Getrock­nete Tomaten im Glas Test

Einfach lecker. Wer Schad­stoffe reduzieren will, sollte nur die Tomaten essen.

Schad­stoffe können den Genuss von Tomaten in Öl verderben. Einige der untersuchten Produkte sind erheblich belastet.

Gläser, gefüllt mit Öl und getrock­neten Tomaten umge­dreht auf den Deckel gestellt – wer macht denn so was? Die Prüfer der Stiftung Warentest. Zehn Tage lagerten sie die Gläser unserer Test­auswahl über­kopf bei Raum­temperatur, um deren Inhalt dann auf unerwünschte Weichmacher zu unter­suchen. Die Stoffe machen Deckeldichtungen geschmeidig, die aus PVC bestehen. Verschlüsse schließen so besser. Kommen ölige Lebens­mittel mit einem solchen Deckel in Berührung, können sich die Weichmacher lösen und ins Produkt gelangen, vor allem ins Öl. Je länger der Kontakt, desto mehr Weichmacher können übergehen.

Trotz des Kopf­stands: In 9 der 17 Produkte waren keine Weichmacher nach­weisbar. In 6 fanden wir nur geringe Gehalte – höhere lediglich in 2. Das ist ein erfreuliches Ergebnis und kein Vergleich zum Würzsoßentest von 7/2007. Damals waren die Weichmacher­gehalte in 18 der 25 Soßen sehr hoch, oft in gesund­heits­gefähr­denden Mengen. Es tut sich also was unterm Deckel: Positives.

Allerdings stießen wir dreimal auf deutliche Mengen anderer, teils krebs­er­regender Schad­stoffe: Mineral­ölbestand­teile, poly­zyklische aromatische Kohlen­wasser­stoffe (PAK) und Glycidyl-Ester.

Zehnmal gute Schad­stoff­noten

„Sonnen­getrocknet“, „Sonnengereift und hand­gepflückt“ werben manche Anbieter auf den Gläsern. Ob das stimmt, haben wir nicht geprüft. Wir können aber sagen: Schad­stoffe sind für zehn Produkte kein Problem. Sie schneiden im Check gut ab. Knapp vorn liegen die Tomaten der Marke Bio-Zentrale und das Bioprodukt der Drogeriemarkt­kette dm, gleich dahinter Cucina von Aldi Süd und Rewe Beste Wahl.

Ditt­manns Minis und Sera mangelhaft

Zwei Produkte fallen durch: die Mini-Perino-Tomaten von Fein­kost Ditt­mann und die Tomaten von Sera. Ditt­manns Tomaten sind weichmacherfrei, enthalten jedoch sehr viel an gesättigten Mineral­ölkohlen­wasser­stoffen (Mosh). Manche Mosh können sich in Organen anreichern. Die Europäische Lebens­mittel­behörde Efsa schätzt sie als „potenziell besorgnis­erregend“ ein. Es gibt bisher keine Grenz­werte für Mosh, die Mini-Perino-Tomaten sind aber 22- bis 140-mal stärker belastet als die anderen Produkte. Es geht also auch ohne so viel Mosh. Unser Urteil lautet: mangelhaft.

Die Tomaten in Öl der türkischen Marke Sera sind stark mit verschiedenen Weichmachern belastet. Die einzelnen Gehalte an sich sind gesundheitlich unbe­denk­lich, doch in der Summe liegen sie deutlich höher als in den anderen Produkten (Tabelle Getrocknete Tomaten in Öl) – und sie lassen sich vermeiden. Sera schneidet deshalb im Schad­stoff-Check mangelhaft ab. Hinzu kommt: Das Produkt ist deutlich mit PAK belastet.

Knack­punkt Deckel

Getrock­nete Tomaten im Glas Test

Fort­schritt. Im Vergleich zu früheren Tests fanden wir erheblich weniger Weichmacher in den Produkten. Sie können sich aus Deckeln lösen.

Ob die Weichmacher bei Sera nur aus dem Deckel stammen, lässt sich nicht eindeutig sagen. Wir haben Deckel, Tomaten und Öl einzeln untersucht. Die Analyse deutet darauf hin, dass die Weichmacher aus dem Deckel kommen. Doch auch andere Eintrags­wege sind möglich, zum Beispiel, wenn das Öl bei der Produktion in Kontakt mit belasteten Kunststoffen kommt.

Das Produkt der Bio-Marke LaSelva enthält als einziges den Weichmacher DEHP (Diethylhex­ylph­thalat). In Materialien, die mit ölhaltigen Lebens­mitteln in Kontakt kommen, ist die Substanz nicht erlaubt. In minimalen Konzentrationen ist sie als tech­nischer Hilfs­stoff zugelassen – etwa zur Herstellung von Dichtungen.

Die Konzentration im LaSelva-Deckel liegt im zulässigen Bereich, im Produkt selbst ist der Gehalt mit etwa 1,5 Milligramm pro Glas höher. Eine akute Gefahr für die Gesundheit bedeutet diese Menge nicht. Die täglich tolerier­bare Aufnahme­menge für DEHP liegt bei 0,05 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht. Eine 60 Kilo schwere Person könnte also ohne Bedenken täglich den Inhalt zweier LaSelva-Gläser leeren, zum Beispiel in Pastasoße oder als Zutat im Salat. Allerdings nimmt der Mensch DEHP auch aus anderen Quellen auf, beispiels­weise über Verpackungen, Griffe oder Hausstaub.

Blauer Dichtungs­ring fällt positiv auf

Die neun weichmacherfreien Produkte im Test zeigen, dass die Stoffe vermeid­bar sind. Es fällt auf, dass sieben von ihnen einen blauen Dichtungs­ring haben. Laut Prägung im Deckel stammen sie von der Firma Pano aus Itzehoe. Die verwendet nach eigener Aussage weder PVC noch Weichmacher, sondern „thermo­plastische Polyole­fine, die bereits eine innere Weichmachung besitzen“. Die Nach­frage nach den Deckeln ist groß, die Firma derzeit fast konkurenzlos. Die Anbieter von Antipasti in Öl liegen mit dieser Wahl offensicht­lich richtig.

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