Gesichts­cremes (Naturkosmetik) Test

Die meisten Naturkosmetik-Gesichts­cremes schneiden gut ab im Test. Bei drei Cremes jedoch stimmt die mikrobiologische Qualität nicht. Da könnten Keime zu Problemen führen.

Vom Gefühl her glaube ich, dass die natürlichen Produkte verträglicher und besser für mich sind“, sagt Bettina W. über ihre Entscheidung, nur noch Naturkosmetik zu benutzen. „Ich mag mir einfach keine Chemie mehr ins Gesicht schmieren“, ergänzt sie. Oft sind es derartige Gefühle, die der „grünen“ Kosmetik die Kunden in die Arme treiben. Und es sind nicht wenige. So wuchs der Umsatz mit Naturkosmetik im Jahr 2009 um fast 7 Prozent, während die Verkaufs­zahlen in der konventionellen Kosmetik eher vor sich hindümpelten. Der Anteil der Naturkosmetik am gesamten Kosmetikmarkt erreicht damit zwar erst 5,6 Prozent, doch es geht berg­auf.

Wir wollten wissen, ob auch bei der Qualität alles im grünen Bereich ist und wählten zehn Gesichts­cremes aus, die normaler Haut mehr Feuchtig­keit versprechen, zwei davon für Männer. Alle tragen ein Naturkosmetiksiegel (siehe Orientierungshilfe).

Gute Pfle­geeigenschaften

Die meisten Cremes bewiesen gute Pfle­geeigenschaften: Ein Plus an Feuchtig­keit ließ sich noch nach Stunden nach­weisen. Doch es ging nicht nur um Mess­werte. Auch die Test­personen – immer 30 erprobten eine Creme in der Praxis – empfanden die Pflege­wirkung meist als über­zeugend. Besonders gefielen ihnen die Cremes Santa­verde, dm/alverde und Nature friends. An der Spitze der Test­konkurrenz steht damit Santa­verde Aloe vera Creme medium. Mit 7 Euro pro 10 Milliliter ist sie allerdings die teuerste Creme des Tests.

Preis­werteste von dm fast ebenso gut

Die preis­werteste Creme ist fast genauso gut: alverde Tages­creme Olive Sonnenblume der Drogeriemarkt­kette dm. Sie kostet nur 59 Cent pro 10 Milliliter. Auch die meisten anderen Cremes halten im Gesamt­ergebnis gut mit und kosten pro 10 Milliliter zwischen 0,88 und knapp 3 Euro. Von der Wirkung her stehen Naturkosmetik­cremes guten „normalen“ Cremes also in nichts nach. Auch in der Haut­verträglich­keit erwiesen sich alle als sehr gut.

Manche sind anfäl­lig gegen Keime

Aufpassen heißt es allerdings bei der Benut­zung der Cremes: Naturkosmetik­hersteller verzichten auf synthetische Konservierungs­stoffe, die zwar sehr wirk­sam sind, aber nicht jeder Haut bekommen. Dadurch werden Naturkosmetik­cremes zum Teil anfäl­lig für Keimbefall. Auf der Haut kann das zu Reizungen führen. Eins sollte der Anwender also unbe­dingt beachten: Der Umgang mit Naturkosmetik erfordert mehr Acht­samkeit als der Gebrauch konventioneller Kosmetik (siehe Tipps ).

Frisch geöffnet wiesen die Cremes – bis auf das Fluid von i+m – keine bedenk­liche Keimzahl auf. Zwei zeigten aber Mängel in der Konservierung. Das stellten die Tester bei der Belastungs­prüfung fest. Bei dieser Prüfung tragen sie bewusst Keime in die Cremes ein, so wie das auch im Alltag passieren kann. Bei einem sorgfältig konservierten Produkt sterben die Keime mehr­heitlich ab. Cremes, die das nicht in ausreichendem Maße und in angemessener Zeit schaffen, bekommen Minus­punkte für die mikrobiologische Qualität und als Folge auch im test-Qualitäts­urteil. Für Sante und Logona bedeutet das befriedigend. Für i+m heißt es insgesamt mangelhaft, weil sich bereits im frisch­geöff­neten Fluid zu viele Keime tummelten.

Wer an den Duft konventioneller Kosmetik gewöhnt ist, tut sich manchmal mit der Parfümierung von Naturkosmetik schwer. Sie verzichtet bewusst auf synthetische Parfüm­stoffe, aber die ätherischen Öle, die statt­dessen duften, sind mancher Nase zu intensiv. Unsere Probanden waren durch­aus geteilter Meinung. Einige empfanden den Duft als angenehm, andere als muffig oder zu stark. Hier muss jeder nach seinem eigenen Geschmack entscheiden.

Tipp: Schnuppern Sie vor dem Kauf von Naturkosmetik an einem Tester.

Wirk­lich echte Naturkosmetik?

Ob es sich wirk­lich um Naturkosmetik handelt, ist dagegen nicht so einfach fest­zustellen. Einen Anhalts­punkt bietet die Deklaration: Laut Kosmetik­ver­ordnung müssen alle Inhalts­stoffe auf der Verpackung stehen, allerdings über­wiegend auf Eng­lisch. Die Bestand­teile sind in abnehmender Reihen­folge ihrer Konzentration aufgelistet. Den Service einer deutschen Über­setzung liefern Lavera, Nature Friends, Santa­verde, Sante, Weleda und Yalia.

Wem auch das noch zu viel Fach­chinesisch ist, dem bieten die Siegel der Naturkosmetik­hersteller Orientierungs­hilfe. Die gebräuchlichsten Label bei uns sind BDIH und NaTrue (siehe Siegel). Die Vergabe ist an Bedingungen geknüpft. So dürfen in den Produkten soweit möglich nur natürliche Substanzen stecken, also Stoffe pflanzlichen, tierischen oder mineralischen Ursprungs. Die Hersteller müssen außerdem auf Erdölpro­dukte, synthetische Farb-, Duft- und Konservierungs­stoffe verzichten. Ausnahmen sind aber möglich, zum Beispiel bei Konservierungs­stoffen.

Auch wir haben nur Cremes mit Naturkosmetiksiegel einge­kauft. Und wir haben geprüft, ob sie die Anforderungen erfüllen und die Cremes zum Beispiel auf Konservierungs­stoffe, Silizium, Paraffinkohlen­wasser­stoffe, Duft­stoffe und poly­zyklische Moschus­verbindungen untersucht. Es gab keine Anhalts­punkte dafür, dass sich einer der Hersteller nicht an die Kriterien hielt.

Es spricht also nichts dagegen, Naturkosmetik zu verwenden, wenn man sich damit wohl­fühlt. Ob sie aber besondere Vorteile bietet, bleibt umstritten. Kritiker argumentieren zum Beispiel so: Naturstoffe sind für die Haut ebenso Fremd­stoffe wie synthetische Substanzen. Natur ist auch nicht immer sanft: Gerade unter den natürlichen Stoffen gibt es einige sehr allergieträchtige, zum Beispiel die ätherischen Öle aus der Kamille oder das Teebaumöl.

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