Gesetzliche Renten­versicherung im Test

Vor der Rentenberatung: Rentencheck in 7 Schritten

17.09.2019

Eine Alternative zur Beratung bei der Rentenkasse gibt es nicht. Wir zeigen, wie Versicherte ans Ziel kommen.

Inhalt

Unser Test hat gezeigt: Bei der Beratung durch die Renten­versicherung gibt es viel Luft nach oben. Hoff­nungs­los ist die Situation aber nicht. Ratsuchende können bekommen, was sie brauchen – eine objektive und alle Renten­arten umfassende Einschät­zung ihrer Alters­versorgung inklusive Rat zum Auffüllen eventueller Rentenlü­cken. Dafür müssen sie aber das Heft bei der Beratung selbst in der Hand halten.

Das geht nur, wenn Versicherte sich gut vorbereiten und so viel über ihre Renten wissen, dass sie die Erklärungen der Mitarbeiter einordnen und kritisch nach­fragen können. Mit diesen sieben Schritten geht es ans Ziel.

Unser Rat

Berechtigte.
Um die kostenlose Alters­vorsorgeberatung der gesetzlichen Renten­versicherung zu nutzen, müssen Sie kein aktueller Beitrags­zahler sein. Sie müssen aber Renten­ansprüche haben – etwa aus einer früheren Beschäftigung, aus Erziehungs­zeiten oder durch den Versorgungs­ausgleich.
Kontakt.
Die gesetzliche Rentenkasse erreichen Sie telefo­nisch (0 800/10 00 48 00) und im unter deutsche-rentenversicherung.de.
Hilfe.
Bei Problemen mit der gesetzlichen Renten­versicherung, etwa wenn Sie den Eindruck haben, Ihnen werden Ansprüche zu Unrecht verwehrt, helfen die Sozial­verbände VdK (vdk.de) und SoVD (sovd.de). Sie beraten und unterstützen bei sozialrecht­lichen Streitig­keiten. Der Mitglieds­beitrag liegt bei 6 bis 9 Euro im Monat.

1. Vor dem Beratungs­termin das Renten­konto auf den neuesten Stand bringen

Bei einer Alters­vorsorgeberatung kommen alle Renten auf den Tisch – gesetzliche, betriebliche und private. Wenn Sie verheiratet sind, ist es sinn­voll, dass Sie sich gemein­sam mit Ihrem Partner beraten lassen.

Voraus­setzung für die Beratung: Ihr gesetzliches Renten­konto und gegebenenfalls das Ihres Part­ners ist auf dem neuesten Stand und alle rentenrecht­lich relevanten Zeiten sind dort bereits abge­speichert. Sonst wird der Mitarbeiter der Beratungs­stelle vorschlagen, zunächst Ihr gesetzliches Renten­konto zu klären, und Sie unter Umständen erst einmal wieder nach Hause schi­cken.

Spätestens ab Mitte 40 wird es ohnehin Zeit für die erste Kontenklärung. Relevant sind unter anderem Angaben über

  • Beschäftigung; auch in der ehemaligen DDR oder im Ausland,
  • Arbeits­losig­keit und Krankheit,
  • Kinder­erziehung,
  • Schul- oder Studien­zeiten,
  • Ehren­amtliche Pflege von Angehörigen.

Für Zeiten, die noch nicht bei ihr gespeichert sind, möchte die Renten­versicherung unter Umständen Nach­weise sehen. Suchen Sie also nach alten Zeug­nissen, Versicherungs­karten, Sozial­versicherungs­nach­weisen aus dem Ausland und so weiter.

Sie können eine Kontenklärung online beantragen (deutsche-rentenversicherung.de/eAntrag) oder das Antrags­formular V0100 ausdrucken und per Post zur Renten­versicherung schi­cken. Erläuterungen zum Ausfüllen finden Sie im Formular V0110.

Sie können auch einen Beratungs­termin für die Kontenklärung vereinbaren: per Telefon (0 800/10 00 48 00) oder unter deutsche-rentenversicherung.de.

2. Den Zeit­punkt für die Alters­vorsorgeberatung richtig wählen

Während es bei der Kontenklärung nur um Ihre gesetzlichen Anwart­schaften geht, werden bei einer umfassenden Alters­vorsorgeberatung alle Ihre Renten­anwart­schaften – gesetzliche, betriebliche, private – im Zusammen­spiel mit Sozial­abgaben und Steuern analysiert.

