Interview: Operieren oder nicht?

Gesundes Knie, krankes Knie Meldung

Professor Dr. med. Andreas Imhoff

Professor Dr. med. Andreas Imhoff ist Vorstand der Abteilung für Sportorthopädie der Poliklinik für Sportorthopädie am Klinikum rechts der Isar in München.

Wie werden Knieverletzungen optimal diagnostiziert?

Nach einer ersten Untersuchung des Knies erfolgt eine Röntgenuntersuchung, um Knochenverletzungen auszuschließen. Der nächste Schritt ist die Kernspintomografie, um die weichen Anteile des Kniegelenks zu betrachten. Für die Diagnosestellung reicht dies aus. Eine Arthroskopie erfolgt heute nur noch zur Therapie, wenn vorab geklärt wurde, welche Gelenkprobleme vorliegen.

Wann wird ein Kreuzbandriss operativ behandelt?

Grundsätzlich ist ein operativer Eingriff für Patienten, die häufig Rotationsbewegungen machen und ein sehr starkes Knie brauchen, zwingend nötig. Wer keinen Sport wie Fußball betreibt und dies auch nach einem Kreuzband­riss nicht tun wird, braucht theoretisch keine Operation, wenn das Knie nur geringfügig instabil ist. Muskelaufbau durch Krankengymnastik kann hier die Stabilität ausreichend verbessern. Ist das Knie aber instabil oder handelt es sich um einen Gelegenheitssportler, ist das Risiko hoch, dass sich später ein Meniskuseinriss oder ein Knorpelschaden bilden. Eine später erfolgende Kreuzbandoperation kann dann bereits entstandene Sekundärschäden nicht mehr beheben. Außerdem setzen andere Eingriffe am Knie, so wegen eines Meniskusanrisses, ein stabiles Gelenk voraus. Deshalb sollte ein gerissenes Kreuzband rekonstruiert werden.

Wie schnell sollte eine Kreuzbandoperation erfolgen?

Entweder man muss innerhalb der ersten 24 Stunden eine Arthroskopie vornehmen, wenn das Gelenk noch nicht so stark geschwollen ist. Oder man wartet vier bis sechs Wochen, bis das Knie wieder ausreichend abgeschwollen ist. Während der Wartezeit schützt eine Schiene das Knie vor weiteren Verletzungen. Eine Physiotherapie verbessert die Aufnahme der Wassereinschlüsse im Gelenk durch das Gewebe.

Warum wird wieder großer Wert auf den Erhalt des Meniskus gelegt?

Der Meniskus hat die Funktion eines Stoßdämpfers im Gelenk. Fehlt er, begünstigt dies Knorpelabrieb und Arthrose. Meniskus-Transplantatio­­nen bringen bisher nicht ganz den ge­wünschten Erfolg. In etwa zwei Drittel der Fälle funktionieren sie, aber bei einem Drittel stirbt das Gewebe ab, meist durch Belastungen durch O- und X-Beine sowie Knorpelschäden. Etwa 60 bis 70 Prozent der erfolgreich transplantierten Menisken benötigen fünf bis sieben Jahre, bis sie stabil sind.

In welchen Fällen sollte eine Fehlstellung korrigiert werden?

Liegt eine Knieverletzung oder eine oberflächliche Knorpelschädigung vor, ist zu raten, die Fehlstellung operativ zu korrigieren: Man erzielt so eine symmetrische Belastung der Kniegelenke und eine Schonung des Knorpels.

Weshalb kommen Profis nach Knieverletzungen so rasch auf die Beine?

Bei einem Kreuzbandriss beträgt die Bandheilung bei allen Menschen etwa drei Monate. Profisportler kommen schneller auf die Beine, weil sie einen viel besseren Trainingszustand haben. Sie machen sofort nach dem Eingriff mehr Training, trainieren bewusster und gezielter, haben ein sehr gutes Körpergefühl und trainieren auch ihre Schutzreflexe, die das Verletzungsrisiko vermindern. Reize werden zur Skelettmuskulatur geleitet. Bei Belastungsänderungen des Kniegelenks kann die Muskulatur sofort reagieren und helfen, eine Verletzung zu vermeiden.

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