Getrock­nete Kräuter Meldung

Wer sicher gehen will, keinen Oregano zu erwischen, der mit anderen Pflanzen verunreinigt ist, sollte das Gewürz nicht in getrock­neter, zerkleinerter Form kaufen, sondern frisch – als Zweig oder im Topf.

Oregano ist beliebt als würzende Zutat auf Pizza oder in Nudelsoßen. In getrock­neter, zerkleinerter Form kann das Kraut aber sehr stark mit giftigen Pyrrolizidin­alkaloiden (PA) belastet sein: Das belegen aktuelle Rück­rufe und Kontrollen. Auch Rück­stände von Pflanzen­schutz­mitteln sind ein Problem. Als wenn das nicht schon genug wäre: Gerebelter Oregano fällt bei Unter­suchungen auch immer wieder durch Verfälschungen mit Blättern anderer Pflanzen auf.

Viele Oregano-Proben sind nicht zum Verzehr geeignet

Das Chemische und Veterinäruntersuchungsamt (CVUA) Stuttgart hat von November 2018 bis Juni 2019 41 Proben von gerebeltem Oregano auf giftige Pyrrolizidinalkaloide untersucht. Die Ergeb­nisse sind erschre­ckend: 71 Prozent der Proben stufte die Behörde wegen der PA-Belastung als „nicht sichere Lebens­mittel“ ein. Neun Proben davon beur­teilte sie als „gesund­heits­schädlich“, weil die Gehalte extrem hoch waren. Höchst­wahr­scheinlich stammen sie aus versehentlich mitgeernteten Fremd­pflanzen, die PA zum Schutz gegen Fress­feinde bilden. Nur in einer Probe mit deutscher Herkunft waren die Schad­stoffe nicht nach­weisbar. Anders als Borretsch bildet Oregano nach aktuellem Wissens­stand selbst keine PA.

Pyrrolizidin­alkaloide können die Leber schädigen

PA wirken beim Menschen schädigend auf die Leber. Einige erwiesen sich zudem im Tier­versuch als krebs­er­regend und erbgutschädigend. Die EU-Kommis­sion arbeitet daran, Höchst­gehalte für PA in Lebens­mitteln fest­zulegen. Laut CVUA Stutt­gart wird für Gewürz­kräuter wie Oregano derzeit ein Höchst­gehalt von 1 000 Mikrogramm pro Kilogramm diskutiert. Bei den untersuchten Proben wurde durch­schnitt­lich etwa das Sechs­fache nachgewiesen: im Mittel 6 160 Mikrogramm pro Kilogramm. Verglichen mit anderen Lebens­mitteln wie Honig oder Kräutertee, die ebenfalls mit PA belastet sein können, sind die Gehalte im Oregano außergewöhnlich hoch. Die Stiftung Warentest hat PA außerdem schon in grünem Tee und schwarzem Tee nachgewiesen.

Oregano mit PA zurück­gerufen

Getrock­nete Kräuter Meldung

Die abge­bildeten Produkte mit den unten genannten Mindest­halt­barkeits­daten und Los-Nummern sollten Verbraucher nicht mehr verzehren.

Auch aktuelle Lebens­mittel­rück­rufe zeigen, dass getrock­neter, gerebelter Oregano teils mit PA belastet ist:

  • Die Giba Gewürze GmbH & Co. KG rief im Juli aufgrund eines erhöhten Gehaltes an Pyrrolizidinalkaloiden das Produkt Sahra Kekik Oregano (getrocknet) in der 120-Gramm-Kunst­stoff­dose zurück. Betroffen ist Ware mit dem Mindest­halt­barkeits­datum 31.12.2021 und der Los-Nummer L.189.S.H.
  • Auch die Gewürzmühle Fried­berg warnte im Juli vor dem gerebelten Oregano „Izmir Kekigi“ in Beuteln mit 30, 75 und 250 Gramm mit dem Mindest­halt­barkeits­datum 10.05.2020 und den LOT-Nummern: 0520 & 052018.

Pestizid­rückstände weisen auf Unkraut­problem hin

Das CVUA Stuttgart hat Oregano auch auf Pflanzen­schutz­mittel und auf Perchlorat untersucht. Es kann aus der Umwelt, aus Dünge­mitteln oder künst­licher Bewässerung in Oregano gelangen. In allen 41 Proben gab es Rück­stände: von insgesamt 38 verschiedenen Pestizid­wirk­stoffen und Perchlorat. Etwa jede fünfte über­schritt die gesetzlich fest­gelegten Höchst­mengen beziehungs­weise Referenz­werte. Besonders häufig waren Unkraut­vernichtungs­mittel nach­weisbar. Dies deutet laut der baden-württem­bergischen Unter­suchungs­behörde darauf hin, „dass die Bekämpfung von Unkräutern im Oregano­anbau eine Heraus­forderung darstellt“. Gestützt werde diese Vermutung durch die sehr hohen PA-Gehalte, die wahr­scheinlich aus unbe­absichtigt mitgeernteten wilden Pflanzen stammen.

Mit Blättern anderer Pflanzen verfälscht

Ein weiteres Problem von gerebeltem Oregano ist Verfälschung: Im Mai fanden Prager Forscher in 34 von 76 Oregano-Proben verfälschende Bestand­teile wie Myrten-, Oliven- oder Haselnuss­blätter. Ähnliches zeigte sich auch in der Stutt­garter Unter­suchung: Immerhin 4 von 20 Oregano-Proben wiesen Blätter von Zistrosen – im Mittel­meerraum verbreiteten Sträuchern – und von Olivenbäumen auf. Der Anteil an Fremd­pflanzen lag zwischen 24 und 65 Prozent. Ein unabsicht­licher Eintrag erscheint laut CVUA Stutt­gart bei diesen großen Mengen unwahr­scheinlich – zumal die Pflanzen unterschiedliche Wuchs­formen haben. Vielmehr sei zu vermuten, dass die Oliven- und Zistrosenblätter bewusst „zu Zwecken der Gewinn­maximierung“ beigemengt wurden, es sich also um Lebens­mittel­betrug handele. Interes­sant ist auch, dass zwei erheblich mit Olivenblättern verfälschte Oregano-Proben Rück­stände von Wirk­stoffen enthielten, die im Oliven­anbau gegen die schädliche Oliven­frucht­fliege einge­setzt werden.

Besser frischen Oregano selbst trocknen

Wer Oregano möchte, der weder verfälscht noch mit Gift­stoffen von Wild­kräutern verunreinigt ist, sollte ihn entweder im Topf kaufen oder selbst anbauen – im Garten oder auf dem Balkon. Frische reife, saubere Zweige lassen sich kopf­über gehängt an einem wetter- und wind­geschützten Ort gut trocknen, etwa auf dem Dachboden. Die Oreganoblätter lassen sich nach etwa einer Woche mit den Händen von den Stängeln lösen. In verschließ­baren Gläsern aufbewahrt, können sie auch außer­halb der Saison mediterrane Speisen verfeinern.

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