Per Renteninformation soll jeder Versicherte erfahren, wie hoch seine gesetzliche Rente einmal sein wird – ungefähr.

Rund die Hälfte der 38 Millionen Versicherten in der gesetzlichen Rentenversicherung haben sie schon. Bis Ende des Jahres 2004 sollen sie auch alle anderen erstmals bekommen: die Renteninformation.

Sie besteht aus einem Anschreiben und den Informationen über den Stand des Rentenkontos und der Versicherungszeiten – drei Blätter insgesamt. Am wichtigsten ist das zweite (siehe Grafik im PDF-Download-Dokument). Dort stehen die entscheidenden Zahlen wie die Hochrechnungen der künftigen Altersrente, die bisher gezahlten Beiträge und die Rente wegen voller Erwerbsminderung.

Mit der Renteninformation wollen die Träger der Rentenversicherung die Frage der Versicherten beantworten: „Wie viel Geld bekomme ich aus der gesetzlichen Altersversorgung, wenn ich einmal in Rente gehe?“ So sollen die Menschen einschätzen können, wie viel sie selbst zusätzlich fürs Alter vorsorgen müssen.

Was für die Rente zählt

Die Rentenhöhe hängt davon ab, wie lange und wie viel der Versicherte in die Rentenkasse eingezahlt hat. Den Verdienst der Beitragszahler rechnet der Rentenversicherungsträger jedes Jahr in Entgeltpunkte um. Wer in den alten Bundesländern im Jahr brutto so viel verdient wie der Durchschnitt aller Versicherten, derzeit 29 230 Euro, bekommt einen Punkt. In den neuen Ländern bekommt der einen Punkt, der 24 462,30 Euro im Jahr verdient.

Ist der Verdienst größer oder kleiner, gibt es entsprechend weniger oder mehr Entgeltpunkte. Ein Versicherter in den alten Ländern mit einem Jahresbruttoeinkommen von 23 384 Euro (also 20 Prozent weniger als das Durchschnittseinkommen) bekommt 0,8 Punkte (23 384 : 29 230 = 0,8). Bei einem Jahresbrutto von 32 153 Euro (also 10 Prozent über dem Durchschnittseinkommen) werden 1,1 Punkte gutgeschrieben (32 153 : 29 230 = 1,1). Auch Erziehungszeiten, Wehr- und Zivildienst, Zeiten von Arbeitslosigkeit und längerer Krankheit zählen. Noch wirken sich auch Ausbildungszeiten aus.

Um die Rentenhöhe zu ermitteln, werden alle bis zum Rentenalter erreichten Entgeltpunkte zusammengezählt. Dann werden sie mit dem monatlichen Rentenbetrag, der sich für einen Entgeltpunkt ergibt, multipliziert. Dieser Rentenbetrag wird auch Rentenwert genannt und beträgt derzeit 26,13 Euro in den alten und 22,97 Euro in den neuen Bundesländern.

Der Wert wird jährlich erhöht. Er betrug 2002 nur 25,86 Euro in den alten und 22,70 Euro in den neuen Ländern.

Chancy Gärtner*, der 1963 geborene Versicherte in unserem Beispiel (siehe Grafik im PDF-Download-Dokument), bekommt laut Renteninforma­tion eine Altersrente von 1 058,66 Euro, wenn er mit 65 in den Ruhestand geht. Rentensteigerungen sind in dieser Zahl nicht berücksichtigt.

Voraussetzung für diese Rente ist, dass er weiterhin so viele Entgeltpunkte sammelt wie im Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre, nämlich 1,1183. Gärtner hat also in diesen Jahren stets überdurchschnittlich verdient.

Arbeitslosigkeit kostet Rente

Doch vor Arbeitslosigkeit ist Gärtner nicht gefeit. Wird er arbeitslos, büßt er später Rente ein. Zwar zahlt das Arbeitsamt Beiträge in die Rentenversicherung. Doch Grundlage für die Beitragszahlungen sind bei Empfängern von Arbeitslosengeld nur 80 Prozent ihres letzten Verdienstes, sodass sie dafür weniger Entgeltpunkte bekommen.

Bei Empfängern von Arbeitslosenhilfe fließen sogar noch weniger Beiträge. Denn Grundlage für die Beitragszahlung ist die gezahlte Arbeitslosenhilfe.

Ist Gärtner drei Jahre lang arbeitslos, reduziert sich seine spätere Rente nach Angaben der Bundesversicherungsan­stalt für Angestellte auf 1 022,22 Euro. Diese Rechnung setzt voraus, dass er nach der Zeit seiner Arbeitslosigkeit wieder einen überdurchschnittlich bezahlten Job findet und wieder mehr als 1,11 Entgeltpunkte pro Jahr erwirbt.

Muss er sich dagegen mit einem schlechter bezahlten Arbeitsplatz zufrieden geben, fällt seine Renteneinbuße noch größer aus.

