Mit der Gesundheitsreform werden die Möglichkeiten zum Wechsel der Krankenkasse nach einer Beitragserhöhung eingeschränkt. Wechselwillige Versicherte müssen ab dem Jahreswechsel schnell reagieren, wenn sie noch keine 18 Monate Mitglied der Kasse sind. Erhöht die Kasse den Beitrag, müssen sie spätestens am Ende des Monats nach Inkrafttreten des neuen Beitragssatzes kündigen.

Verbraucherfreundliche Gesetzeslücke

Bislang galt eine sehr großzügige Regelung: Nach einer Beitragserhöhung konnten betroffene Kassenmitglieder ohne Einhaltung irgendeiner Frist kündigen. Auch viele Monate nach der Beitragserhöhung mussten die Kassen Wechselwillige noch ziehen lassen. Doch diese Regel beruhte auf einem Versehen bei der Verabschiedung von Gesetzesänderungen im Jahr 2001. Im Eifer des Gefechts hatten die Ministerialbeamten die geplante Befristung des Rechts zum Kassenwechsel bei Beitragserhöhungen schlicht vergessen.

Befristung ab 2004

Mit der Gesundheitsreform, die zum 1. Januar 2004 in Kraft tritt, wird diese Gesetzeslücke wieder geschlossen. Die Kündigung zur Vorbereitung eines Kassenwechsels muss dann spätestens am Ende des zweiten Monats bei der Kasse ankommen, in dem der erhöhte Beitragssatz gezahlt werden muss. Tatsächlich haben Versicherte meist jedoch weniger Zeit. Zuverlässig erfahren sie von einer Beitragserhöhung erst durch die Lohnabrechnung. Und die kommt oft erst Mitte oder sogar Ende des Monats. Die Krankenkassen selbst sind nach wie vor nicht verpflichtet, ihre Mitglieder über eine Beitragserhöhung zu informieren. Ganz anders in der privaten Krankenversicherung: Dort wird eine Beitragserhöhung überhaupt nur wirksam, wenn der Versicherer den Kunden mindestens drei Monate vorher schriftlich darüber informiert hat.

Tipps zum Kassenwechsel

Grundsätzlich gilt: Versicherte können die Kasse stets wechseln, wenn sie bereits mindestens 18 Monate Mitglied sind. Nach einer Beitragserhöhung haben sie unabhängig von der Dauer der bisherigen Mitgliedschaft ein Sonderkündigungsrecht.

  • Kündigung. Sie müssen schriftlich kündigen. Noch brauchen Sie auch nach einer Beitragserhöhung keine Frist zu beachten. Ab 1. Januar 2004 muss eine Kündigung wegen einer Beitragserhöhung die Kasse noch während des zweiten Monats erreichen, in dem der erhöhte Beitrag zu zahlen ist. Das Kündigungsschreiben sollten Sie entweder persönlich abgeben oder per Einschreiben mit Rückschein schicken. Die Kündigung wird zum Monatsende des übernächsten Monats wirksam. Beispiel: Die Kündigung erreicht Ihre Kasse am Freitag, 28. November. In diesem Fall können Sie zum 1. Februar 2004 Mitglied einer anderen Kasse werden.
  • Verfahren. Spätestens innerhalb von 14 Tagen nach Eingang der Kündigung muss Ihnen die alte Kasse eine Kündigungsbestätigung ausstellen. Diese Bestätigung müssen Sie der neuen Kasse übermitteln. Der Wechsel ist vollzogen, wenn die neue Kasse rechtzeitig eine Mitgliedsbescheinigung ausstellt. Im Beispiel ist der 31. Januar der letzte Tag bei der alten Kasse, vom 1. Februar an wären Sie Mitglied in der neuen Kasse.
  • Nachhaken. Haken Sie nach, wenn Sie nicht spätestens drei Wochen nach der Kündigung von Ihrer Kasse gehört haben.
  • Beitrag. Bevor Sie den Aufnahmeantrag bei einer neuen Krankenkasse stellen, lassen Sie sich bestätigen, dass der Beitragssatz zum Zeitpunkt Ihres Eintritts noch gilt.
  • Extras. Kommt es Ihnen auf eine bestimmte Extraleistung jenseits des gesetzlichen Pflichtprogramms an, lassen Sie sich die Kostenübernahme vor dem Wechsel schriftlich zusichern.

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