Zu Weihnachten ein wenig Luxus? Der Testsieger unter den Cremes kostet 115 Euro ­– pro 30-Milliliter-Tiegel. Doch viele „Creme-Juwelen“ wirken nicht besser als preiswertere Töpfchen, die in jedem Drogeriemarkt zu bekommen sind.

„Mildert sichtbar Falten“, wirbt Nivea Vital. „Nach einer Stunde: Bis zu 60 Prozent weniger Falten“, verspricht Dior. Und Lancôme lobt einen „Lifting-Effekt“ aus. Ähnliches suggerieren auch die anderen Pflegecremes dieses Tests, die Falten den Kampf ansagen. Und wieder einmal sind viele Werbesprüche zu hoch gegriffen: Eine gute Creme kann die Haut zwar vorübergehend mit Fett und Feuchtigkeit aufpolstern, sie glatter, praller und frischer erscheinen lassen. Doch von der propagierten Antifaltenwirkung sollten Sie keine Wunder erwarten.

Die Crème de la Crème

Selbst die besten Cremes verbessern das Hautbild höchstens um Hundertstel Millimeter. Das ist zwar messbar, aber nur mit sehr guten Augen und gutem Willen erkennbar. Und gegen tiefe Falten wie Krähen-füße oder Mimikfalten sind sie sowieso machtlos. Die bilden sich in tiefe-ren Hautschichten, an die keine Creme herankommt.

Doch auf Basis des Machbaren zeigen sich durchaus Unterschiede zwischen den Produkten. Wir haben neun Pflegecremes getestet. Sieben davon stellen ihre Werbung vornehmlich auf Antifaltenwirkung ab. Zwei – und das waren die teuersten (La Mer, Kanebo) – werben vor allem mit Feuchtigkeit. Zusätzlich wollten wir wissen, wie sich eine Allzweckcreme in dieser Riege schlägt, und nahmen die Nivea in der blauen Dose mit in den Test.

Ein Spitzenergebnis erzielte allein die superteure La Mer. In den hautpflegenden Eigenschaften erwies sie sich durchweg als die Crème de la Crème. Mit „gut“ folgen Helena Rubinstein, Nivea Vital, Diadermine und Lancôme. Ernüchternd allerdings: In ihren pflegenden Eigenschaften sind sie oft nicht besser als die Allzweckcreme in der blauen Dose.

Dior am schwächsten

Die restlichen Konkurrenten liegen mit „befriedigend“ (La Prairie, Kanebo) beziehungsweise „ausreichend“ (L´Oréal, Dior) am Schluss des Testfelds, wobei Dior die schwächste Faltenreduzierung aufwies. Alle positionieren sich somit auch deutlich hinter der Allzweckcreme, die nur einen Bruchteil der bei Gesichtscremes üblichen Preise kostet.

Der Preis ist also kein Gradmesser für Qualität. Luxuscremes, die ausschließlich in ausgewählten Parfümerien und Spezialabteilungen von Kaufhäusern angeboten werden, kosten zum Teil 50, aber auch deutlich mehr als 100 Euro pro 30-Milliliter-Tiegel. Die Hersteller rechtfertigen ihre exklusiven Preise mit hohem Forschungsaufwand, komplizierten Herstellungsverfahren und geheimnisvoll klingenden Inhaltsstoffen wie „Pure Pearl Protein“, „Hyaluronate/Collagen Booster“ oder einem „exclusiven Cellular Complex“. Die schweren, prestige­trächtigen Glas- oder Porzellantiegel runden das Image von Luxus ab. Doch wie der Test zeigt, unterscheiden sich diese Cremes der „Rolls-Royce-Klasse“ in der Wirkung oft nicht groß von den preiswerteren. Für alle Pflegecremes gilt nach wie vor die alte Weisheit erfahrener Kosmetikchemiker: Entscheidend für die Qualität einer Creme ist die Grundlage. Das heißt vor allem die Zusammensetzung von Fett- und Feuchthaltekomponenten. Die „Wirkstoffe“ haben bei weitem nicht die Bedeutung, die ihnen in der Werbung gern zugeschrieben wird.

Vier Wochen lang zweimal täglich

Jeweils 30 Testerinnen zwischen 31 und 70 Jahren haben jedes Produkt – umgefüllt in neutrale Behälter – vier Wochen lang zweimal täglich angewendet. Und zwar die Testcreme auf der einen Gesichtshälfte, auf der anderen zum Vergleich eine Standardemulsion, deren gute hautpflegende Eigenschaft sich schon in zahlreichen anderen Tests erwiesen hat. Nun wurde die Wirkung gemessen, und zwar vor der vierwöchigen Anwendungszeit und zwölf Stunden nach dem letzten Griff in die Cremedose.

Um festzustellen, ob die Falten geringer wurden, haben wir bei den Cremes mit Antifaltenwirkung den Hautzu­stand der Probandinnen vorher und nachher in einem dreidimensionalen Verfahren fotografisch festgehalten und dann mit speziellen Messmethoden analysiert und beurteilt. Bei Cremes, die hauptsächlich mit Faltenwirkung werben, waren diese Ergebnisse ausschlaggebend für das test-Qualitätsurteil.

Für die Cremes hingegen, bei denen laut Werbung die Feuchtigkeit die Hauptrolle spielt, haben wir die Messlatte anders gesteckt. Entscheidend für das Qualitätsurteil waren hier die Messungen mit einem speziellen Feuchtigkeitsmesser, dem Corneometer. Mit ihm haben wir festgehalten, wie gut und wie nachhaltig die Cremes die Haut mit Feuchtigkeit versorgen. Zusätzlich haben wir geprüft, ob die Hautrauigkeit, also die Oberflächenstruktur, verbessert wird.

Auf die Hautverträglichkeit achteten wir selbstverständlich auch. Die meisten Probandinnen hatten keinerlei Probleme. Nur vereinzelt kam es zu schnell vor­übergehenden Hautreaktionen wie Jucken oder Rötungen. Je nach individueller Empfindlichkeit kann fast jeder Inhaltsstoff der Unruhestifter sein.

Für länger anhaltende Nebenwirkungen werden meist Konservierungsstoffe, Parfüms, Lichtschutzfilter oder Farbstoffe verantwortlich gemacht. Die Tabelle gibt Auskunft darüber, welche Cremes frei von diesen Substanzen sind. Und für besonders Empfindliche: Sicherheitshalber sollten Sie Cremes erst einige Tage lang in der Armbeuge probieren, bevor Sie sie im Gesicht verteilen.

Zum Schutz vor zu viel Sonnenlicht, einem der ärgsten Feinde einer faltenfreien Haut, werden in Pflegecremes häufig Lichtschutzfilter eingebaut. Leider fehlt oft die genaue Angabe des Lichtschutzfaktors. Löbliche Ausnahmen: Lancôme mit Lichtschutzfaktor 15, Nivea Vital mit 10 und Diadermine mit 6. Insgesamt wäre hier mehr Information angebracht. Schließlich will jede Frau – entsprechend ihrem Hauttyp – selber entscheiden, wie stark sie sich vor der Sonne schützt.

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