Gesundheit von Jugend­lichen Meldung

Wer seinen Mitmenschen Gutes tut, kann selbst gesundheitlich profitieren – und das bereits in jungem Alter. Das legt eine Studie mit kana­dischen Jugend­lichen nahe. Darin haben Forscher erst­mals untersucht, wie sich freiwil­liges gesell­schaftliches Engagement auf gesundheitliche Risiko­faktoren für Herz und Kreis­lauf auswirkt. Ergebnis: Wer anderen hilft, kann eigene Krank­heits­risiken mindern. Wissenschaftler sehen darin einen alternativen Ansatz, um die Gesundheit zu verbessern.

Vier Risiko­faktoren gemessen

An der Studie der University of British Columbia nahmen 106 Jugend­liche im Alter von knapp 15 Jahren teil. Alle besuchten eine High School im kana­dischen Vancouver. Die Forsche­rinnen teilten die Jugend­lichen nach dem Zufalls­prinzip und verdeckt in zwei Gruppen: Die erste Gruppe betreute 10 Wochen lang Grund­schul­kinder aus der Nach­barschaft nach dem Unter­richt. Die zweite Gruppe wurde als Kontroll­gruppe genutzt und auf eine Warteliste für soziales Engagement gesetzt. Vor und nach dem zehn­wöchigen Einsatz wurden bei allen Studien­teilnehmern vier typische Risiko­faktoren für Herz und Kreis­lauf gemessen: der Body-Mass-Index (Körpergewicht im Verhältnis zur Körpergröße), die Cholesterin­werte und zwei spezielle Entzündungs­marker im Blut. Auch Selbst­wert­gefühl, Stimmung, Hilfs­bereitschaft und Fähig­keit, sich in andere hinein­zuver­setzen (Empathie), haben die Forscher bei den jungen Leuten über einen Fragebogen erfasst.

Sozialer Einsatz fördert offensicht­lich die Gesundheit

Das Ergebnis: Bis auf einen der zwei Entzündungs­marker fielen alle gemessenen Risiko­faktoren in der Engagierten-Gruppe nied­riger aus als in der Kontroll­gruppe Studie im JAMA Pediatrics. Nach der kurzen Beob­achtungs­zeit von 10 Wochen waren die Unterschiede allerdings gering: Gesundheitliche Auswirkungen machen sich häufig erst auf längere Sicht bemerk­bar. Die Studie liefert dennoch einen wert­vollen Hinweis, dass freiwil­lige Helfer dank ihres Einsatzes ihre Herz-Kreis­lauf-Gesundheit verbessern könnten: Vor der Feld­phase hatten die Forsche­rinnen keine Unterschiede zwischen der Engagierten-Gruppe und der Kontroll­gruppe fest­gestellt. Nun sahen sie, dass vor allem diejenigen gesundheitlich profitieren könnten, die während der Feld­phase am stärksten ihre Empathie und altruistischen Verhaltens­weisen steigern konnten.

Freiwil­ligen­einsatz ist Teil des Stundenplans

Konkret kümmerten sich die Jugend­lichen der Engagierten-Gruppe eine bis eineinhalb Stunden pro Woche um Grund­schul­kinder – etwa indem sie ihnen bei den Haus­aufgaben halfen, gemein­sam kochten oder Sport trieben, malten oder hand­werk­liche Tätig­keiten ausübten. Die Jugend­lichen wurden dafür eigens geschult. Kanada hat hier Modell­charakter: In dem nord­amerikanischen Land ist ehren­amtliche Arbeit weit verbreitet, die meisten Provinzen machen ihren Schülern dazu Vorgaben. Wer zum Beispiel in British Columbia einen höheren Schul­abschluss machen will, muss sich zuvor mindestens 30 Stunden sozial engagieren und anschließend beschreiben, was er gelernt hat. Jugend­liche können vermutlich vor allem dann zu einem Freiwil­ligen­einsatz moti­viert werden, wenn dieser während der Schul­zeit statt­findet und auf schu­lische Leistungen ange­rechnet wird.

Engagement zahlt sich vielfach aus

Die meisten Studien­teilnehmer kamen aus Familien mit einem geringen gesell­schaftlich-wirt­schaftlichen Status. Viele Jugend­liche entwickeln unter diesen Bedingungen tendenziell eine ungesunde Verhaltens­weise. Ob sie dennoch zu einem gesunden Lebens­stil finden, hängt auch von psycho­sozialen Faktoren ab. Sprich, ob sie eher gestresst und nieder­geschlagen sind oder sich wohl­fühlen. Freiwil­liges Engagement scheint hier jedenfalls zu helfen – sowohl den Helfern als auch denen, die Hilfe empfangen. Jugend­liche lernen dadurch, einen gesell­schaftlichen Beitrag zu leisten, Erfahrungen zu machen und Kompetenzen zu erwerben, die ihrer persönlichen Entwick­lung zugute­kommen.

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