Gesetzliche Rentenversicherung: Rascher in Rente

Noch können sich viele Versicherte früher als mit 65 Jahren zur Ruhe setzen. Allerdings fast immer mit weniger Rente.

Mit 65 Jahren kann jeder in Altersrente gehen. Doch viele gehen früher: Frauen im Durchschnitt mit 62,8 Jahren, Männer sind bei Renteneintritt im Durchschnitt 62,6 Jahre alt.

Dieses durchschnittliche Renteneintrittsalter ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen, und es wird weiter steigen. Denn immer weniger Menschen werden sich in den nächsten Jahren vorzeitig zur Ruhe setzen.

Bereits jetzt zeigen die 1997 eingeführten Rentenabschläge Wirkung: Die Bun­desregierung rechnet damit, dass diese Abschläge rund 40 Prozent der Versicherten davon abhalten, ihren Rentenbeginn vorzuverlegen. So gibt es immer weniger Versicherte, die wegen Arbeitslosigkeit oder nach Altersteilzeit früher in den Ruhestand wechseln oder die eine vorgezogene Altersrente für Frauen oder Langzeitversicherte beantragen.

Langzeitversicherte

Rentenversicherte, die 35 Versicherungsjahre auf dem Rentenkonto haben und 63 Jahre alt sind, können die Al­tersrente für langjährig Versicherte in Anspruch nehmen.

Zu den nötigen 35 Jahren Versicherungszeit zählen nicht nur Beitragszeiten und Ersatzzeiten (beispielsweise politische Haft in der DDR), sondern auch so genannte Anrechnungszeiten. Das sind zum Beispiel Zeiten, in denen der Versicherte wegen Krankheit nicht arbeitsfähig war. Anrechnungszeiten sind auch Mutterschutz, Arbeitslosigkeit oder Schul-, Fach- wie auch Hochschulausbildung.

Wer vor dem regulären Alter von 65 Jahren in den Ruhestand wechselt, muss aber Rentenabschläge in Kauf nehmen: 0,3 Prozent für jeden Monat, den er früher geht.

Geht er mit 63 Jahren, also volle zwei Jahre früher, bedeutet dies einen Abschlag von 7,2 Prozent (24 Monate à 0,3 Prozent). Statt 1 000 Euro Rente bekäme er beispielsweise 72 Euro im Monat weniger. Das sind 864 Euro Verlust im Jahr, 12 960 Euro in 15 Jahren Rentenbezug, die jährlichen Rentenerhöhungen nicht mitgerechnet.

Versicherte, die vor dem 1. Januar 1942 zur Welt kamen und nicht nur 35, sondern 45 Jahre lang Pflichtbeiträge gezahlt haben, sind etwas besser dran. Für sie gilt der Rentenabschlag nicht voll. Er beträgt maximal 3,6 Prozent für den, der im Dezember 1941 zur Welt kam.Wer im Januar 1941 geboren wurde, muss höchstens 3,0 Prozent weniger Rente im Monat in Kauf nehmen.

Allerdings zählen für die nötigen 45 Versicherungsjahre nur solche Jahre mit, in denen der Versicherte Pflichtbeiträge gezahlt hat. Jahre mit freiwilligen Beiträgen zählen nicht. Auch Pflichtbeiträge für Zeiten von Arbeitslosigkeit werden nicht angerechnet.

Künftig schon mit 62 in Rente

Für künftige Rentenjahrgänge gibt es sogar die Möglichkeit, noch früher als mit 63 Jahren die Altersrente für Langzeitversicherte in Anspruch zu nehmen: Langzeitversicherte, die im November 1949 oder später zur Welt kamen, können schon mit 62 in Rente gehen. Dann sind die Abschläge allerdings größer: Statt 7,2 Prozent sind es 10,8 Prozent weniger Monatsrente.

Für Versicherte, die in dem Zeitraum von Januar 1948 bis Oktober 1949 geboren wurden, gilt eine Übergangsregelung. Die Altersgrenze wird für sie stufenweise vom 63. Lebensjahr auf das 62. Lebensjahr gesenkt. Auch die Abschläge sind abgestuft: Von 7,5 Prozent (für im Januar 1948 Geborene) bis 10,5 Prozent (für im Oktober 1949 Geborene).

Altersrente für Schwerbehinderte

Früher in den Ruhestand wechseln können auch Menschen mit körperlichen oder psychischen Handicaps. 2002 gingen deshalb fast 69 000 Menschen vorzeitig in Altersrente. Noch haben sowohl Schwerbehinderte als auch Berufs- oder Erwerbsunfähige diese Möglichkeit, wenn sie 35 Jahre rentenversichert waren.

