Interview: Mehr Durchblick bei der Rente

Gesetzliche Rentenversicherung Meldung

Klaus Michaelis, BfA-Direktor

Die Rentenversicherer wollen Renteninformation und Rentenauskunft ver­bessern. So wollen sie künftig deutlicher darauf hinweisen, dass die in der ­Renteninfo ­ausgewiesene Rente bei Rentenbeginn mit 65 Jahren „nur eine ­modellhafte Hochrechnung“ sein kann, sagt Klaus Michaelis, Direktor der Bundesversicherungsanstalt für Angestellte (BfA). Doch auch für junge Versicherte, die erst in 30 oder mehr Jahren Rentner sind, sei sie eine „Orientierungshilfe“.

Finanztest: Reichen die Angaben in der Renteninformation, damit der Versicherte seine private Altersvorsorge über einen langen Zeitraum planen kann?

Michaelis: Bei allen Angaben muss die Wirkung der Inflation berücksichtigt werden. Derzeit geschieht das nicht.

Allerdings müssten auch die privaten Versicherungsgesellschaften den Kaufkraftverlust in ihre Rechnungen einbeziehen. Sie sagen ihren Kunden, wie hoch die Ansprüche aus einer privaten Rentenversicherung sind. Aber sie sagen nicht, was diese Summe bei Rentenbeginn und am Ende der Rentenlaufzeit wert ist.

In der gesetzlichen, der privaten und der betrieblichen Altersvorsorge müssen die Versicherten nach einheitlichem Standard und in einheitlicher Form über ihre jeweiligen Ansprüche informiert werden. Die gesetzlichen Rentenversicherer wollen dies so und sprechen darüber derzeit mit der privaten Versicherungswirtschaft.

So muss beispielsweise ein 50-Jähriger erfahren, wie viel er von jeder der drei Formen der Altersvorsorge erwarten kann – jetzt, bei Rentenbeginn in 15 Jahren und am Ende der Rentenlaufzeit, also in etwa 35 Jahren.

Diese letzte Information wäre neu in der Renteninformation. So hat der Versicherte einen Gesamtüberblick, der auch die unterschiedlichsten Steigerungsraten der Versorgungsanrechte je nach Form der Altersvorsorge berücksichtigt.

Finanztest: Auch bei der Rentenauskunft, die Versicherte ab 54 Jahre bekommen und die es schon sehr viel länger gibt als die Renteninformation, planen Sie Änderungen. Was wollen Sie anders machen?

Michaelis: Derzeit weist die Rentenauskunft die aktuelle Rentenantwartschaft aus, macht aber anders als die Renteninformation keine Hochrechnung für die Zukunft. Der Versicherte erfährt nicht, wie hoch seine Rente voraussichtlich sein wird, wenn er tatsächlich in den Ruhestand geht. Im Lauf dieses Jahres wollen wir die Rentenauskunft so ändern, dass der Versicherte darüber informiert wird.

Finanztest: Die geplante Rentenreform wirft viele Ihrer Annahmen über den Haufen. Zum Beispiel sollen sich Ausbildungszeiten nicht mehr rentensteigernd auswirken. Ein Versicherter, der 2002 erstmals eine Renteninformation erhalten hat, kann sie jetzt wegwerfen, oder?

Michaelis: Auch wenn es immer wieder Anpassungen des Rentenrechts an die sich ändernden wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Verhältnisse geben wird, kann der Versicherte gerade durch den Vergleich mit früheren Renteninformationen die Auswirkungen einer Reform auf seine persönliche Rentenanwartschaft erkennen. Die Renteninformation verbessert die Transparenz für die Versicherten.

Von der geplanten Streichung der bewerteten Schul- und Hochschulzeit wird jeder fünfte Versicherte betroffen sein; vier Fünftel werden hierdurch keine Einbußen erleiden.

Dieser Artikel ist hilfreich. 3638 Nutzer finden das hilfreich.