Arm und Reich privat versichert

Private Krankenversicherer dürfen sich ab Juli ihre Mitglieder nicht mehr aussuchen. Sie werden sogar verpflichtet, Sozialtarife anzubieten.

Ab 1. Juli 2007 gibt es ein Rückkehrrecht in die private Krankenversicherung. Davon profitieren Menschen, die einmal aus der privaten Versicherung herausgefallen sind, und zum Beispiel Selbstständige, die nie versichert waren.

Die privaten Krankenversicherer müssen alle aufnehmen, die keinen Anspruch auf eine Mitgliedschaft in der gesetzlichen Krankenversicherung haben. Wer nicht für einen normalen Tarif infrage kommt oder keinen solchen will, wird dem Standardtarif zugeordnet.

Der Standardtarif bietet in etwa die Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherungen. Die Versicherer dürfen Vorerkrankungen bei der Berechnung des Beitrags nicht berücksichtigen und keine Risiken ausschließen. Der Tarif darf nur so viel kosten wie die teuerste gesetzliche Krankenversicherung. Das sind derzeit etwa 500 Euro im Monat.

Wer diese Summe nicht aufbringen kann, fällt aber nicht wieder durch die Maschen, die das System knüpft. Wird jemand dadurch hilfsbedürftig, dass er die Versicherungsbeiträge zahlt, müssen die Versicherer ihrem Kunden die gleichen Leistungen für die Hälfte anbieten.

Ist das immer noch zu viel, müssen die Sozialämter noch einmal so viel zuschießen, dass er wieder über die Bedürftigkeitsgrenze kommt. Für privatversicherte Bezieher von Arbeitslosengeld II bezahlt die Agentur für Arbeit.

Ab dem 1. Januar 2009 gilt dann die Versicherungspflicht für fast alle. Bundespolizisten und Soldaten, für deren Gesundheitskosten der Staat im Zuge der freien Heilfürsorge aufkommt, fallen nicht unter die Pflicht. Wohl aber die ­Beamten und Pensionäre.

Versicherungspflicht in einem normalen Tarif der privaten Krankenversicherung bedeutet: Ein Vertrag muss mindestens ambulante und stationäre Behandlungen bei Ärzten und in Krankenhäusern abdecken. Selbstbehalte können bis zu einer Höhe von 5 000 Euro vereinbart werden. Zahnarztbesuche und Zahnersatz müssen nicht versichert werden.

Sonderfall Beamte

Die Pflicht zur Versicherung erfasst auch Beamte und Pensionäre. Sie erhalten eine staatliche Beihilfe, um ihre Arzt- und Zahnarztrechnungen zu bezahlen. Manchen Beamten und Pensionären reicht dieser Zuschuss bisher. Sie pokern und verzichten auf eine zusätzliche Versicherung. Benötigen sie einen Arzt, lassen sie die Rechnung zu ihrem Beihilfesatz vom Staat begleichen, den Rest legen sie drauf. Solange sie nicht schwer erkranken, sparen sie so eventuell Geld.

Dieses Privileg entfällt ab dem 1. Januar 2009. Ab dann müssen sich Beamte und Pensionäre „beihilfeergänzend“ versichern. Ein Beamter mit einem Beihilfesatz von 50 Prozent muss ab dann eine Versicherung abschließen, um die andere Hälfte der Kosten ambulanter und stationärer Behandlungen abzusichern. Sein Selbstbehalt ist auf 2 500 Euro begrenzt. Zahnarztkosten kann er freiwillig einschließen lassen.

Auch Pensionäre, die bisher auf eine Krankenversicherung verzichtet haben, weil sie 70 Prozent Beihilfe bekommen, müssen die fehlenden 30 Prozent ab dem 1. Januar 2009 versichern.

Tipp: Es kann sich für nichtversicherte Beamte und Pensionäre lohnen, schon in den ab Juli für alle geöffneten Standardtarif einer privaten Krankenkasse zu gehen und sich 2009 in deren Basistarif übernehmen zu lassen. Je jünger einer einsteigt, desto niedriger liegt sein Beitrag auch in der Zukunft.

In den Basistarif wechseln

Ab 2009 löst der Basistarif den Standardtarif ab. Für die Versicherten ändert sich dadurch nichts am Leistungsumfang.

Änderungen gibt es aber beim Wechsel der Versicherung. Wechselt ein Kunde in den Basistarif einer anderen Versicherung, darf er einen Teil der Alterungsrückstellungen mitnehmen. Die bauen die Versicherer auf, damit die Beiträge im ­Alter nicht zu stark steigen müssen.

Wer in den normalen Tarif einer anderen Versicherung wechselt, verliert die Rückstellungen aber wie bisher.

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