Versicherte, die ab 1951 geboren wurden, können diese Rente aber nur noch beanspruchen, wenn sie mindestens zu 50 Prozent schwerbehindert sind.

Ohne Einbuße in den Ruhestand

Schwerbehinderte, die die Rente mit 60 in Anspruch nehmen möchten, müssen Rentenabschläge akzeptieren, je nach Geburtsjahrgang zwischen 0,3 und maximal 10,8 Prozent. Wer diese Abschläge nicht akzeptieren will, muss länger arbeiten.

Schwerbehinderte des Geburtsjahrgangs 1940 waren die letzten, die ohne Abschlag mit 60 Jahren in Rente gehen konnten. Für alle später geborenen Schwerbehinderten wurde die Altersgrenze für die Rente ohne Abschlag in monatlichen Stufen bis zum 63. Lebensjahr angehoben.

Ein Schwerbehinderter, der beispielsweise am 12. Februar 1944 zur Welt kam und mit 60 Jahren am 1. März 2004 in Rente gehen möchte, büßt Monat für Monat 10,8 Prozent Rente ein. Bei 1 000 Euro Rente wären dies immerhin 108 Euro im Monat. Will er diesen Abschlag nicht in Kauf nehmen, kann er erst mit 63, also am 1. März 2007 in Rente gehen.

Für Versicherte, die bis zum 16. November 1950 geboren wurden und am 16. November 2000 schwerbehindert waren, ist allerdings weiterhin eine abschlagfreie Rente mit 60 möglich. Entscheidend ist für sie der Beginn der Schwerbehinderung.

Wer jetzt 55 Jahre alt ist und seit dem 15. November 2000 schwerbehindert, kann mit 60 Jahren ohne Abschlag in Rente gehen. Ist die Schwerbehinderung aber erst am 17. November 2000 eingetreten, kann er nur mit einer monatlichen Einbuße von 10,8 Prozent mit 60 Jahren in Rente gehen.

Altersteilzeit und Arbeitslose

Den von Rentenexperten geforderten „Stopp der Frühverrentung“ will die Bundesregierung auch bei den Arbeitslosen und den Altersteilzeitbeschäftigten vorantreiben.

Noch kann ein Arbeitsloser oder Altersteilzeitler, der 1951 oder früher geboren wurde, mit 60 in Rente gehen. Allerdings muss er in den eineinhalb Jahren vor seinem 60. Geburtstag mindestens 52 Wochen lang arbeitslos gewesen sein. Oder er war vor Vollendung seines 60. Lebensjahres mindestens zwei Jahre in Altersteilzeit beschäftigt.

Zusätzlich muss er mindestens 15 Jahre Versicherungszeit nachweisen. Darin müssen mindestens acht Jahre mit Pflichtbeiträgen enthalten sein, die er in den letzten zehn Jahren vor Rentenbeginn eingezahlt hat.

Außerdem muss der Vorruheständler Rentenabschläge in Kauf nehmen: 0,3 Prozent für jeden Monat, den er vor Vollendung des 65. Lebensjahres in Rente geht. Wird er mit 60 Rentner, also fünf Jahre (60 Monate) früher, bedeutet dies 18 Prozent weniger Rente im Monat (60 Monate à 0,3 Prozent).

Neue Regeln ab Jahrgang 1946

Nach dem Willen der Bundesregierung sollen diese Regelung künftig aber nur noch diejenigen nutzen können, die vor 1946 geboren wurden.

Für die Jahrgänge ab 1946 soll die Altersgrenze für den frühesten Rentenbeginn ab 2006 stufenweise bis auf 63 Jahre angehoben werden. Wer im Januar 1946 geboren wurde, soll seine Altersrente frühestens mit 60 Jahren und einem Monat erhalten können, im Februar 1946 Geborene frühestens mit 60 Jahren und zwei Monaten und so weiter.

Alle, die zwischen Dezember 1948 und Dezember 1951 geboren sind, können erst mit 63 Jahren eine Altersrente wegen Arbeitslosigkeit oder nach Altersteilzeit in Anspruch nehmen. Auch mit Rentenabschlägen geht es nicht früher.

Es gibt jedoch zwei Ausnahmen. Weiterhin mit 60 in Rente gehen kann: 

  • wer vor dem Jahr 1952 geboren wurde und bis zum Ende des Jahres 2003 mit seinem Arbeitgeber bereits einen Altersteilzeitvertrag geschlossen hat,
  • wer bis zum 31. Dezember 2003 die Kündigung von seinem Arbeitgeber bekommen hat und wer am 1. Januar 2004 bereits arbeitslos war. Ein Arbeitnehmer, dem beispielsweise am 15. Januar gekündigt wird, genießt diesen „Vertrauensschutz“ schon nicht mehr. Er kann nicht mit 60 in Rente gehen.

