Getsurance Schnelltest

Eine Berufs­unfähigkeits­versicherung sollte jeder haben. Doch nicht jeder bekommt einen Vertrag. Da klingt das Versprechen des Berliner Versicherungs­vertreters Getsurance verlockend: „In 5 Minuten zu Deiner Berufs­unfähigkeits­versicherung“. Das Angebot „Getsurance Job“ gibt es nur online. Es wurde gemein­sam mit dem Liechten­steiner Lebens­versicherer Squarelife entwickelt. test.de hat den Versicherungs­schutz unter die Lupe genommen.

Das Angebot: Job Getsurance

Über die Internetseite von Getsurance können Kunden Berufs­unfähigkeits­schutz abschließen. Getsurance ist eine Marke der Berliner Young Finance GmbH, die ausschließ­lich Versicherungen der Squarelife Lebens­versicherungs-AG vermittelt. Drei Angebote stehen zur Auswahl:

  • Job Premium: Finanzieller Schutz gegen Berufs­unfähigkeit durch Unfälle, körperliche Krankheiten und psychische Krankheiten.
  • Job Comfort: Finanzieller Schutz gegen Berufs­unfähigkeit durch Unfälle und körperliche Krankheiten; psychische Krankheiten sind ausgeschlossen.
  • Job Basic: Schutz nach Unfällen. Das Angebot ist noch nicht verfügbar, Details sind uns nicht bekannt (Stand 28. Juni 2017). Interes­senten kommen auf eine Warteliste.

Squarelife ist ein junges Unternehmen aus Liechten­stein, seit 2013 im Versicherungs­geschäft tätig und in Deutsch­land kaum bekannt.

Das Versprechen: schnell, online

Getsurance fragt zunächst Eckdaten zu Person, beruflicher Tätig­keit und Einkommen ab. Anschließend müssen Kunden einfache Fragen zu ihrer Gesundheit beant­worten – etwa zum Grad einer Behin­derung oder schweren Erkrankungen. Bei der Frage nach psychischen Vorerkrankungen wird nach Unter­suchungen und Beratungen in den zurück­liegenden zehn Jahren gefragt. Je nach Gesund­heits­status bekommen Interes­sierte dann Versicherungs­angebote ange­zeigt. Entscheiden sich Kunden für ein Angebot, müssen sie weitere Gesund­heits­fragen beant­worten, etwa ob sie Medikamente oder Drogen nehmen und ob sie bereits stationäre Kranken­haus­auf­enthalte hinter sich haben. Die Befragung wird sofort ausgewertet und die Kunden erhalten umge­hend ein Vertrags­angebot, das sie per Klick annehmen können.

Die Police kommt per PDF

Im Klein­gedruckten erfolgt der Hinweis, dass möglicher­weise später zusätzliche Fragen in Text­form gestellt werden. Die Identität des Kunden klärt Getsurance anhand des Bank­kontos des Interes­senten. Die Police wird nicht per Post, sondern als PDF per E-Mail zuge­schickt. „Wir arbeiten derzeit an einem Login-Bereich, in dem Kunden ihre Police und andere Dokumente zu ihrer Versicherung anzeigen und herunter­laden können“, sagt Dr. Viktor Becher, Mitgründer von Getsurance.

Das sollte eine gute Berufs­unfähigkeits­versicherung leisten

Eine Berufs­unfähigkeits­versicherung bewahrt vor dem finanziellen Absturz, wenn jemand aufgrund von Krankheit oder nach einem Unfall nicht mehr arbeiten kann. Ein guter Versicherer zahlt die vereinbarte Rente, wenn der Versicherte voraus­sicht­lich für mindestens sechs Monate nicht mehr in der Lage ist, seinen zuletzt ausgeübten Beruf zu mindestens 50 Prozent auszuüben.

Guter Berufs­unfähigkeits­schutz mit „Job Premium“

Finanztest hat sich die Versicherungs­bedingungen des Angebots „Job Premium“ angeschaut. „Die Bedingungen sind relativ gut“, sagt Projektleiterin Beate Bexterm­öller von Finanztest. „Allerdings müssen Kunden wissen, dass der Versicherer nicht leistet, wenn der Versicherte aufgrund einer gefähr­lichen Frei­zeit­aktivität wie Berg­steigen, Kampf­sport oder Fall­schirm­springen berufs­unfähig wird.“ Ein 30-Jähriger, der über­wiegend im Büro arbeitet, zahlt bis zu seinem 67. Geburts­tag rund 945 Euro im Jahr für eine Berufs­unfähigkeits­rente in Höhe von monatlich 2 000 Euro. Damit gehört das Angebot zu den güns­tigeren auf dem Markt. Es geht aber noch preis­werter, wie unser aktueller Test von Berufsunfähigkeitsversicherungen zeigt: Unser fiktiver Interes­sent könnte einen vergleich­baren Schutz nämlich schon ab 813 Euro im Jahr erhalten, wenn er bei einem sehr guten Versicherer abschließt. Immerhin 31 von 73 Angeboten schnitten bei unserem Test mit Bestnote ab. Das Getsurance- Angebot „Job Premium“ war zum Test­zeit­punkt noch nicht auf dem Markt und konnte nicht mitgetestet werden.

