Die Rentner müssen in diesem Jahr Kürzungen hinnehmen. 2005 kommen weitere ­­Einschnitte. Es gibt auch künftig Rente – doch das Rentenniveau wird dauerhaft sinken.

2004 müssen Rentner nicht nur eine Nullrunde verkraften. Sie müssen ab 1. April außerdem mehr für die Pflegeversicherung bezahlen. Statt wie bisher die Hälfte des Beitragssatzes von 1,7 Prozent, also 0,85 Prozent, wird der volle Beitragssatz fällig. So will es die Bundesregierung.

Nullrunde und höherer Pflegeversicherungsbeitrag zusammen belasten einen Rentner, der 1 000 Euro Rente bekommt, mit 14,20 Euro im Monat.

Davon entfallen 8,50 Euro auf den höheren Beitrag zur Pflegeversicherung. 5,70 Euro entgehen dem Rentner durch die Nullrunde. Das Bundessozialministerium geht von einer Lohnsteigerung um 0,57 Prozent aus. Den derart gestiegenen Löhnen werden die Renten aber im Jahr 2004 nicht folgen.

Im Gegenzug sollen die Rentner durch die Gesundheitsreform eigentlich von sinkenden Beiträgen zur gesetzlichen Krankenversicherung profitieren. Doch diese Hoffnung der Bundesregierung hat sich bisher nicht erfüllt. Die meisten Kassen machen keine Anstalten, ihren Beitrag zu senken.

Betriebsrentner müssen sogar höhere Krankenkassenbeiträge zahlen. Dies gilt auch für die freiwillig versicherten Rentner: Sie zahlen statt des ermäßigten künftig den höheren allgemeinen Beitragssatz ihrer Kasse auf die gesetzliche Rente.

Ab 2005 müssen sich die Rentner dann auf weitere Einschnitte einstellen:

  • In die Formel für die Berechnung der Rente wird ein so genannter Nachhaltigkeitsfaktor eingefügt. Das trifft auch die bereits laufenden Renten.
  • Abiturienten und Akademiker, die neu in Rente gehen, bekommen weniger. Ab 2005 wird die Anrechnung einer Schul- und Hochschulausbildung auf die Höhe der Rente stufenweise abgeschafft.
  • Rentner mit hohen Renten müssen mehr Steuern zahlen. Denn ab 2005 werden die Rentenbeiträge der Arbeitnehmer schrittweise von der Steuer freigestellt. Im Gegenzug soll der steuerpflichtige Teil der Rente kontinuierlich steigen. Das trifft dann neue und laufende Renten. Ab 2040 soll die gesamte Rente steuerpflichtig sein.

Nachhaltig weniger Rente

Der Nachhaltigkeitsfaktor berücksichtigt das Verhältnis zwischen der Zahl der Rentner und der Zahl der Beitragszahler: Gibt es mehr Beitragszahler, führt er zu höheren Rentensteigerungen. Gibt es mehr Rentner, werden die Steigerungen der Renten geringer.

Sinkt die Zahl der Erwerbstätigen, etwa im Zuge einer Wirtschaftskrise oder durch niedrigere Geburtenraten, dann bekommen dies also auch die Rentner kräftig zu spüren.

Ein Rentner, der 2003 1 170 Euro Rente erhielt, könnte nach derzeitigem Recht 2015 bei einer angenommenen jährlichen Inflationsrate von 1,5 Prozent mit 1 274 Euro Rente im Monat rechnen. Der neue Nachhaltigkeitsfaktor wird diesen Betrag auf etwa 1 251 Euro drücken.

Nach den Berechnungen der Rürup-Kommission, die die Bundesregierung beraten hat, fällt das Rentenniveau von 48 Prozent der Bruttoentgelte der Erwerbstätigen im Jahr 2003 auf 44,5 Prozent im Jahr 2015. 2030 soll das Bruttorentenniveau dann nur noch 40 Prozent betragen.

