Leichte Pflege. Männer­haut braucht vor allem Creme, die Feuchtig­keit spendet.

Neun von zwölf sind gut, darunter sowohl die teuerste als auch die güns­tigste Creme im Test. Knapp vorn liegt Naturkosmetik von Weleda.

Das Duell zwischen Jogi Löw und David Beck­ham fällt knapp zugunsten des Bundes­trainers aus – zumindest wenn es um Gesichts­creme geht. Löw ist Marken­botschafter von Nivea Men. Beck­ham wirbt für Biotherm Homme. Neben Cremes dieser beiden Marken hat die Stiftung Warentest zehn weitere Gesichts­cremes für Männer geprüft. Wir wollten wissen: Wie gut versorgen sie die Haut mit Feuchtig­keit? Halten die Anbieter ihre Werbe­versprechen? Und sind kritische Mineral­ölbestand­teile ein Problem?

Gute Pflege muss nicht teuer sein

Preisgüns­tige Discounterware ließen wir antreten gegen teure Marken- und Apotheken­produkte. Ergebnis des Tests: Alle versorgen die Haut effektiv mit Feuchtig­keit – preis­werte genau so wie teure. Sechs Cremes, die „24 Stunden Feuchtig­keit“ versprechen, schaffen auch das. Neun schneiden insgesamt gut ab, drei befriedigend. Knapp vorn: die Feuchtig­keitscreme für den Mann von Weleda.

Kaum schlechter, aber deutlich billiger sind die Cremes von Aldi Süd und Lidl sowie Balea von dm. Sie bieten gute Pflege für 2,55 Euro pro Tube oder Pump­spender. Die guten Cremes von Biotherm und Clarins kosten rund 15-mal so viel pro Packung.

Aldi (Nord) patzt bei der Verpackung

Die ebenfalls preisgüns­tige Creme von Aldi (Nord) verspielt eine gute Gesamt­note durch die Verpackung: Deklariert sind 50 Milliliter, tatsäch­lich drin waren jedoch nur knapp 45 Milliliter. Entnehmen ließen sich nur 43 Milliliter. Zwar lassen sich Tuben und Spender nie voll­ständig entleeren. Doch dieses Produkt enthält von vorn­herein rund 10 Prozent zu wenig Creme – darum werten wir ab.

Kritik an der Duftnote

Gesichts­cremes sollten der Nase schmeicheln. Ihr Geruch spielt eine wichtige Rolle dafür, ob Mann sie gern verwendet. Wir haben diesen Punkt zwar nicht bewertet, unsere Probanden aber dazu befragt. Der Duft der Weleda-Creme über­zeugte viele nicht: Sie „riecht unangenehm“, „wie Heils­albe“, „altba­cken“ oder „absolut nicht männ­lich“, gab etwa die Hälfte an. Auch bei der Alverde-Feuchtig­keitscreme von dm – ebenfalls Naturkosmetik – kritisierten einige Probanden den Geruch.

Weleda schreibt im Internet: „Wir verzichten bewusst auf synthetische Duft­stoffe.“ An die sind viele Verbraucher aber gewöhnt und empfinden sie als angenehm. Zertifizierte Naturkosmetik­hersteller dürfen sie grund­sätzlich nicht einsetzen, deshalb riechen ihre Cremes oft anders als konventionell hergestellte. Naturkosmetik ist statt­dessen mit natürlichen Substanzen wie ätherischen Ölen parfümiert. Nicht allen Nasen gefällt das auf Anhieb, viele gewöhnen sich aber daran.

Kritik am Hautgefühl

Sieben Minuten brauche er morgens im Bad, sagt David Beck­ham im Werbespot, eincremen inklusive. Gesichts­cremes sollen sich gut verteilen lassen, schnell einziehen und kein klebriges Gefühl auf der Haut hinterlassen. So passen sie ins schmale Zeit­fenster der Männer.

Fast alle Cremes im Test erfüllen diese Anforderungen gut. Gering­fügig schlechter schneiden die Produkte von Ross­mann und dm/Alverde ab. Einige Probanden beschrieben das Hautgefühl, das sie hinterlassen, als „klebrig“, „künst­lich“ oder „masken­artig“, oder sie hatten den Eindruck, ihre Haut spanne nach dem Eincremen.

