Gesetzliche Rente Special

Finanz-Check. Wer seinen Ruhe­stand plant, sollte nicht mit den Bruttozahlen kalkulieren.

Auch Rentner müssen für Kranken- und Pflege­versicherung zahlen. Die Abzüge sollte jeder einplanen, vor allem wer über eine Frührente nach­denkt.

Das Angebot ist verlockend: Wer 45 Jahre lang in die Rentenkasse einge­zahlt hat, darf ab 63 in den Ruhe­stand gehen. Er kann die neue abschlags­freie „Rente mit 63“ bekommen. Kann ich mir das über­haupt leisten? Das werden sich viele fragen.

Auch andere wollen wissen, womit sie rechnen können. Die Renten­information gibt Auskunft. In dem Schreiben klärt die Deutsche Renten­versicherung individuell über erworbene Ansprüche auf. Allerdings: Sie nennt Brutto­werte. Tatsäch­lich steht Rentnern weniger Geld zur Verfügung als sie beim ersten Blick erwarten.

Netto deutlich weniger

Gesetzliche Rente Special

Nach­rechnen. Die Sozial­abgaben belasten das Budget im Alter.

Was vielen nicht klar ist: Auch Rentner müssen Beiträge für die Kranken- und Pflege­versicherung zahlen, wenn sie nebenbei jobben eventuell noch für die Renten- und Arbeits­losen­versicherung.

Die meisten Ruhe­ständler sind gesetzlich kranken­versichert. Wie viel Beitrag jeder zahlt, hängt von der Art und Höhe des Einkommens ab. Sozial­abgaben fallen sowohl für die gesetzliche Rente als auch für Versorgungs­bezüge wie eine Betriebs­rente an. Es kann sogar sein, dass für Miet­einkünfte und eine Riester-Rente zu zahlen ist.

Beispiel: Erwartet ein angehender Frührentner 1 400 Euro gesetzliche Rente und 360 Euro aus betrieblicher Alters­vorsorge, stehen ihm von den 1 760 Euro Bruttorenten netto nur etwas mehr als 1 550 Euro zur Verfügung Mit diesen Abzügen müssen Sie rechnen. Gut möglich, dass er für sein Einkommen noch zusätzlich Steuern zahlen muss. Das ermittelt das Finanz­amt unabhängig davon, ob Sozial­abgaben anfallen.

Geld für die Krankenkasse

Von der gesetzlichen Rente verlieren Ruhe­ständler derzeit jeden Monat rund 10 Prozent: Sie zahlen etwas mehr als 2 Prozent für die gesetzliche Pflege­versicherung und 8,2 Prozent für die gesetzliche Kranken­versicherung Tabelle: Sozialabgaben.

Der Krankenkassenbeitrag liegt zwar deutlich höher – derzeit 15,5 Prozent –, doch die Renten­versicherung zahlt Ruhe­ständ­lern einen Zuschuss. Sie über­nimmt einen Teil, zurzeit 7,3 Prozent der Rente. Die Sozial­abgaben zieht sie von den Brutto­ansprüchen ab und über­weist dem Rentner den Rest. Die Abzüge werden für die komplette Alters­rente fällig – auch für die zusätzlichen Ansprüche, von denen seit kurzem vor allem Mütter erwachsener Kinder profitieren. Seit Juli wird die Erziehung von vor 1992 geborenen Kindern bei der Rente besser honoriert.

Dickes Minus bei Betriebs­renten

Besonders groß sind die Abzüge bei Leistungen aus einer betrieblichen Alters­vorsorge und anderen Versorgungs­bezügen. Für die Sozial­abgaben zahlt die Rentenkasse keinen Zuschuss. Wer aus einer über den Arbeit­geber abge­schlossenen Direkt­versicherung eine Rente bezieht, muss 15,5 Prozent für die Kranken- und gut 2 Prozent für die Pflege­versicherung allein aufbringen.

Pflicht­versicherte sparen Abgaben

Darüber hinaus werden für die meisten Rentner keine Sozial­abgaben fällig. Das gilt für alle, die in der gesetzlichen Kranken­versicherung der Rentner (KVdR) pflicht­versichert sind. Pflicht ist hier also von Vorteil. Für sie sind Zusatz­einnahmen wie zum Beispiel Kapital­einkünfte abgabenfrei. Nur wenn sie nebenher arbeiten, können weitere Abzüge auf sie zukommen.

„Um den Sprung in die KVdR zu schaffen, müssen Rentner grund­sätzlich zwei Bedingungen erfüllen“, erklärt Yvonne Zillner, Referentin für Mitglied­schafts- und Beitrags­recht beim BKK-Dach­verband. „Sie haben Anspruch auf eine Rente aus der gesetzlichen Renten­versicherung. Und sie waren in der zweiten Hälfte ihres Arbeits­lebens zu mindestens 90 Prozent der Zeit in einer gesetzlichen Krankenkasse versichert.“

Die sogenannte Vorversicherungs­zeit ist erfüllt, wenn ein ehemaliger Arbeitnehmer oder auch ein Selbst­ständiger entsprechend lange Mitglied einer gesetzlichen Krankenkasse war. Es spielt keine Rolle, ob jemand in dieser Zeit Pflicht­mitglied oder freiwil­lig versichert war. „Aber auch die Zeiten, in denen ein Ehepartner – meist die Frau – über den Partner familien­versichert war, werden ange­rechnet“, sagt Yvonne Zillner.

Nicht alle schaffen den Sprung

Für viele ist es kein Problem, in die KVdR zu kommen. Zum Hindernis können die Voraus­setzungen zum Beispiel werden, wenn jemand lange privat kranken­versichert war. Auch wenn er ein paar Jahre vor Renten­beginn in eine gesetzliche Kasse zurück­gekehrt ist, wird sie genau prüfen, ob er die Vorversicherungs­zeit erreicht.

Erfüllen gesetzlich Kranken­versicherte nicht die Bedingungen für die Pflicht­versicherung in der KVdR, bleibt ihnen nur, sich als Rentner freiwil­lig in einer Kasse zu versichern. Wenn sie zuletzt im Berufs­leben gesetzlich versichert waren, gehören sie auch im Ruhe­stand in die gesetzliche Kranken­versicherung – nicht in die private.

Für freiwil­lig Versicherte kann es aber deutlich teurer werden als für Pflicht­versicherte. Sie müssen für mehr Einnahme­arten Sozial­abgaben zahlen. Bei ihnen berück­sichtigt die Krankenkasse bis zur Grenze von derzeit 4 050 Euro im Monat alle Einnahmen, die ihnen für den Lebens­unterhalt zur Verfügung stehen.

Neben der gesetzlichen und der Betriebs­rente zieht sie zum Beispiel auch Miet- und Kapital­einkünfte oder Auszahlung aus der Kapital­lebens­versicherung heran Tabelle: Sozialabgaben. Sogar das Einkommen des Ehepart­ners zählt, wenn dieser privat versichert ist.

Ein kleiner Trost: Für solche Einnahmen gilt bei freiwil­lig versicherten Rentnern nicht der allgemeine Beitrags­satz von 15,5 Prozent für die Krankenkasse, sondern der verminderte Satz von 14,9 Prozent. Eins dürfen sie allerdings nicht vergessen: bei der Rentenkasse den Zuschuss für den Krankenkassenbeitrag für die Alters­rente beantragen. Pflicht­versicherte bekommen ihn auto­matisch.

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