Getsurance Schnelltest

„Job Comfort“: Für Kunden mit psychischer Vorerkrankung

Es ist sinn­voll, sich schon in jungen Jahren um den Berufs­unfähigkeits­schutz zu kümmern. Je gesünder jemand ist, um so einfacher ist es, einen guten Vertrag zu erhalten. Psychische Vorerkrankungen sind regel­mäßig eine Hürde für den Vertrags­schluss. Schon eine psycho­logische Beratung in einer Examens­krise kann dazu führen, dass ein Versicherer den Interes­senten nicht akzeptiert. Viele Versicherer bieten betroffenen Antrag­stel­lern dann zum Beispiel eine Unfall­versicherung an, aber keinen Berufs­unfähigkeits­schutz. Einige Vermittler empfehlen, in einigen Jahren wieder­zukommen. Meistens müssen mindestens fünf Jahre ohne weitere Behand­lung vergangen sein, bis ein Vertrags­abschluss infrage kommt. Für diese Zielgruppe bietet Getsurance die Variante „Job Comfort“ an. Bei diesem Tarif leistet der Versicherer allerdings nicht, wenn die Berufs­unfähigkeit aufgrund einer psychischen Erkrankung eintritt. Der Gesetz­geber definiert Berufs­unfähigkeit hingegen anders: „Berufs­unfähig ist, wer seinen zuletzt ausgeübten Beruf, so wie er ohne gesundheitliche Beein­trächtigung ausgestaltet war, infolge Krankheit, Körperverletzung oder mehr als alters­entsprechendem Kräfte­verfall ganz oder teil­weise voraus­sicht­lich auf Dauer nicht mehr ausüben kann“ (§172 Versicherungsvertragsgesetz). Demnach sind alle Krankheiten als Ursache für eine Berufs­unfähigkeit anerkannt.

Begriff „Comfort“ weckt falsche Erwartungen

Die Statistik zeigt indes, dass psychische Erkrankungen wie Depression, Angst­störung oder Erschöpfungs­syndrom die häufigste Ursache für den vorzeitigen Ausstieg aus dem Job sind. „Der Begriff Comfort ist in diesem Kontext leicht irreführend“, sagt Bexterm­öller. Denn Versicherte haben keinen allumfassenden Berufs­unfähigkeits­schutz. Für Interes­senten mit psychischer Vorerkrankung, die sonst keinen Schutz erhalten, kann das Angebot dennoch eine Möglich­keit sein, sons­tige Invaliditäts­risiken abzu­sichern. Kunden sollten sich aber im Klaren darüber sein, dass bestimmte Diagnosen, etwa Krebs oder Rückenleiden, unter Umständen dazu führen können, dass der Versicherer nicht leistet – und zwar dann, wenn psychische Erkrankungen als mitursächlich diagnostiziert werden.

Fazit: Guter Berufs­unfähigkeits­schutz nicht für jeden

Die Variante „Job Premium“ bietet einen relativ guten Berufs­unfähigkeits­schutz. Der Vertrags­abschluss kann komplett digital erfolgen. Der Interes­sent kann sich schnell durch­klicken und erhält bei Fragen Hilfe­stellung. Das Ausfüllen komplizierter Anträge, wie bei Berufs­unfähigkeits­versicherungen sonst üblich, entfällt. Die Variante „Job Comfort“ kann für Menschen mit psychischen Vorerkrankungen eine Möglich­keit sein, sons­tige Invaliditäts­risiken abzu­sichern.

Tipp: Holen Sie Angebote von mehreren Versicherern ein. Orientieren Sie sich dabei an den sehr guten Angeboten aus unserem letzten Test von Berufsunfähigkeitsversicherungen. Vergleichen Sie die Angebote und wählen Sie bei gleichem Leistungs­umfang das güns­tigste. Hilfe bei der Vertrags­suche bietet unsere Checkliste Berufsunfähigkeitsversicherung. Wer nicht sicher ist, ob er über­haupt eine Berufs­unfähigkeits-Police bekommt, findet in unserem Themenpaket Berufsunfähigkeitsversicherung viele Infos und Tests, die Alternativen zur Berufs­unfähigkeits­versicherung aufzeigen.

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