Gesichtscremes (Naturkosmetik) Test

Viele Cremes erwiesen sich als „gute“ Feuchtigkeitsspender.

Etliche Naturkosmetik-Cremes verpassten ein „gutes“ test-Qualitätsurteil. Oft waren Mängel in der mikrobiologischen Prüfung dafür verantwortlich.

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Spätestens seit gesundheitsbewusste Hollywood-Schönheiten wie Julia Roberts oder Nicole Kidman öffentlich für Dr. Hauschka & Co. schwärmen, ist Naturkosmetik ihrem Nischendasein zwischen Müsli- und Birkenstock-Image entwachsen. Heute freut sich die Branche über zweistellige Wachstumsraten auf dem ansonsten eher ruhigen Kosmetikmarkt. Wobei die Marken Dr. Hauschka, lavera, Weleda, Logona und Sante den Löwenanteil unter sich aufteilen. Doch es stehen nicht alle Zeichen auf Grün bei der natürlichen Hautpflege.

Wir testeten 12 Naturkosmetik-Gesichtscremes, die der normalen bis trockenen Haut mehr Feuchtigkeit versprechen. Zu sehr unterschiedlichen Preisen – die Tuben oder Tiegel kosten zwischen 3,25 und 15 Euro – bekommt die Kundin meist ordentliche Cremes, bei denen sich noch nach Stunden ein Plus an Feuchtigkeit messen ließ, besonders bei dm / alverde. Aufpassen heißt es allerdings bei der Benutzung der Cremes: Meist wird bei ihrer Herstellung auf synthetische Konservierungsstoffe verzichtet, die zwar sehr wirksam sind, aber nicht jeder Haut bekommen. Dadurch werden Naturkosmetik-Cremes zum Teil anfällig für Keimbefall. Auf der Haut kann das zu heftigen Reizungen oder gar zu weitergehenden Infektionen führen. Eins muss die Verwenderin von Naturkosmetik also unbedingt beachten: Der Umgang mit diesen Mitteln erfordert mehr Achtsamkeit als der Gebrauch konventioneller Kosmetik. Die Cremes sollten nur mit sauberen Fingern oder einem Spatel entnommen werden, damit keine Keime ins Produkt eingetragen werden (lesen Sie dazu auch die „Tipps“).

Mit Keimen belastet

Gesichtscremes (Naturkosmetik) Test

Diese Label bieten Orientierungshilfe beim Einkauf.

Frisch geöffnet wiesen die Cremes – bis auf alva – keine bedenkliche Keimzahl auf. Doch immerhin fünf Produkte zeigten Mängel beim Belastungstest. Bei dieser recht harten Prüfung werden bewusst Keime – unterschiedliche Bakterien und Pilze – in die Cremes eingetragen. Bei einem sorgfältig konservierten Produkt sterben die Krankheitserreger mehrheitlich ab. Cremes, die das nicht in ausreichendem Maße schafften, bekamen entsprechende Minuspunkte für die mikrobiologische Qualität und als Folge auch im test-Qualitätsurteil.

In der Anwendungsprüfung gefielen die Naturkosmetik-Cremes unseren Probandinnen meist „gut“, lavera Faces Feuchtigkeitscreme sogar „sehr gut“. Nur die Kräutergarten-Creme kam in dieser Prüfung über „befriedigend“ nicht hinaus. Die Testerinnen bemängelten vor allem die recht feste Konsistenz und das schlechte Einziehvermögen.

Intensiver Duft

Der Duft von Naturkosmetik ist ein besonderes Kapitel. Für viele ist er zumindest am Anfang gewöhnungsbedürftig. Oft duften die zur Parfümierung eingesetzten ätherischen Öle derart intensiv, dass einige Testpersonen das als aufdringlich empfanden. „Es riecht wie ein Duftbaum im Auto“, beschrieb eine Probandin. Drei Testerinnen haben die Prüfungen sogar vorzeitig abgebrochen, weil ihnen der Duft der Produkte „unerträglich“ wurde. Doch wer sich mit dem Geruch der Cremes anfreunden kann, hat immerhin vier „gute“ und sogar ein „sehr gutes“ Produkt aus unserem Test zur Auswahl.

Übrigens: Unsere Probandinnen hatten über keinerlei störende Nebenwirkungen zu klagen. Alle Cremes zeichneten sich durch „sehr gute“ Verträglichkeit aus.

Orientierungshilfe

Für Naturkosmetik-Interessierte ist es schwierig, rasch und eindeutig zu erkennen, ob es sich bei einem Produkt wirklich um Naturkosmetik handelt. Denn nach wie vor gibt es keine rechtsverbindliche Definition für das, was Naturkosmetik ausmacht. Da hilft nur ein Blick auf die Deklaration der Inhaltsstoffe (INCI): Nach der geltenden Kosmetikverordnung müssen alle Inhaltsstoffe auf der Verpackung stehen, allerdings auf Englisch. Die einzelnen Bestandteile sind dabei in abnehmender Reihenfolge ihrer Konzentration aufgelistet. Etliche Naturkosmetik-Hersteller liefern die einzelnen Zutaten auch in deutscher Übersetzung, allerdings manchmal sehr klein und nur schwer leserlich.

Eine weitere Orientierungshilfe bieten die auf den Packungen aufgedruckten Label, zum Beispiel das Siegel „Kontrollierte Natur-Kosmetik“ des BDIH (Bundesverband Deutscher Industrie- und Handelsunternehmen für Arzneimittel, Reformwaren und Körperpflegemittel) oder das „Drei-Häuser-Logo“ von Neuform. Die Vergabe der Label ist an diverse Kriterien gebunden. Wichtigstes Merkmal: In den Tuben und Tiegeln dürfen nur Naturstoffe stecken, das heißt Stoffe pflanzlichen, tierischen oder mineralischen Ursprungs. Ausnahmen sind aber möglich, beispielsweise bei Konservierungsstoffen. Wer die Kriterien dieser hierzulande am häufigsten vertretenen Label im Einzelnen nachlesen möchte, findet sie unter: www.test.de/naturkosmetiklabel.

Nichts spricht gegen Naturkosmetik, wenn man sich damit wohler fühlt. Wie unsere Testerfahrungen zeigen, sind die Naturcremes in der Wirkung durchaus mit konventionellen Cremes vergleichbar. Ob Naturkosmetik darüber hinaus besondere Vorteile hat, bleibt umstritten. Kritiker argumentieren aber, dass Naturstoffe auf der Haut für den Körper ebenso Fremdstoffe sind wie chemisch-synthetische Substanzen.

Fest steht jedenfalls: Natur pur ist nicht immer sanft. Einige Naturstoffe können sehr problematisch für die Haut werden, zum Beispiel Teebaumöl, Schafgarbe, Ringelblume oder Propolis.

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