Die Kundin, so Quelle, habe schließlich einen Vorteil. Denn wenn ein Herd im Durchschnitt zehn Jahre halte, habe sie ihn 17 Monate länger nutzen können, weil die Zeit bis zum Austausch dazukomme.

Pflichten: Die Europarichter sahen den Fall anders. Die Frau habe ihre Pflicht aus dem Kaufvertrag – nämlich den Preis zu zahlen – voll erfüllt. Nicht aber Quelle, denn der Herd war mangelhaft. Quelle müsse deshalb den vertragsgemäßen Zustand unentgeltlich herstellen. Das bedeute, dass jede weitere finanzielle Forderung im Rahmen der Erfüllung dieser Verpflichtung ausgeschlossen sei.

Gängige Praxis: Mit diesem Urteil (Az. C-404/06) kippt eine gängige Praxis vieler Händler. Oft kassieren sie für Ersatzgeräte 5 bis 15 Prozent des Kaufpreises. Der Bundesverband Technik des Einzelhandels hat sogar eine Tabelle erstellt. Danach sollen Kunden, deren 500-Euro-Fernseher nach einem Jahr den Geist aufgibt, 71,43 Euro für ein Ersatzgerät zahlen.

Kostenlos: Damit ist nun Schluss. Der Umtausch in den ersten zwei Jahren muss kostenlos sein.

Tipp: Das Urteil gilt nur, wenn ein Ersatzgerät geliefert wird. In Fällen, wo weder Reparatur noch Ersatzlieferung möglich waren und deshalb der Kaufvertrag rückgängig gemacht wird, dürfen Händler nach heutiger Rechtslage Nutzungsentgelt fordern. Relativ oft geschieht das bei Autokäufen.

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