„Viele Männer sind offener geworden“

Brigitte Ratzke bildet Kosmetiker aus. Sie ist Dozentin für den Bereich Körper­pflege bei der Hair und Make-up Company Hamburg, die mit der Hamburger Handwerks­kammer zusammen­arbeitet.

Was Männern bei der Körper­pflege wichtig ist, worauf sie achten oder lieber verzichten sollten, weiß Brigitte Ratzke.

Welche Pfle­gepro­dukte verwenden Männer?

Auf Duschgel, Deo und Aftershave können sich die meisten Männer einigen. Bei Cremes, egal ob fürs Gesicht, den Körper oder die Hände, werden es schon weniger. Aber auch diese Produkte erleben in den letzten Jahren mehr Akzeptanz bei den Männern.

Woran liegt das?

Einer­seits gilt eincremen vielen immer noch als zu weiblich. Anderer­seits ist den Männern ein gepflegtes Äußeres wichtig. Zudem ist das Thema Körper­pflege in den Medien sehr präsent, und auch viele Prominente scheuen sich nicht mehr davor, über ihre Rituale im Bad und vor dem Spiegel zu berichten. Das hat einen gewissen Vorbild­charakter.

Gibt es Unterschiede zwischen den Alters­gruppen?

Jüngere Männer sind häufig etwas neugieriger und experimentieren eher mit neuen Produkten. Mutige wagen sich sogar an Make-up oder sogenannten Herrenlack – einen trans­parenten, matten Nagellack, mit dem die Nägel gepflegt aussehen.

Worauf kommt es bei der Gesichts­pflege an?

Sie muss zum Haut­typ passen. Männer haben in der Regel eine etwas fettigere und robustere Haut als Frauen. Die Talgdrüsen sind aktiver. Auch das Hormon­system beein­flusst den Haut­zustand. Daher ist es meist keine gute Idee, wenn sich Männer an der Creme ihrer Part­nerin bedienen. Die Produkte sind oft zu reichhaltig.

Viel hilft nicht immer viel?

Auch beim Waschen ist weniger mehr. Manche Männer über­treiben es ein biss­chen und klagen dann über trockene Haut, die spannt. Wenn man morgens, nach der Arbeit und dem Sport am Abend duscht, ist das kein Wunder. Die Haut kann sich in so kurzen Zeiten nicht mehr regenerieren.

Bärte liegen im Trend. Wie pflegt man die?

In der Tat braucht ein Bart, der schön aussehen und gut sitzen soll, etwas Pflege, und auch die Haut, die darunter­liegt. Mit Cremes ist das eine eher schwierige und schmierige Angelegenheit. Aber Öle, die den Bart geschmeidig und kämm­bar machen, können auch die Haut pflegen.

Gibt es noch andere Veränderungen, die Sie bemerken?

Ich denke, dass viele Männer offener geworden sind. Sie gehen auch mal zu Maniküre, Pediküre oder Massage. Das war früher reine Frauensache. Heute merken aber viele, dass diese Behand­lungen jedem guttun können.

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