Gesetzlicher Rentenanspruch Meldung

Wie viel Rente der Staat einmal auszahlt, lässt sich für Jüngere nur schätzen. Ältere erfahren mehr.

Immer mehr Rentner mit einer immer höheren Lebenserwartung müssen von der arbeitenden Generation finanziert werden. Eine Rentenreform ist notwendig, aber nicht in Sicht.

Viele Menschen wollen kein Risiko eingehen und zusätzlich privat für ihr Alter vorsorgen. Deshalb wollen sie wissen: Habe ich ein Anrecht auf eine staatliche Altersrente? Wenn ja, wann wird wie viel gezahlt?

Ansprechpartner

Für jüngere Leute steht die Rente fast in den Sternen. Denn sie wissen ja nicht, ob sie künftig ununterbrochen berufstätig sind, wie viel sie verdienen werden und wie hoch demnach ihre Einzahlungen in die Rentenkasse sind. Detaillierte Hochrechnungen privater Rentenberater für junge Leute können deshalb kaum ins Schwarze treffen.

Offizieller Ansprechpartner in Sachen Rente sind die Rentenversicherungsträger. Für 24 Millionen Angestellteist dies die Bundesversicherungsanstalt für Angestellte (BfA) mit Sitz in Berlin. Für die Arbeiter ist eine der 23 regional gegliederten Landesversicherungsanstalten (LVA) zuständig. Weitere Träger sind die Bundesknappschaft, die Bahnversicherungsanstalt und die Seekasse.

Wer sich also über seine zukünftige Rente informieren möchte, wendet sich in der Regel an die BfA, die auch Versicherten anderer Rentenversicherungsträger hilft. Erste Auskünfte aller Art bekommt man am schnellsten über das kostenlose Servicetelefon (0 800/3 33 19 19, Montag bis Donnerstag von 9 bis 19.30 Uhr und Freitag von 9 bis 13 Uhr).

Spätestens dann jedoch sieht sich der Laie mit schwer verständlichem Vokabular konfrontiert. Wer weiß schon, wie hoch sein Bestandskonto, seine Entgeltpunkte oder der aktuelle Rentenwert sind?

Spiegelbild des Berufslebens

Eines steht von vornherein fest: Eine Basis- oder Grundrente gibt es in Deutschland nicht. "Die Rentenhöhe ist ein Spiegelbild des Berufslebens. Bestimmt wird sie im Wesentlichen von der Höhe der entrichteten Beiträge und der Versicherungsdauer", erklärt Walter Glanz, Medienbeauftragter der Auskunfts- und Beratungsstelle Berlin-Wilmersdorf.

Doch längst nicht alle haben ein jahrzehntelanges ununterbrochenes Berufsleben vorzuweisen. Meistens gibt es Unterbrechungen durch Ausbildung, Kindererziehung oder Arbeitslosigkeit. "Viele Menschen, die nur wenige Jahre versicherungspflichtig waren, erwarten nicht einmal eine Rente vom Staat, obwohl sie ihnen meistens zusteht. Weit verbreitet ist auch die Ansicht, dass nur die letzten Jahre vor der Rente zählen. Das ist aber falsch", sagt Glanz.

Versicherungskonto

Die Rentenversicherungsträger, zum Beispiel die BfA, führen für jeden Versicherten ein Konto. In diesem Versicherungs- oder Bestandskonto werden die so genannten rentenrechtlichen Zeiten und Beiträge erfasst. Einen Auszug des Versicherungskontos kann man telefonisch beim zuständigen Träger anfordern. Damit lässt sich prüfen, ob der bisherige Versicherungsverlauf vollständig erfasst ist. Das ist der erste Schritt, um eine Vorstellung von der späteren Rente zu bekommen.

Fast immer muss der Versicherte kräftig mithelfen, damit das Konto vollständig ist. Denn nur selten liegen dem Träger alle Angaben über Wehr- und Zivildienst, Ausbildung, Berufstätigkeit, Geburt von Kindern seit dem 17. Lebensjahr lückenlos vor.

Persönliches Gespräch

Zweiter Schritt ist deshalb ein persönliches Gespräch mit einem Berater, der mithilfe sämtlicher wichtiger Unterlagen (Schulzeugnisse, Sozialversicherungsausweise, Geburtsurkunden der Kinder) Lücken klärt. Berater gibt es zum Beispiel für die BfA in den 45 Beratungsstellen im Bundesgebiet sowie in Info-Bussen, die in den mittleren und kleineren Gemeinden Station machen. Außerdem helfen bundesweit mehrere Tausend Versichertenälteste.

"Versicherte sollten unbedingt alle Belege aufheben. Sie sind bares Geld und ihre wichtigsten Wertpapiere!", so BfA-Sprecher Rainer Helbing.