Kein Rentenplus fürs Studium

Studium und Schulbesuch nach Vollendung des 17. Lebensjahrs werden ab 2005 stufenweise nicht mehr rentensteigernd berücksichtigt. Bisher werden drei Ausbildungsjahre so gewertet, dass sie die monatliche Rente um bis zu 59 Euro im Monat erhöhen.

Für alle, die ab 2005 in Rente gehen, verringert sich diese Summe. Bei Rentenbeginn im Februar 2005 ist dies noch wenig spürbar. Schul- und Studienzeit bringen noch ein Rentenplus von maximal 57,60 Euro im Monat.

Dann wird es schrittweise Monat für Monat immer weniger. Bei allen, die beispielsweise im Februar 2007 in Rente gehen, sind es maximal 28,13 Euro. Und alle, die sich ab Januar 2009 zur Ruhe setzen, bekommen für ihre Schul- und Studienzeit gar keinen Aufschlag mehr bei der Rente.

Steuern auf die Rente

Ebenfalls schrittweise ab 2005 sollen Empfänger hoher Renten mehr Steuern zahlen. Derzeit sind 27 Prozent der Rente steuerpflichtig, wenn sie ab dem 65. Lebensjahr gezahlt wird. Dieser Anteil soll 2005 auf 50 Prozent erhöht werden, steht in einem Gesetzentwurf des Bundesfinanzministeriums.

Die meisten werden aber auch dann nichts ans Finanzamt zahlen, weil ihre Rente gar nicht die Freibeträge übersteigt, die zunächst abgezogen werden. Spürbar steigen wird die Steuerbelastung aber für Empfänger hoher Renten.

Derzeit zahlen Rentner-Ehepaare nur dann Einkommensteuer, wenn ihre gemeinsam veranlagte Rente jährlich 35 000 Euro übersteigt. Dies gilt für 3,5 Prozent aller Rentner-Ehepaare. Ihre durchschnittliche Steuerbelastung beträgt nach Berechnungen des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) zurzeit rund 200 Euro im Jahr. Ab 2005 steigt diese Steuerbelastung laut RWI auf fast 2 000 Euro jährlich.

Stopp der Frühverrentung

Bei Arbeitslosen und bei Altersteilzeitbeschäftigten macht die Bundesregierung Ernst mit dem Ende der Frühverrentung. Ab 2006 soll die Altersgrenze, ab der sie in Rente gehen können, stufenweise von derzeit 60 auf 63 Jahre angehoben werden.

Dies ist nicht mehr als ein Signal, um die Menschen auf eine generell längere Lebensarbeitszeit einzustimmen. Für die langfristige Stabilisierung der Rentenfinanzen bringt es keine Vorteile.

Im Gegenteil: Es verteuert den Rentenversicherungsbeitrag ab 2030 um 0,1 Prozentpunkt. Denn wer mit 63 Jahren in Rente geht, muss nur einen Abschlag von 7,2 Prozent in Kauf nehmen. Bei einem Rentenbeginn mit 60 sind es 18 Prozent. Die Rente wegen Arbeitslosigkeit und nach Altersteilzeit beginnt zwar später, fällt aber deutlich höher aus. Das bringt daher langfristig keine Entlastung für die Rentenfinanzen.

Kaum kalkulierbar

Angesichts immer neuer Eingriffe in die Rente kann ein Versicherter kaum kalkulieren, wie viel Geld er aus der gesetzlichen Versicherung erwarten kann.

Dies sagen auch die Finanztest-Leser. 172 Antworten haben wir auf unseren Leseraufruf zur Rente bekommen. Nur bei 24 Prozent dieser Leser entsprach die Rentenanwartschaft, die ihnen vom Rentenversicherungsträger in der Renteninformation oder -auskunft genannt wurde, ihren Erwartungen.

Dagegen schrieben uns 68 Prozent, ihre Rentenanwartschaft sei geringer oder viel geringer, als sie erwartet hatten. Bei 7 Prozent war die Rentenanwartschaft höher als erwartet.

Finanztest wird weiter über die gesetzliche Rente informieren.

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