Auch für diejenigen, die künftig erst mit 63 Rente wegen Arbeitslosigkeit oder nach Altersteilzeit in Anspruch nehmen können, bleibt es beim Abschlag von 0,3 Prozent pro vorgezogenen Monat, also maximal 7,2 Prozent bei einem Rentenbeginn mit 63 Jahren.

Versicherte, die nach dem 31. Dezember 1951 geboren wurden, haben schon nach geltendem Recht überhaupt keinen Anspruch mehr auf diese Rentenart. Sie müssen bis 65 warten.

Altersrente für Frauen

Das gilt auch für Frauen, die ab 1952 geboren sind. Sie müssen bis 65 Jahre arbeiten, wenn sie keine andere Rentenart, beispielsweise die für Langzeitversicherte, in Anspruch nehmen können.

Alle vor dem 1. Januar 1952 geborenen Frauen können einen Antrag auf vorzeitige Altersrente für Frauen stellen. Sie müssen allerdings mindestens 60 Jahre alt sein, eine Wartezeit von 15 Jahren erfüllen, und nach ihrem 40. Geburtstag mehr als zehn Jahre Pflichtbeiträge für eine versicherte Beschäftigung oder Tätigkeit gezahlt haben. Kindererziehungszeiten werden angerechnet. Jeder Monat früher in den Ruhestand bedeutet auch für sie 0,3 Prozent weniger Rente.

Bis 1939 geborene Frauen durften ihre Rente ab 60 Jahren noch ohne Abschläge beziehen. Für alle ab 1940 geborenen Frauen wird diese Altersgrenze stufenweise angehoben. Eine vorzeitige Altersrente ist dann mit Abschlägen verbunden. Zwischen 1945 und 1952 geborene Frauen können zwar noch mit 60 Jahren aus Altersgründen aus dem Beruf aussteigen. Sie büßen aber 18 Prozent Rente ein.

Rentenabschläge ausgleichen

Rentenabschläge fallen nicht nur bis zum Ende des 65. Lebensjahres an. Einmal entstanden, bleiben sie für immer.

Allerdings kann ein Versicherter, der vorzeitig in Rente gehen will, die Rentenabschläge vermindern oder ausgleichen. Dafür muss er zahlen. Versicherte, die mindestens 54 Jahre alt sind und vielleicht früher in Rente gehen möchten, sollten sich die Höhe der zusätzlichen Beitragszahlung von ihrem Rentenversicherer ausrechnen lassen.

Die Rechnung ist kompliziert. Doch die Rentenversicherer sind verpflichtet, allen 54-Jährigen und Älteren auf Antrag eine Rentenauskunft zu erteilen, die die künftige Rentenminderung und den zum Ausgleich notwendigen Beitrag enthält, wenn der Versicherte vorzeitig in Rente gehen möchte.

Will beispielsweise ein Langzeitversicherter mit 64 Jahren in Rente gehen, also ein Jahr vor dem regulären Renteneintrittsalter, kostet ihn dies 3,6 Prozent Rentenabschlag. Statt mit einer Monatsrente von zum Beispiel 1 175,85 Euro müsste er also Monat für Monat mit 42,33 Euro weniger auskommen. Das sind 507,96 Euro Verlust im Jahr.

Für Finanztest hat der Verband Deutscher Rentenversicherungsträger den Ausgleichsbetrag für diesen Rentner aus den alten Bundesländern auf 9 578,59 Euro berechnet. Diese Summe müsste der Versicherte in einem Betrag oder in Raten innerhalb von drei Monaten nach der Rentenauskunft zahlen, wenn er mit 64 ohne Abschläge in Rente gehen möchte.

Ausgleichszahlung lohnt sich nicht

Überlegt der Versicherte es sich später anders und arbeitet doch bis 65, bekommt er sein Geld nicht zurück.

Nicht nur aus diesem Grund lohnt sich der Ausgleich von Rentenabschlägen kaum. Bis 2020 summieren sich die Abschläge unseres 2003 in den Ruhestand gewechselten Beispiel-Rentners, bei einer angenommenen jährlichen Rentensteigerung von 1 Prozent, auf 9 963,65 Euro. 9 578,59 Euro hat er gezahlt, um die Abschläge auszugleichen.

Er müsste also fast 17 Jahre Rente beziehen, um diesen Ausgleichsbetrag wiederzubekommen. Besser wäre es, diesen Betrag Gewinn bringend und sicher anzulegen, um unter dem Strich mehr daraus zu machen.

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