Gesichtscremes für Männer Test

Immer häufiger kaufen Männer Cremes, die speziell für ihre Haut entwickelt wurden. Wir haben 15 solcher Gesichtscremes getestet und 6 gefunden, die „gut“ pflegen.

Ein ganzer Kerl kommt mit Wasser und Seife aus – das war einmal. Der Mann von heute benutzt neben Rasiermitteln auch Shampoos, Duschbäder, Deos und immer häufiger auch Pflegecremes fürs Gesicht. Noch nicht so häufig wie in Japan, Frankreich oder England, aber immerhin ist jeder achte Bundesbürger heute regelmäßiger Nutzer einer Gesichtscreme.

Die Cremes versprechen vor allem „Revitalisierung“ müder Männerhaut, „Belebung“ und „Erfrischung“. Von Cremes für Frauen unterscheiden sie sich hauptsächlich in der Parfümierung und im Fettgehalt. Männerhaut braucht im Allgemeinen weniger Fett (siehe „Hautpflege“). Dementsprechend handelt es sich bei diesen Cremes meist um eher „magere“ Feuchtigkeitscremes. Anti-Age-Cremes, die Wirkung auf Falten versprechen, sind erst langsam im Kommen.

Am wichtigsten ist Feuchtigkeit

Bei diesen leichten, nicht sehr fetthaltigen Cremes geht es im zentralen Prüfpunkt um die Versorgung der Haut mit Feuchtigkeit. Die misst man mit einem Spezialgerät, dem Corneometer. Der Messkopf des Geräts ist kaum größer als eine Ein-Cent-Münze. Er wird auf die Haut aufgesetzt und hält genau fest, wie viel Feuchtigkeit die Haut durch das Eincremen gewinnt. 30 Männer haben die Cremes zwei Wochen lang morgens und abends aufgetragen. Die Hautfeuchtigkeit wurde vor der Benutzung gemessen und zwölf Stunden nach der letzten Anwen­dung. Die beste Feuchtigkeitsanreicherung erzielten die auch insgesamt mit „gut“ beurteilten Gesichtscremes von Florena, Nivea, Boss, L' Oréal, Shiseido und Lancôme.

Clarins ist nur „ausreichend“

Neben diesen sechs „guten“ Herrencremes landeten die meisten anderen beim test-Qualitätsurteil „befrie­digend“. Nur das Pflegegel von Clarins kam über „ausreichend“ nicht hinaus: Was die Haut hier an Feuchtigkeit gewinnt, ist kaum nennenswert.

Drei Pflegemittel (Boss, Avon und The Body Shop) versprechen zusätzlich einen deutlichen Schutz vor zu viel Sonne. Wir haben es geprüft: Sie halten den ausgelobten Lichtschutzfaktor 15 durchweg ein.

Die Billigsten sind nicht die Besten

Die getesteten Cremes – überwiegend aus dem Drogeriemarkt oder der Parfümerie – kosten zwischen 60 Cent (dm/Balea und Rossmann/Cerrus) und 13 Euro (Shiseido), umgerechnet auf die Vergleichsmenge von 10 Milliliter. Wobei sich die beiden preiswertesten nicht besonders hervortaten, sie gehören zu den „befrie­digenden“.

Für die „guten“ Gesichtscremes muss man etwas mehr ausgeben: 10 Milliliter kosten mindestens 1,10 Euro (Florena). Bei L'Oréal bekommt man die gleiche Menge für 1,30 Euro, bei Nivea für 1,70 Euro. Wer bekannte Marken aus der Parfümerie bevorzugt, muss tiefer in die Tasche greifen: 8,40 Euro kosten 10 Milliliter der „guten“ Lancôme-Creme, Shiseido sogar 13 Euro. Preislich in der Mitte liegt die „gute“ Creme von Boss (6,40 Euro).

Anhänger von Naturkosmetik bekommen im Bioladen die Lavera-Creme für 2 Euro pro 10 Milliliter. Die Feuchtigkeitsanreicherung der Haut ist aber nicht überwältigend, genau gesagt nur „befriedigend“. So auch das Gesamturteil.

