Gesichtscremes mit UV-Schutz Test

Die Gesichtshaut braucht nicht nur Pflege, sondern auch Schutz. Doch vier Cremes täuschen mehr vor, als sie leisten: „mangelhaft“.

Weg mit der dicken Mütze und auf zum Winterurlaub nach Thailand, freut sich die Urlauberin schon. „Zum Sonnenschutz nehme ich einfach meine Tagescreme mit. Die hat immerhin Lichtschutzfaktor 15“, überlegt sie. Doch verlassen sollte sie sich darauf besser nicht. Denn keine der getesteten Gesichtscremes, die einen hohen Schutzfaktor versprechen, hält ihn ein. Der Schutz vor vorzeitiger Hautalterung, Hautschäden und Sonnenbrand ist damit weit geringer, als zu erwarten wäre. Insgesamt bedeutet das: „mangelhaft“.

Dieses Qualitätsurteil trifft auch die einzige Creme im Test, die die Haut „sehr gut“ mit Feuchtigkeit anreichert: die „Oil of Olaz Complete Feuchtigkeitscreme mit UV-Schutz Tag“. Wie drei andere Cremes patzt auch sie beim Lichtschutz. Der Anbieter Procter & Gamble wirbt mit Lichtschutzfaktor 15, bietet aber nur Faktor 11. Am weitesten entfernt von ihrem Versprechen ist die Firma Johnson & Johnson bei der RoC Hydra-Creme. Sie bringt es nur auf Schutzfaktor 6, also auf deutlich weniger als die Hälfte des versprochenen Lichtschutzes.

Zwischen 4 Euro und 37 Euro

Dabei ist RoC am teuersten. Umgerechnet auf die Vergleichsmenge von 100 Millili­tern kostet diese Creme stolze 37,25 Euro. Die preiswerteste der zehn getesteten Tagescremes (für normale Haut, für Mischhaut oder für alle Hauttypen), die Lichtschutz und vor allem Feuchtigkeit versprechen, ist schon für 3,90 Euro zu haben: dm/Balea.

Die vermeintlich stark schützenden Cremes mit höherem Anteil an Lichtschutz­filtern sind tendenziell teurer als solche, die nur allgemein mit Lichtschutz werben. Die bieten aber kaum mehr als einen Basisschutz, nämlich Faktoren von 2 bis 4, wie unsere Messungen ergaben. Auf ihren Verpa­ckungen finden sich jedoch keine An­gaben zur Höhe des Schutzfaktors, was für die Information der Kunden aber notwendig wäre.

Nur drei sind „gut“

Wer eine insgesamt „gute“ Gesichtscreme sucht, dem bietet unser Test nur drei Produkte: dm/Balea, Schlecker/Rilanja und Laboratoires Diadermine. Sie reichern die Haut „gut“ mit Feuchtigkeit an und prahlen auch nicht mit übertriebenen Versprechungen zum Lichtschutz.

Mittlerweile loben viele Tagescremes nicht nur pflegende Eigenschaften aus, son­dern auch einen Schutzschirm vor zu viel ultravioletten Strahlen. Und in der Tat: Wer Hautalterung und Fältchenbildung vorbeugen will, kommt an einem effektiven Lichtschutz, auch im Alltag, nicht vorbei. Für besonders Hautbewusste oder Empfindliche gibt es deshalb solche Gesichtscremes mit Lichtschutzfaktoren bis 15. Ob man sich damit allerdings im Sommer und im Winter eincremen sollte, dar­über gehen die Meinungen der Hautärzte auseinander (siehe „Lichtschutz im Alltag“).

Vitamine mit begrenzter Wirkung

Gesichtscremes werben oft mit Vitaminen als besonderen Wirkstoffen. Doch deren Bedeutung in Kosmetika wird meist überschätzt. Für die Qualität einer Creme ist in erster Linie die Grundrezeptur entscheidend, also die Zusammensetzung von Fetten, Ölen und Wasser. Auch mit schwammigen Versprechungen wie „aktiviert die hauteigenen Barrierefunktionen“ oder „fördert die Hauterneuerung“ wussten die Testperso­nen – sie haben die Cremes zwei Wochen lang erprobt – wenig anzufangen. Während der Anwendungszeit protokollierten sie auch, ob sich nach dem Cremen störende Nebenwirkungen einstellten. Abgesehen von vereinzelten kurzfristigen Irritationen wie Brennen oder Rötungen hatten sie nichts zu beanstanden. So erzielten alle Cremes „sehr gute“ Urteile für die Hautverträglichkeit.

Falls eine Creme im Einzelfall doch einmal Hautprobleme bereitet, können die enthaltenen Konservierungsmittel, Farbstoffe, Lichtschutzfilter, Emulgatoren oder Parfumstoffe dafür verantwortlich sein. In der Tabelle steht, ob derartige Substanzen enthalten sind. Die in der vergangenen Zeit wegen ihres Allergisierungspotenzials in Verruf geratenen Parfumstoffe Isoeugenol und Eichenmoos fanden sich jedenfalls in keinem Produkt.

Fazit: Wer sein Gesicht nicht nur pflegen, sondern auch vor Sonne schützen will, ist mit einem guten Lichtschutzmittel auf der sichereren Seite. Ein Nachteil ist dann aber in Kauf zu nehmen: Dekorative Kosmetik wie Wimperntusche gerät auf manch einem Sonnenschutzmittel schnell ins Schwimmen. Auf einer Gesichtscreme hält Schminke oft besser.

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