Gehaltssprung gut für die Rente

Ganz anders lautet die Rechnung, wenn Gärtner nicht arbeitslos wird, sondern auf der Karriereleiter nach oben klettert und sein Gehalt sich spürbar verbessert. Steigt die Zahl seiner Entgeltpunkte von bisher 1,1183 im Jahresdurchschnitt auf 1,8048 Punkte, dann steigt auch seine Rente.

Er würde dann nicht mehr wie nach dem Stand der jetzigen Renteninformation 1 058,66 Euro im Monat bekommen, sondern käme auf eine Rente von 1 488,28 Euro.

Entgeltpunkte sammeln kann der Versicherte bis zur Beitragsbemessungsgrenze von derzeit 61 200 Euro in den alten und 51 000 Euro in den neuen Bundesländern. Bis zu diesem Jahresbruttoverdienst muss er Beiträge für die Rentenversicherung zahlen. Dafür bekommt er pro Jahr maximal 2,09 Entgeltpunkte gutgeschrieben.

Versicherte, deren Einkommen die Beitragsbemessungsgrenze übersteigt, zahlen für den Teil oberhalb dieses Limits keine Beiträge. Sie erwerben dafür allerdings auch keine Rentenansprüche. Entsprechend größer ist die Lücke zwischen ihrem jetzigen Verdienst und der späteren Rente aus der gesetzlichen Rentenversicherung.

Lücken im Rentenkonto?

Teil der Renteninformation ist auch eine Liste der verschiedenen Versicherungszeiten, der so genannte Versicherungsverlauf. Dort ist detailliert aufgeführt, wer für welche Zeiten die Beiträge an die Rentenkasse überwiesen hat, beispielsweise der Arbeitgeber, das Arbeitsamt oder die Krankenkasse. Auch Ausbildungszeiten, Wehr- oder Zivildienst, Arbeitslosigkeit sowie Erziehungszeiten sind im Versicherungsverlauf aufgeführt.

Im Versicherungsverlauf unseres Beispielfalls Chancy Gärtner fehlt die Zeit des Studiums, nur für Schulzeiten hat er Entgeltpunkte bekommen. Gärtner stellt deshalb einen Antrag auf Kontenklärung. Kopien seines Diplomzeug­nisses und seiner Immatrikulationsbescheinigung des ersten Semesters legt er als Nachweise diesem Antrag bei.

Bisher können drei Jahre Schul- und Studienzeit rentensteigernd berücksichtigt werden. Gärtner brächte dies laut Bundesversicherungsanstalt für Angestellte eine Altersrente von 1 117,45 Euro statt der in seiner Renteninformation ausgewiesenen 1 058,66 Euro.

Diesen Zuschlag will ihm die Regierung wieder wegnehmen. Setzt sie ihre jüngsten Pläne um, sollen ab 2009 bei Neurentnern Studium und Schule nach dem 17. Lebensjahr nicht mehr rentensteigernd berücksichtigt werden.

Gärtner, der voraussichtlich 2028 in Altersrente geht, würde rund 5 Prozent weniger Rente bekommen. Um für einen Ausgleich zu sorgen, muss er jetzt seine private Vorsorge verstärken.

Private Vorsorge

Mithilfe der Renteninformation soll der Versicherte seine Versorgungslücke feststellen können. Für das Geld, das im Alter fehlt, muss er selbst vorsorgen. Entweder mit einer Betriebsrente oder einer Riester-Rente oder einer ganz privaten Geldanlage oder mit einer Kombina­tion von Vorsorgemöglichkeiten.

Doch reicht die Renteninformation, um die Versorgungslücke realistisch einzuschätzen? Wer die Renteninforma­tion studiert, sollte zumindest zwei Dinge im Kopf haben:

  • Die Steigerungssätze von 1,5 Prozent und 3,5 Prozent, mit denen die künftige Altersrente hochgerechnet wird, sind ziemlich optimistisch. In den Jahren 1995 bis 2002 betrug die Rentensteigerung in den alten Bundesländern im Durchschnitt nur 1,2 Prozent. Zuletzt wurden die Renten zum 1. Juli 2003 in den alten Bundesländern um 1,04 Prozent und in den neuen Bundesländern um 1,19 Prozent erhöht. 2004 soll es überhaupt keine Erhöhung geben.
  • Die Wirkung der Inflation wird in der Renteninformation nicht berücksichtigt. Immerhin betrug die Inflationsrate in den Jahren 1995 bis 2002 im Durchschnitt 1,4 Prozent. Die Rentenerhöhungen blieben also in diesen Jahren um durchschnittlich 0,2 Prozent hinter der Preissteigerungsrate zurück.

Auch die ab 2005 geplante Steuerbelastung der Renten wird in der Information nicht erwähnt.

Die Rentenversicherungsträger wollen die Information jedoch den Änderungen anpassen und ab 2005 einmal jährlich an alle Versicherten verschicken, die älter sind als 27 Jahre. Im Idealfall passen diese dann wiederum ihre Vorsorge an.

* Name von der Redaktion geändert

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