Bei einer langen Krankheit erhalten gesetzlich Versicherte Krankengeld. Wann? Wie viel? Wie lange? Finanztest beant­wortet die Fragen.

Gesetzliches Krankengeld Special

Damit lange Krankheit nicht zum finanziellen Ruin führt, erhalten gesetzlich Kranken­versicherte von ihrer Kasse Krankengeld. Wegen derselben Krankheit zahlt sie bis zu 78 Wochen inner­halb von drei Jahren.

Wie viel Krankengeld bekomme ich als Angestellter? Werden davon Sozial­versicherungs­beiträge abge­zogen?

Die Höhe Ihres Krankengeldes richtet sich nach Ihrem Arbeits­einkommen, das Sie vor der Krank­schreibung erzielt haben. Auch Einmalzah­lungen wie Leistungs­prämien, Urlaubs- oder Weihnachts­geld werden dabei berück­sichtigt.

Davon müssen Sie den Arbeitnehmer­anteil der Beiträge zur gesetzlichen Renten-, Arbeits­losen- und Pflege­versicherung weiterzahlen. Die Krankenkassenbeiträge entfallen für die Zeit, in der Sie Krankengeld erhalten. Wie das Krankengeld berechnet wird, können Sie hier beispielhaft nach­lesen.

Ich bin 67 Jahre alt und Rentner, arbeite aber weiterhin 25 Stunden in der Woche. Habe ich bei langer Krankheit Anspruch auf Krankengeld?

Nein. Wenn Sie bereits eine Alters­rente aus der gesetzlichen Renten­versicherung beziehen, haben Sie im Fall langer Krankheit keinen Anspruch auf Krankengeld.

Nur bei Renten wegen teil­weiser Erwerbs­minderung können Versicherte Krankengeld bekommen, wenn sie krank­heits­bedingt eine Zeit­lang gar nicht mehr arbeiten können.

In den ersten sechs Krank­heits­wochen haben Sie jedoch wie jeder Arbeitnehmer Anspruch auf Lohn­fortzahlung.

Ich bin allein­erziehende Mutter und arbeite als Angestellte. Bekomme ich Krankengeld, wenn ich mich zuhause um mein krankes Kind kümmern muss und deswegen nicht zur Arbeit kann?

Klären Sie zunächst, wie die Regelung in Ihrem Arbeits­vertrag ist. Manche Arbeit­geber stellen Eltern für einige Tage bei vollem Lohn von der Arbeit frei, wenn sie sich um ihre kranken Kinder kümmern müssen. In vielen Betrieben gelten auch tarif­vertragliche Rege­lungen zur bezahlten Frei­stellung bei bestimmten Anlässen.

Wenn Ihnen keine bezahlte Frei­stellung vom Arbeit­geber zusteht oder Sie diese Tage schon „aufgebraucht“ haben, haben Sie Anspruch auf eine unbe­zahlte Frei­stellung von der Arbeit. In dieser Zeit zahlt Ihre Krankenkasse Ihnen als allein­erziehender Mutter ein „Kinder­krankengeld“ bis zu 20 Arbeits­tagen im Kalender­jahr.

Bei gesetzlich versicherten Eltern­paaren hat jeder Partner pro Kind und Kalender­jahr Anspruch auf bis zu zehn Tage Krankengeld. Das Kinder­krankengeld zahlt die Kasse aber nur, wenn Ihr Kind jünger als zwölf Jahre und gesetzlich kranken­versichert ist und wenn in Ihrem Haushalt niemand anderes lebt, der die Kinder­betreuung über­nehmen kann.

Ich kann nach der Reha noch nicht wieder voll arbeiten, möchte es aber zumindest stunden­weise versuchen. Ich habe gehört, dass das im „Hamburger Modell“ geht. Wie werde ich in dieser Zeit bezahlt?

Versicherte, die nach langer Krankheit oder nach einem schweren Unfall im Rahmen einer stufen­weisen Wieder­einglie­derung zunächst stunden­weise wieder zur Arbeit kommen, gelten immer noch als arbeits­unfähig.

In dieser Zeit erhalten Sie entweder weiter das Krankengeld von Ihrer Krankenkasse oder Sie erhalten Über­gangs­geld vom Renten­versicherungs­träger. Das ist etwa dann der Fall, wenn Sie direkt im Anschluss an eine Reha-Maßnahme, die der Renten­versicherungs­träger bezahlt, das Hamburger Modell nutzen.

Das Krankengeld liegt deutlich unter meinem normalen Netto­gehalt – sollte ich zusätzlich eine private Kranken­tagegeld­versicherung abschließen?