Keine Moah in den Cremes

Pfle­gepro­dukte für Männer kommen häufig als leichte Gele oder Fluids daher. Die Anbieter setzen in ihren Rezepturen nicht auf Inhalts­stoffe auf Mineral­ölbasis, die in reichhaltigeren Cremes oft ein wichtiger Bestand­teil sind. Der Blick in die Inhalts­stoff­listen ließ uns schon vermuten, was sich im Labor bestätigte: Bei den Produkten im Test sind weder kritische, möglicher­weise krebs­er­regende Kohlen­wasser­stoffe aus Mineral­ölen – sogenannte Moah (Mineral oil aromatic hydrocarbons) – ein Problem, noch Mosh (Mineral oil saturated hydrocarbons). „Wir haben nach unseren Prüfungen in dieser Hinsicht nichts zu bean­standen“, sagt Thomas Kopp­mann, Projektleiter bei der Stiftung Warentest.

Mit Koffein gegen müde Männer­haut?

Dick aufgetragen. Koffein wirkt anregend und gegen Müdig­keit – doch auch in der Haut? Wissenschaftliche Studien, die diese Wirkung für die getesteten Cremes nach­weisen, legten uns die Anbieter nicht vor.

Koffein wirkt im Körper anregend. Entfaltet es diese Wirkung auch in der Haut? Einige Anbieter wecken diese Hoff­nung. Auf den Packungen von Aldi (Nord) und Aldi Süd, von Ross­mann und L‘Oréal Men Expert prangt: „Mit Koffein“. Aldi Süd verspricht, Koffein „stimuliert die Mikrozirkulation“. Ross­mann verheißt: „Koffein wirkt anregend auf den Energiestoff­wechsel.“

Die Anbieter formulieren ihre Werbe­versprechen bewusst allgemein. Dennoch wecken sie den Eindruck, das Koffein im Produkt wirke auch in der Haut. Wir haben die Anbieter gebeten, uns dazu wissenschaftliche Daten zuzu­senden und selbst recherchiert. Ergebnis: Uns liegen nur Studien vor, die die Wirk­samkeit des Koffeins isoliert unter­suchen, aber nicht in der Gesamt­rezeptur der Cremes. „Für den Effekt spielt aber vor allem die Rezeptur eine Rolle“, erläutert Projektleiter Kopp­mann. „Genauer gesagt: Wie hoch ist die Konzentration einer Substanz, wird sie in ausreichender Menge aus der Creme freigesetzt und gelangt sie in die Haut? Die Studien, die wir erhalten haben, prüfen das nicht ab.“ Im Rahmen eines Produkttests, wie wir ihn durch­führen, können wir derartige Grund­lagen­forschung nicht leisten. Immerhin: Nachgewiesen haben wir Koffein in allen Produkten, die damit werben.

Der schlechte Ruf der Parabene

Eine Werbeaussage, für die wir Punkte abziehen, lautet: „ohne Parabene“. Das steht auf den Cremes von Vichy und Biotherm Homme. Die Konservierungs­stoffe schützen Kosmetika effektiv vor Keimbefall und -vermehrung. In den vergangenen Jahren sind sie in die Kritik geraten: Es kursieren zum Beispiel Thesen, Parabene in Kosmetika könnten Brust­krebs auslösen oder zu Unfrucht­barkeit führen.

Laut Bundes­institut für Risiko­bewertung (BfR) und dem Wissenschaftlichen Ausschuss für Verbrauchersicherheit der EU-Kommis­sion (SCCS) sind die zugelassenen Parabene in den recht­lich erlaubten Konzentrationen aber sicher. Unsere Kritik: Die Auslobung „ohne Parabene“ kann den Eindruck erwecken, sie seien es nicht. Zudem bedeutet „ohne Parabene“ nicht gleich ohne Konservierungs­stoffe. Nach Wellen der Verbraucherempörung setzen Kosmetik­hersteller inzwischen häufig auf andere Konservierungs­stoffe – unter Umständen weit weniger gut erforschte und problematische, die etwa Allergien auslösen können. Parabene hingegen haben sich als gut verträglich erwiesen.

Naturkosmetik darf übrigens generell keine Parabene enthalten. Weleda und dm/Alverde werben auf den getesteten Produkten auch nicht mit dieser Aussage.

Auch an Sonnen­schutz denken

Für unseren Test haben wir besonders häufig verkaufte Pfle­gecremes für Männer ausgewählt. Sonnen­schutz verspricht nur Nivea, ohne einen Licht­schutz­faktor anzu­geben. Problematisch: Die Kunden wiegen sich in Sicherheit – was sie vom „Basis-Sonnen­schutz“ erwarten dürfen, bleibt aber offen. Wer an der frischen Luft Sport treibt oder arbeitet, sollte seine Haut mit einer Sonnen­creme mit angemessenem Licht­schutz­faktor schützen. Das gilt auch für Sportler wie Löw und Beck­ham.

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