Zufriedene Männer im Praxistest

Nicht nur die Messungen im Labor sind ausschlaggebend für die Beurteilung einer Creme. Im täglichen Gebrauch beurteilten 30 Männer die Konsistenz und Verteilbarkeit der Cremes, wie schnell sie einziehen, und ob sie sich auf der Haut klebrig anfühlen. Nach der zweiwöchigen Benutzung urteilten sie auch über die Glätte, Geschmeidigkeit und Elastizität ihrer Haut – mit rundum posi­ti­vem Ergebnis. Ihre Beurteilungen lauteten durchweg „gut“. Allerdings fanden sie die Cremes von Nivea und Florena noch einen Tick besser als die Konkurrenz und vergaben besondere Pluspunkte für Konsistenz und Verteilbarkeit.

Die Tester vertrugen die Cremes meist völlig problemlos. Wenn es im Einzelfall doch einmal zu unliebsamen Hautreaktionen kommen sollte, werden dafür oft die eingesetzten Konservierungsmittel, Parfümstoffe, Emulgatoren oder Farbstoffe verantwortlich gemacht. Um Männern mit sehr empfindlicher Haut oder Allergikern die Kaufentscheidung zu erleichtern, ist in der Tabelle aufgeführt, ob derartige Substanzen enthalten sind.

Die für Allergiker und Hautärzte wichtigen vollständigen Inhaltsangaben finden sich in Englisch – wie gesetzlich vorge­schrieben – auf allen Produkten, nur bei Lavera auch auf Deutsch. Manchmal ist die Schrift winzig, und bei Lancôme ist sie besonders schwer lesbar.

Selbst kauft der Mann

Männer kaufen sich ihre Cremes mittlerweile überwiegend selbst und schicken nicht wie früher die Partnerin vor. Kunden sind nicht nur karrierebewusste, in der Großstadt lebende Jung-Dynamiker zwischen 20 und 30. Mittlerweile haben auch Männer ab 50 Jahre ihre Scheu vor der früher eher als weiblich geltenden Gesichtspflege abgelegt und greifen vermehrt zu Cremetube oder -spender.

Marktforscher haben herausgefunden, worauf es einem Mann bei der Wahl seiner Creme ankommt: Er will ein schnörkelloses Produkt, praktisch in der Tube oder eher technisch anmutend in einem griffigen Spender. Er will auch keine weitschweifigen Versprechen, sondern knappe, zielgerichtete Informationen wie „spendet Feuchtigkeit“ oder „fettet nicht, zieht schnell ein“.

Alle Cremes im Test duften herb-frisch, was bei den Anwendern fast durchweg gut ankam. Letztendlich bleibt die Beurteilung der Parfümierung natürlich eine sehr individuell geprägte Geschmackssache. Was der eine als „angenehm“ empfindet, kann der nächste durchaus als zu aufdringlich oder „zu medizinisch“ bezeichnen. Hier hilft nur eins: Selber ausprobieren. Insge­samt geht der Trend bei diesen Cremes zu eher dezenter Parfümierung. Schließlich duften schon die in der Regel vorher benutzten Rasiermittel oft recht stark.

Bei Biotherm bleibt zu viel im Spender

Alle Tuben und Spender sowie der Tiegel von Shiseido waren unkompliziert zu handhaben. Ärgerlich ist aber, dass sich nicht bei jedem Spender der gesamte Inhalt nutzen ließ. So blieben zum Beispiel bei Biotherm fast 15 Prozent unerreichbar im Spender zurück. Umgerechnet auf den Kaufpreis sind das knapp 6 Euro. Dafür bekommt man schon die komplette „gute“ Florena-Creme: 50 Milliliter für 5,40 Euro.

Ein Hinweis noch für Männer, die mit dem Kauf einer Anti-Age- oder Antifalten-Creme liebäugeln: Enttäuschung ist da meist programmiert. Keine Creme kann dorthin vordringen, wo sich tiefe Mimikfalten – Krähenfüße und Lachfältchen – bilden, nämlich in den unteren Hautschichten. Mit diesen Falten muss man leben lernen. In Tests ließen sich zwar Verbesserungen messen, mit bloßem Auge waren sie jedoch nur mit gutem Willen sichtbar.

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