Gesetzliche Rentenversicherung: Was noch für die Rente zählt

Die Höhe der Rente hängt nicht nur von den ­eingezahlten Beiträgen ab. Für manche Zeiten gibt es auch ohne Beiträge Zuschläge.

Die gesetzliche Rente ist oft höher, als sie nach den selbst eingezahlten Beiträgen wäre. Denn in bestimmten Zeiten übernehmen andere für die Versicherten die Rentenbeiträge.

So zahlt die Pflegeversicherung seit dem 1. April 1995 Beiträge für Versicherte, die andere mindestens 14 Stunden pro Woche nicht berufsmäßig pflegen. Die Höhe des Beitrags hängt von der Pflegestufe der gepflegten Person und dem Zeitaufwand ab.

Bei Arbeitslosigkeit oder beim Bezug von Kranken- oder Mutterschaftsgeld werden Rentenbeiträge direkt abgeführt. Während des Wehr- oder Zivildienstes übernimmt der Bund für die jungen Männer Rentenbeiträge, die sich nach 60 Prozent des Durchschnittseinkommens errechnen.

Familienarbeit

Die wichtigste, weil umfassendste rentensteigernde Maßnahme ohne Beitragszahlung ist die Phase der Kindererziehung. Hier zahlt ebenfalls der Bund den Ausgleich für fiktive Beiträge.

Die Gründe liegen auf der Hand: Erziehende Eltern, vor allem Mütter, sind oft jahrelang nicht oder nur in geringem Maß berufstätig. Deshalb können sie sich selbst nur eine kleine Rente erarbeiten, obwohl das Kinderkriegen und die Kindererziehung für das finanzielle Gleichgewicht der gesetzlichen Rentenversicherung unerlässlich sind. Der Verlust an gesetzlicher Altersvorsorge wird auf drei Arten ausgeglichen:

  • durch Kindererziehungszeiten, die Müttern, auf Antrag stattdessen auch Vätern, in den ersten drei Lebensjahren eines Kindes gutgeschrieben werden,
  • durch die Höherbewertung von eigenen Beiträgen in der Kinderberücksichtigungszeit zwischen dem dritten und dem zehnten Geburtstag eines Kindes,
  • durch fiktive Beitragszurechnungen, wenn mehrere Kinder erzogen werden.

Für alle nach dem 31. Dezember 1991 geborenen Kinder werden einem Elternteil drei Jahre Beitragszeiten auf Basis des Durchschnittseinkommens gutgeschrieben, also drei Entgeltpunkte. Beamte und Selbstständige sind ausgenommen. Wurde ein Kind früher geboren, erhalten Mutter oder Vater nur für ein Jahr Beitragszeiten.

Gutschrift für Mütter automatisch

Mütter bekommen die Gutschrift automatisch. Dass ein Kind geboren wird, erfahren die Rentenversicherungsträger, denn die Standesämter melden jede Geburt dem Datenzentrum des Verbands Deutscher Rentenversicherungsträger (VDR) in Würzburg. Der zuständige Träger schreibt die Mutter dann unverzüglich an, um sie über ihre zusätzlichen Rentenansprüche zu informieren.

Sollen die Beitragszeiten wegen Kindererziehung dem Rentenkonto des Vaters zugeschlagen werden, müssen die Eltern das beantragen. Ein formloser Brief an den Rentenversicherungsträger genügt. Ein Antrag wird dann zugeschickt. Er sollte rechtzeitig zurückgesandt werden. Rückwirkende Gutschriften gibt es nur für zwei Monate.

Doppelplus für Berufstätige

Mütter (oder Väter), die in den ersten drei Jahren versicherungspflichtig beschäftigt sind, also Rentenversicherungsbeiträge zahlen, bekommen die drei Punkte Kindergutschrift zusätzlich.

Verdient eine Frau in ihrer Elternzeit gut, kann sie vom Kinderzuschlag aber nur bis zur Beitragsbemessungsgrenze in der Rentenversicherung profitieren. Belief sich das Einkommen der Mutter eines zweijährigen Kindes aus den alten Ländern 2003 zum Beispiel auf 35 000 Euro, wird es wegen Kindererziehung für die Rentenversicherung fiktiv nicht bis auf 64 230 Euro, sondern nur bis auf 61 200 (Ost: 51 000) Euro aufgestockt.

Bis zum 10. Lebensjahr

In der „Kinderberücksichtigungszeit“ zwischen dem 3. und 10. Geburtstag eines Kindes gibt es weitere Ausgleichsleistungen. Die Rentenbeiträge, die eine berufstätige Mutter (oder der Vater) und der Arbeitgeber zu jeweils 50 Prozent bezahlen, werden dafür fiktiv um 50 Prozent bis maximal zur Höhe des aktuellen Durchschnittseinkommens (2003: 29 230 Euro) aufgestockt, und zwar für die Zeit ab 1992. Dies gilt ab dann auch für vor 1992 geborene Kinder, sofern sie nach 1992 noch unter zehn Jahren alt waren.

Eine Verkäuferin mit einem Kind unter zehn Jahren, die 12 000 Euro brutto verdient, wird für 2003 beispielsweise so gestellt, als habe sie 18 000 Euro erzielt.

Arbeitnehmer, die in der Phase mehr verdienen als das Durchschnittseinkommen, haben von der Aufstockung nichts. Wirksam wird der Zuschlag im Rentenalter zudem nur, wenn die Mutter (oder der Vater) bis Rentenbeginn 25 Jahre rentenrechtliche Zeiten erreicht.

Mehrere Kinder

Versicherte mit mehreren Kindern erhalten ab 1992 einen fiktiven Beitragszuschlag von 0,33 Entgeltpunkten jährlich – solange mindestens zwei Kinder unter zehn Jahre sind. Für Nichterwerbstätige mit mindestens zwei Kindern zwischen drei und zehn Jahren heißt das: Der Rentenversicherungsträger stellt sie für 2003 so, als hätten sie 9 647 Euro verdient und dafür Beiträge gezahlt.

Berufstätige bekommen das Drittel auch, aber nicht zusätzlich die Beitragsaufstockung um 50 Prozent. Obergrenze ist wieder das Durchschnittseinkommen, also ein Entgeltpunkt pro Jahr. Wirksam wird der Zuschlag wieder nur, wenn bis Rentenbeginn mindestens 25 Jahre rentenrechtliche Zeiten – auch Wartezeit genannt – erreicht sind.

Als Wartezeit zählt nicht nur Beitrags-, sondern auch nicht rentensteigernde Anrechnungszeit. Die gibt es etwa auch fürs Studium.

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