Freiwil­lige Beiträge können sich lohnen. Ältere Beamte, Freiberufler und Mütter können sich sogar eine gesetzliche Sofortrente sichern. Angestellte gleichen Renten­abschläge aus.

Karl-Friedrich Wolken kann es, viele Mütter können es, Freiberufler und Selbst­ständige können es, Beamte können es. Helmut Walter kann es nicht.

Der angestellte Diplom-Psycho­loge Karl- Friedrich Wolken will vorzeitig in den Ruhe­stand gehen und die Einbußen bei der gesetzlichen Alters­rente mit freiwil­ligen Beiträgen ausgleichen. Das geht.

Der kauf­männische Angestellte Helmut Walter will sich regulär zur Ruhe setzen und mit freiwil­ligen Beiträgen – über die gesetzlich vorgeschriebenen hinaus – eine höhere Rente einstreichen. Das geht nicht.

Gesetzliche Rente wieder beliebter

Gesetzliche Renten­versicherung Special

Karl-Friedrich Wolken über­legt, vorzeitig in den Ruhe­stand zu gehen. Er kann mit einem Sofortbeitrag von gut 22 500 Euro die fällige Rentenkür­zung von 93 Euro im Monat ausgleichen.

Freiwil­lige Beiträge in die gesetzliche Renten­versicherung? Noch vor wenigen Jahren hätten sich viele bei diesem Gedanken an die Stirn getippt und das für absurd befunden. Das gesetzliche System galt vielen als unrentabel.

Nun zeigen Finanzmarkt­krise und nied­rige Zinsen, dass eine Alters­vorsorge, die nicht unmittel­bar auf den Kapitalmärkten basiert, viele Vorteile hat. Deshalb hat uns der 60-jährige Walter gefragt, „ob es nicht sinn­voll ist, zusätzliche Rentenbeiträge auf freiwil­liger Basis in die gesetzliche Renten­versicherung zu zahlen, anstatt zum Beispiel eine private Renten­versicherung gegen Einmalbeitrag abzu­schließen.“

Doch weil Walter wie jeder Angestellte in der gesetzlichen Renten­versicherung pflicht­versichert ist, darf er keine zusätzlichen Beiträge einzahlen. Pflicht­versicherte haben diese Möglich­keit nur, wenn sie vorzeitig in Rente gehen und die dann fälligen Abschläge ausgleichen möchten – so wie Wolken.

Nur bis Ende 1997 durften Pflicht­versicherte zusätzliche Beiträge einzahlen, um ihre Rente zu steigern. Dann wurde die „Höher­versicherung“ abge­schafft.

Selbst­ständige, die nicht pflicht­versichert sind, und Freiberufler in einem berufs­stän­dischen Versorgungs­werk dürfen dagegen freiwil­lig Beiträge in die gesetzliche Renten­versicherung einzahlen. Diese Möglich­keit steht auch Hausfrauen und -männern sowie Beamten offen.

Mütter und Väter, die nicht die für eine Rente notwendige Mindest­versicherungs­zeit von fünf Jahren erfüllen, können sich ebenfalls mit freiwil­ligen Beiträgen eine Rente sichern. Sie sorgen so dafür, dass Ansprüche aus Kinder­erziehungs­zeiten nicht unter den Tisch fallen.

Mütter füllen fehlende Jahre auf

Für Kinder, die 1992 und später geboren wurden, bekommen Mütter drei Jahre Kinder­erziehungs­zeiten ange­rechnet. Für ein vor 1992 geborenes Kind gibt es bisher nur ein Jahr, laut Koalitions­vertrag soll den Müttern dieser Kinder künftig aber ein Jahr mehr gutgeschrieben werden, sodass sie dann auf zwei Jahre kommen.

In all diesen Fällen reichen die Kinder­erziehungs­zeiten jedoch oft nicht aus, um einen Anspruch auf gesetzliche Rente zu erwerben. Dafür sind mindestens fünf Jahre notwendig. Nicht pflicht­versicherte Mütter müssen die fehlenden Jahre mit eigenen Beiträgen füllen, wenn sie eine gesetzliche Rente bekommen wollen.

Mütter, die vor 1955 geboren wurden und die nicht genug Jahre beisammenhaben, dürfen den Beitrag auf einmal einzahlen. Sie sollten die fehlende Zeit auf jeden Fall mit Beiträgen auffüllen.