Wie die Kontenklärung können Sie den Termin online oder telefo­nisch vereinbaren. Allerdings bieten nicht alle Beratungs­stellen eine Alters­vorsorgeberatung an. Eventuell müssen Sie weitere Entfernungen in Kauf nehmen. Achten Sie bei der Auswahl im Internet darauf, dass Sie Ihr Häkchen im Auswahl­menü bei „Alters­vorsorge“ setzen und nicht etwa bei den Punkten „Renten­auskunft / Renteninfo / Versicherungs­verlauf“ oder „Versichertenrente“.

Zur richtigen Zeit. Wie es um Ihre Alters­vorsorge bestellt ist, lässt sich umso genauer abschätzen, je älter Sie sind. Das Problem dabei: Stellt sich heraus, dass Ihre Rentenlücke recht groß ist, bleibt Ihnen vielleicht nicht mehr genug Zeit, sie bis Renten­beginn zu füllen.

Was „genug Zeit“ konkret heißt, hängt von Ihrer finanziellen Situation ab. Je weniger Geld Sie fürs Gegen­steuern haben, desto eher sollten Sie damit anfangen und desto früher sollten Sie sich von der Renten­versicherung beraten lassen – auch wenn die Aussagekraft der Beratung dann nicht so groß ist.

Spätestens zwanzig Jahre vor dem geplanten Ruhe­stand sollte jeder Versicherte da gewesen sein. Sie haben den Zeit­punkt verpasst? Gehen Sie trotzdem hin.

Recht­zeitig. Brauchen Sie einen Über­blick über Ihre Alters­versorgung als Nach­weis, etwa für eine Immobilien­finanzierung oder andere Entscheidungen, die in Kürze anstehen, planen Sie genügend Vorlauf ein. Denn – wie unsere Tester fest­stellten – kann es je nach Region teils mehr als drei Monate dauern, bis Sie einen Termin bekommen (Rentenberatung mit großen Mängeln: Grafik).

Tipp: Sie können Ihre Beratungs­stelle in ganz Deutsch­land frei wählen. Haben Sie es eilig, fragen Sie oder schauen Sie online, ob es im Umland frühere Termine gibt.

3. Ran an die Ordner und alle wichtigen Unterlagen heraus­suchen

Damit Sie selbst und auch die Mitarbeiter der Renten­versicherung Ihre späteren Renten­einkünfte möglichst genau einschätzen können, müssen die Informationen zu Ihren Renten­anwart­schaften voll­ständig und so aktuell wie möglich sein. Suchen Sie folgende Unterlagen heraus:

  • Gesetzliche Rente: jähr­liche Renten­mitteilung,
  • Rente aus Versorgungs­werk: jähr­liche Renten­mitteilung,
  • Renten aus dem Ausland: jüngste Renten­mitteilung. Sollte es keine geben, fragen Sie den Versorgungs­träger nach einer Prognose.
  • Beamten­versorgung: Lassen Sie sich von Ihrem Dienst­herrn ausrechnen, wie hoch das zu erwartende Ruhe­gehalt in etwa sein wird.
  • Riester: jähr­liche Stand­mitteilung,
  • Rürup: jähr­liche Stand­mitteilung,
  • Betriebs­renten – auch die von früheren Arbeit­gebern: jähr­liche Stand­mitteilung. Sollten Sie keine bekommen, fragen Sie beim Arbeit­geber nach den aktuellen Werten.
  • Private Renten­versicherungen: jähr­liche Stand­mitteilung,
  • Kapital­lebens­versicherungen: jähr­liche Stand­mitteilung.

Welche Angaben aus Ihren Unterlagen für einen Alters­vorsorgecheck wichtig sind, lesen Sie im Unter­artikel Rentenunterlagen: Wo steht was?

4. Selbst die Rentenhöhe mit dem Erfassungs­bogen über­schlagen

Im Anhang des PDF zu diesem Testbericht haben wir in leicht geänderter Form den Erfassungs­bogen der Renten­versicherung für Ihre Anwart­schaften nachgebildet. Die Berater könnten ihn für die Berechnung Ihrer voraus­sicht­lichen Rentenhöhe nutzen. Oft setzen sie diesen nicht ein, so die Erfahrung unserer Tester. Wir finden ihn aber sehr über­sicht­lich und hilf­reich.

Ist Ihre Versorgungs­situation nicht allzu komplex, können Sie damit im Vorfeld selbst schon einmal grob Ihre Rentenhöhe über­schlagen. Tragen Sie einfach die Zahlen aus Ihren Unterlagen ein.