Auch Versicherungskarten mit eingeklebten Beitragsmarken gehörten dazu ­ und tauchten immer noch in den Beratungsstellen auf, obwohl schon seit 1977 alle Beiträge bargeldlos gezahlt werden.

Lange Wartezeiten

Die Klärung des Rentenkontos kann monatelang dauern. Fehlen Belege für eine bestimmte Tätigkeit, müssen Zeugen wie frühere Arbeitgeber oder Kollegen gesucht werden.

Nach der Kontenklärung lässt sich für ältere Versicherte die Rente leicht berechnen, weil dann die Beitragszeit klar ist. Das ist die Zeit, in welcher der versicherte Arbeitnehmer oder der freiwillig Versicherte (Hausfrauen, Selbstständige, Entwicklungshelfer) ihre Beiträge gezahlt haben. Diese Zeiten sind die eigentliche Grundlage für den Aufbau des individuellen Rentenanspruchs und steigern Monat für Monat die spätere Rentenhöhe.

Ausnahme ist hier die Erziehungszeit, die wie Beitragszeit behandelt wird, obwohl der Erziehende keine eigenen Beiträge zahlt. Auch Ausbildungszeiten werden auf die Rente angerechnet, künftigen Rentnern aber nur noch drei Jahre. Besonders für Akademiker mit längeren Studienzeiten ist das im Vergleich zu früher, wo sieben Jahre Ausbildung wirksam wurden, ein Verlust, der bis zu 369 Mark Rente im Monat kosten kann.

Die Dauer der Ausbildung bleibt aber wichtig, weil sie bei der Wartezeit berücksichtigt wird. Denn die normale Altersrente gibt es nur, wenn der Versicherte der Rentenkasse mindestens fünf Jahre angehört hat. Für andere Renten muss man der Kasse länger angehört haben: zum Beispiel 35 Jahre für eine Berufsunfähigkeitsrente.

Gezahlt wird die normale Altersrente, wenn der oder die Versicherte 65 Jahre alt ist.

Entgeltpunkte

Wichtigster Bestandteil der eigentlichen Rentenformel, die Grundlage der Berechnung ist, sind die Entgeltpunkte, die das Arbeitsleben des Versicherten widerspiegeln. Wie viele dieser Punkte der Einzelne erhält, richtet sich danach, wie lange und wie viel er in die Rentenkasse eingezahlt hat.

Dabei wird der versicherte Arbeitsverdienst mit dem Durchschnittsverdienst aller Versicherten (in den alten Ländern) verglichen. Gegen Ende eines Kalenderjahres legt die Bundesregierung das vorläufige Durchschnittseinkommen für das nächste Kalenderjahr und das endgültige für das vorangegangene Jahr fest. Wer ein Einkommen in genau dieser Höhe hat, erhält für dieses Jahr einen Entgeltpunkt.

Bei Abweichungen des Verdienstes nach oben oder unten erhält der Versicherte entsprechend mehr oder weniger Entgeltpunkte. Dafür muss das Einkommen jedoch dauerhaft mindestens 630 Mark betragen.

Eine Obergrenze bildet die so genannte Beitragsbemessungsgrenze. Sie legt etwa für das Jahr 2000 fest, dass in den alten Bundesländern nur Monatseinkommen von höchstens 8.600 Mark (Jahreseinkommen: 103.200 Mark) in die Berechnung einfließen können. Im Osten Deutschlands liegen diese Werte bei 7.100 Mark (Jahreseinkommen: 85.200 Mark). Ein darüber hinausgehendes Einkommen wirkt sich nicht mehr auf die spätere Rentenhöhe aus ­ weil man dafür ja auch keine Beiträge zahlt.

Gegenwärtig ist das vorläufige Durchschnittsentgelt auf 54.513 Mark festgesetzt. Wer also im Jahr 2000 so viel verdient, bekommt einen Entgeltpunkt. Das Einkommen im Osten wird mit einem Umrechnungsfaktor auf Westniveau hochgerechnet.

Rentenformel

Ein Entgeltpunkt aus Arbeitszeiten in den alten Bundesländern ergibt seit dem 1. Juli 1999 eine monatliche Rente von 48,29 Mark. Für die neuen Länder beträgt dieser Wert 42,01 Mark. Diese Beträge, die jedes Jahr angepasst werden, sind die aktuellen Rentenwerte. Die Rentenformel lautet also: Höhe der Rente gleich Summe der Entgeltpunkte mal aktuellen Rentenwert.

Doch eine Rente wird nicht automatisch überwiesen. Nur wer sie beantragt, bekommt das Geld, das ihm zusteht. Es genügt, vier Monate vor Rentenbeginn den Antrag zu stellen.

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