Wenn Sie deutlich mehr als 4 000 Euro brutto verdienen, sollten Sie über eine zusätzliche Absicherung nach­denken – vor allem, wenn Sie hohe laufende Verpflichtungen wie zum Beispiel einen Immobilien­kredit haben. Denn das gesetzliche Krankengeld ist auf derzeit 2 756 Euro im Monat begrenzt, selbst wenn Sie normaler­weise das Doppelte verdienen.

Auch wenn Sie weniger verdienen, klafft zwischen dem Krankengeld – abzüglich Sozial­versicherungs­beiträge – und Ihrem gewohnten Netto­einkommen eine Lücke. Der Arbeitnehmer aus unserer Beispielrechnung könnte sie mit einem privaten Kranken­tagegeld von 14 Euro pro Tag schließen.

Manche Versicherer lassen allerdings nur Tagegelder in 10-Euro-Schritten zu. In diesem Fall müssen Sie stets den nied­rigeren Wert wählen, denn gesetzliches Krankengeld und privates Kranken­tagegeld dürfen zusammen die Höhe Ihres regulären Netto­gehalts (ohne Einmalzah­lungen) nicht über­steigen.

Ich bekomme Krankengeld. Kann ich trotzdem auf eine lange vor meiner Erkrankung gebuchte Auslands­reise gehen, oder streicht mir die Kasse dann das Geld?

Grund­sätzlich muss die Krankenkasse Ihnen nur Krankengeld zahlen, wenn Sie sich in Deutsch­land aufhalten. Damit es mit der Auslands­reise klappt, müssen Sie ein paar Punkte beachten.

Lassen Sie sich von Ihrem Arzt bestätigen, dass Sie zwar weiterhin arbeits­unfähig sind, aus medizi­nischer Sicht jedoch nichts gegen einen Orts­wechsel spricht. Vereinbaren Sie Unter­suchungs- und Behand­lungs­termine so, dass Sie während Ihres Urlaubs nichts versäumen, und sorgen Sie dafür, dass Sie auch im Ausland für Rück­fragen zumindest per Mail erreich­bar sind.

Holen Sie dann die schriftliche Einwilligung Ihrer Krankenkasse ein. Sobald Sie diese haben, informieren Sie auch Ihren Arbeit­geber über den Auslands­auf­enthalt.

Muss ich auf das Krankengeld auch Einkommensteuer zahlen?

Nein, auf das Krankengeld brauchen Sie keine Einkommensteuer zu zahlen. Allerdings wird es bei der Berechnung des Steu­ersatzes berück­sichtigt. Ebenso wie beim Arbeits­losengeld oder beim Eltern­geld kann der sogenannte Progressions­vorbehalt also dazu führen, dass Sie einen höheren Steu­ersatz zahlen müssen.

Da Ihre Krankenkasse diese Daten elektronisch an das Finanz­amt über­mittelt, können irrtümlich zu hohe Beträge gemeldet werden. Prüfen Sie deshalb Ihren Einkommensteuer­bescheid besonders genau, wenn Sie in einem Jahr Krankengeld bezogen haben.

Wie lange habe ich Anspruch auf Krankengeld – und was kommt danach?

Sie haben bei Arbeits­unfähigkeit wegen derselben Erkrankung bis zu 78 Wochen inner­halb von drei Jahren Anspruch auf Krankengeld. Gerechnet wird vom ersten Krank­heits­tag an. Wenn diese Höchst­dauer ausgeschöpft ist und Sie noch immer arbeits­unfähig sind, dann endet Ihre Mitgliedschaft in der gesetzlichen Kranken­versicherung.

Rund zwei Monate vor dieser sogenannten Aussteuerung erhalten Sie eine Mitteilung von Ihrer Krankenkasse. Dann sollten Sie sich umge­hend mit der Kasse in Verbindung setzen, um den künftigen Versicherungs­schutz zu klären.

Nach dem Ende des Krankengelds haben Sie noch einen Monat lang Anspruch auf alle anderen Leistungen der Krankenkasse. Wenn Sie sich nicht beitrags­frei bei Ihrem Ehe- oder Lebens­partner mitversichern können, müssen Sie spätestens jetzt eine freiwil­lige Mitgliedschaft bei Ihrer Kasse beantragen. Selbst wenn Sie keine eigenen Einkünfte haben, müssen Sie dann einen Mindest­beitrag von rund 134 Euro zahlen.

In dieser Phase entscheidet sich, wie es weitergeht: Falls Sie dauer­haft arbeits­unfähig bleiben sollten, geht es darum, eine Erwerbs­minderungs­rente zu beantragen. Damit Sie während der Über­gangs­zeit nicht mittel­los dastehen, sollten Sie sich bei der Agentur für Arbeit melden. Selbst wenn Sie nicht arbeitslos sind, haben Sie unter Umständen Anspruch auf Leistungen.

Dieser Artikel ist hilfreich. 18 Nutzer finden das hilfreich.