Gesetzliche Renten­versicherung im Test - Rentenberatung mit großen Mängeln
© Stiftung Warentest

Wichtig: Die gesetzlichen, betrieblichen und privaten Renten­informationen nennen Brutto­werte. Tatsäch­lich steht Ihnen im Ruhe­stand aber weniger Geld zur Verfügung, denn auch Rentner zahlen Sozial­abgaben und Steuern, auch wenn letztere meist deutlich nied­riger ausfallen als während des Arbeits­lebens. Mehr zum Thema Renten­besteuerung auf unserer Themenseite Steuertipps für Rentner.

Auch den Kauf­kraft­verlust durch Inflation sollten Sie bei einem persönlichen ersten Über­schlag nicht völlig vernach­lässigen. Wie Sie die Inflation grob in Ihre Rechnung einbeziehen, erklären wir unter Rentenberatung – Inflation besser berücksichtigen.

5. Beim Gespräch: Kontrolle behalten und nach­fragen

Notieren Sie vor dem Beratungs­termin Punkte, die Ihnen wichtig sind. Haken Sie diese während des Gesprächs ab. Fragen Sie nach, wenn etwas unklar ist und unter­brechen Sie, wenn Sie etwas nicht verstehen. Achten Sie besonders darauf, dass der Mitarbeiter

  • den Erfassungs­bogen ausfüllt und Ihnen am Ende des Beratungs­gesprächs mitgibt.
  • die Höhe der voraus­sicht­lich anfallenden Sozial­abgaben berechnet.
  • Ihnen Auskünfte zur zusätzlichen Alters­vorsorge gibt, wenn Sie auf eine Rentenlücke zusteuern.
Gesetzliche Renten­versicherung im Test - Rentenberatung mit großen Mängeln
© Stiftung Warentest

6. Verlieren Sie nicht das Gesamt­bild aus den Augen

Mehr als eine grobe Einschät­zung kann die Analyse der Alters­vorsorge Jahre vor Renten­beginn nicht sein. Neben Inflation können Zins­entwick­lung, Renten­steigerungen und die Gesetz­gebung für abweichende Ergeb­nisse sorgen.

Auch reicht es für eine realistische Perspektive nicht, nur Ihre verschiedenen Renten­anwart­schaften zu kennen. Wer später mietfrei im Eigenheim wohnt oder ordentlich erbt, kommt mit einer kleineren Rente eventuell deutlich komfort­abler klar, als ein Rentner mit hoher gesetzlicher und betrieblicher Rente, der zur Miete wohnt.

Außerdem können im Ruhe­stand manche Ausgaben wegfallen, etwa ein Immobilien­kredit oder die Fahrt­kosten, andere können hinzukommen, etwa Pflege­kosten.

Wichtig ist, immer das ganze Bild im Blick zu behalten. Das Renten­einkommen einzuschätzen, ist trotz aller Unwäg­barkeiten aber ein erster sinn­voller Schritt. Denn Ihre Renten bekommen Sie ein Leben lang und die sind – eventuell neben Wohn­eigentum – meist die Grund­pfeiler der Vorsorgeplanung.

7. Bei Problemen: Die eigenen Rechte kennen und wissen, wo Sie diese nach­schlagen können

Sollte es schwierig sein, eine umfassende Alters­vorsorgeberatung zu bekommen, ist es gut, wenn Sie Ihre Rechte kennen und die Mitarbeiter der gesetzlichen Renten­versicherung notfalls auch daran erinnern.

In Paragraf 14 Sozialgesetz­buch I ist geregelt, dass Sie einen Anspruch auf Beratung über Ihre Rechte und Pflichten unter anderem zur gesetzlichen Renten­versicherung haben. Paragraf 15 stellt dann weiter klar, dass die Renten­versicherungs­träger Sie nicht nur zur gesetzlichen Rente beraten sollen, sondern auch Auskunft über Möglich­keiten zum Aufbau einer staatlich geförderten Alters­vorsorge geben sollen – und zwar produkt- und anbieter­neutral.

Die weiteren recht­lichen Grund­lagen Ihrer Rente finden sich ebenfalls in den insgesamt zwölf Sozialgesetzbüchern. Sozialgesetz­buch VI regelt die gesetzliche Rente; Sozialgesetz­buch XII die Grund­sicherung im Alter. Grund­sicherung erhalten Rentner, deren Einkommen für den Lebens­unterhalt trotz Rente nicht reicht. Sie finden alle Sozialgesetzbücher im Internet, etwa unter gesetze-im-internet.de.

Wer sich 20 Jahre vor Renten­beginn zur Alters­vorsorge beraten lässt, hat bei Rentenlü­cken noch Zeit gegen­zusteuern.

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