Bei drei Jahren Erziehungs­zeiten fehlen noch zwei Jahre, um die Mindest­versicherungs­zeit – auch Warte­zeit genannt – zu erfüllen. Eine Mutter im Renten­alter, die jetzt ihren Anspruch sichern will, muss dafür mindestens 2 041,20 Euro einzahlen (siehe So funktioniert die freiwillige Einzahlung). So sichert sie sich eine monatliche Rente von derzeit rund 90 Euro.

Extra für Beamte und Freiberufler

Auch Freiberufler und Beamte dürfen sich eine gesetzliche Rente sichern, gleich­sam als zweite Säule ihrer Alters­vorsorge – egal ob sie Kinder haben oder nicht. Ihnen steht die gesetzliche Renten­versicherung seit August 2010 uneinge­schränkt offen, weil in ihren Alters­sicherungs­systemen Kinder­erziehungs­zeiten nicht immer „annähernd gleich­wertig wie in der gesetzlichen Renten­versicherung berück­sichtigt werden“, sagt Dirk von der Heide, der Sprecher der Deutschen Renten­versicherung Bund.

Im Klar­text: Was berufs­stän­dische Versorgungs­werke und Beamten­versorgung nicht leisten können oder wollen, muss die gesetzliche Renten­versicherung leisten.

Ihre Einzahlungen können die Beamten und Freiberufler wie alle anderen frei wählen zwischen dem monatlichen Mindest­beitrag von 85,05 Euro und dem Höchst­beitrag von derzeit 1 124,55 Euro.

Der Höchst­beitrag wird jedes Jahr neu fest­gelegt. Im Jahr 2013 lag er noch bei 1 096,20 Euro pro Monat.

Selbst Beamte und Freiberufler im Ruhe­stand können noch etwas für ihre Alters­vorsorge tun. Dafür gibt es nur eine Voraus­setzung: Sie waren am 10. August 2010 bereits so alt, dass sie bis zum regulären Ruhe­stand weniger als fünf Jahre haben und deshalb mit laufenden freiwil­ligen Beiträgen bis dahin keine gesetzliche Rente mehr erwerben können. Sie müssen also vor September 1950 geboren sein.

Spätestens bis Ende 2015 müssen sie den Antrag auf freiwil­lige Beiträge bei der Deutschen Renten­versicherung stellen. Versäumen sie diese Frist, bleibt ihnen eine gesetzliche Rente verwehrt.

Gesetzliche Sofortrente

Für privat kranken­versicherte Freiberufler und Beamte ist eine gesetzliche Rente gegen Einmalbeitrag besonders attraktiv. Sie müssen dafür keine zusätzlichen Beiträge zur Kranken­versicherung bezahlen und bekommen auf Antrag trotzdem 7,3 Prozent ihrer Rente als Zuschuss zur Kranken­versicherung. Der Zuschuss erhöht also schlicht und einfach ihr Alters­einkommen.

Auch schmälert eine mit freiwil­ligen Beiträgen aufgebaute gesetzliche Rente nicht die Beamtenpension. Es gibt beides: die volle Rente und die volle Pension.

In unserem Beispiel des Beamten oder privat kranken­versicherten Freiberuf­lers in der Tabelle schneidet die gesetzliche Rente im Vergleich zu einer staatlich geförderten Rürup-Rente und einer privaten Sofortrente am besten ab. Für einen Einmalbeitrag von 20 000 Euro bekommt ein Beamter im Ruhe­stand in unserem Modell­fall eine gesetzliche Nettorente von derzeit 79 Euro im Monat. Darüber hinaus spart er noch Steuern, weil er den Beitrag absetzen kann. Steckt er die 20 000 Euro in eine private Rente gegen Einmalbeitrag, beträgt die Rente im ersten Jahr 72 Euro. Bei einer Rürup-Rente kommt er auf monatlich 61 Euro im Jahr des Renten­beginns.

Sparer können auch mehr als 20 000 Euro in eine Rürup-Renten­versicherung oder die gesetzliche Renten­versicherung einzahlen; allerdings können Allein­stehende pro Jahr nicht mehr als diesen Betrag beim Finanz­amt geltend machen.

Unsere Tabelle zeigt die Renten im ersten Jahr. Die Renten­zusagen von Versicherungs­gesell­schaften können durch Über­schüsse noch steigen. Ob sie das tun, hängt davon ab, wie viel ein Versicherer mit dem Geld der Kunden erwirt­schaftet und wie viel vom Ertrag er den Kunden gutschreibt.

Die Steigerung der gesetzlichen Rente hängt von der Lohn­entwick­lung und dem Verhältnis von Rentnern und Beschäftigten ab. Wachsen die Löhne und die Zahl der Beschäftigten, steigen auch die Renten.

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