Interview: Renteninfo zu optimistisch

Gesetzliche Rentenversicherung Meldung

Johann L. Walter, Rentenberater

Die Renteninformation in ihrer bisherigen Form ist nach Einschätzung des gerichtlich zugelassenen, freien Rentenberaters Johann L. Walter nicht geeignet, den Versicherten bei der Berechnung ihrer Versorgungslücke zu helfen.

Finanztest: Bietet die Renteninformation den Versicherten derzeit eine realistische Einschätzung der späteren Altersrente?

Walter: Nein. Die Rente wird als viel zu hoch dargestellt. Die genannten Rentensteigerungen von 1,5 Prozent und 3,5 Prozent sind unrealistisch. Und der Unterschied der zu erwartenden Rente bei einer angenommenen jährlichen Rentensteigerung von 1,5 Prozent und einer Steigerung von 3,5 Prozent ist sehr groß. Er kann leicht mehrere hundert Euro ausmachen. So kann der Versicherte nicht verlässlich planen, wie viel er fürs Alter privat vorsorgen muss.

Finanztest: Die Information nennt auch die zu erwartende Altersrente ohne Berücksichtigung von Rentensteigerungen.

Walter: Auf diesen Betrag kommt der Versicherte aber nur, wenn er weiterhin durchschnittlich ein so hohes Verdienstniveau hat wie bisher, also auch in Zukunft die gleiche Zahl von Entgeltpunkten erwirbt. Das ist jedoch ungewiss. Außerdem werden Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge der Rentner nicht berücksichtigt. Ganz zu schweigen von den kommenden Änderungen wie der geplanten Rentenbesteuerung.

Finanztest: Welchen Aussagewert hat die Renteninfo denn überhaupt für die rund 20 Millionen Versicherten, die sie bisher bekommen haben? 

Walter: Nur einen sehr begrenzten. Denn der dort hochgerechnete Betrag ist mit ­Sicherheit weit höher als die Altersrente, die sie einmal bekommen werden. Selbst die ausgewiesenen bislang erreichten Renten­anwartschaften stimmen nicht unbedingt, wenn Sie bedenken, dass Ausbildungs­zeiten nicht mehr angerechnet werden sollen. Eine Renteninformation ist sinnvoll; doch nicht so, wie sie bisher verschickt wird.

Finanztest: Wann wäre eine Renten­information sinnvoll?

Walter: Wenn eine längerfristige Rentenreform steht, also womöglich ab 2005. Wenn beispielsweise sicher ist, wie die Renten künftig besteuert werden, und wenn sicher ist, ob das Renteneintrittsalter so bleibt wie jetzt oder auf 67 Jahre erhöht wird.

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