Gesetzliche Rente Noch bis Dezember günstig einzahlen

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Gesetzliche Rente - Noch bis Dezember günstig einzahlen
© Getty Images / Jose Luis Pelaez

2022 ist ein gutes Jahr, um die gesetzliche Rente aufzusto­cken. Zusätzliche Einzahlungen lohnen sich. Wir sagen, wer aufstocken kann und wie es geht.

Abschläge ausgleichen und Rente erhöhen

Zusätzliche Einzahlungen in die gesetzliche Renten­versicherung lohnen sich dieses Jahr besonders. Für 7 236 Euro schreibt die Rentenkasse Versicherten, die Abschläge bei einer Frührente ausgleichen, einen Entgelt­punkt auf Ihrem Renten­konto gut.

Im Jahr 2021 waren für einen Entgelt­punkt noch 7 727 Euro fällig – fast 500 Euro mehr (siehe Grafik unten). Auch ab 2023 müssen Versicherte für einen Entgelt­punkt wieder tiefer in die Tasche greifen: nach unseren vorläufigen Berechnungen sind es rund 8 000 Euro. Ein Entgelt­punkt entspricht derzeit monatlichen Renten­ansprüchen von 36,02 Euro. Renten­sprüche erhöhen sich mit jeder Renten­erhöhung und bieten damit auch einen gewissen Inflations­schutz.

Gesetzliche Rente - Noch bis Dezember günstig einzahlen
© Stiftung Warentest / René Reichelt

Renten­versicherte ab 50 können profitieren

Ausgleichs­zahlungen kommen für alle Renten­versicherten ab einem Alter von 50 Jahren infrage, wenn sie vor ihrem regulären Renten­start auf mindestens 35 Versicherungs­jahre kommen. Neben Zeiten der versicherungs­pflichtigen Beschäftigung zählen unter anderem auch Zeiten der Kinder­erziehung oder des Bezugs von Kranken- oder Arbeits­losengeld 1 dazu.

Unser Rat

Auskunft beantragen.
Sind Sie an Ausgleichs­zahlungen interes­siert, beantragen Sie möglichst zeit­nah mit Formular­vordruck V0210 bei der gesetzlichen Rentenversicherung eine Auskunft, für wie viele zusätzliche Entgelt­punkte Sie Ausgleichs­zahlungen leisten können und wie hoch der Betrag dafür ist. Die Mitarbeiter der Renten­versicherung beraten Sie kostenlos.
Rat einholen.
Wollen Sie viel Geld investieren, kann zusätzlicher Rat von Lohn­steuer­hilfe­ver­einen, Steuerberate­rinnen oder unabhängigen Rentenberatern sinn­voll sein. Erkundigen Sie sich im Vorfeld immer nach deren Beratungs­kosten.

Früher in Rente nur mit Abschlägen

Der Gesetz­geber wollte mit Ausgleichs­zahlungen Versicherten die Möglich­keit eröffnen, Rentenkür­zungen durch zusätzliche Einzahlungen wieder auszugleichen. Solche Rentenkür­zungen – Abschläge genannt – können bei einem vorzeitigen Renten­start anfallen.

Wichtig: Das Geld, das Versicherte zusätzlich einzahlen, um Abschläge auszugleichen, bekommen sie nicht mehr zurück. Auch nicht, wenn sie sich später entscheiden, doch nicht früher in Rente zu gehen. Verloren ist das Geld aber nicht. Die zusätzlichen Entgelt­punkte erhöhen dann ihre Regel­alters­rente entsprechend.

Mit der Einzahlung treffen Versicherte also noch keine Entscheidung, wann sie tatsäch­lich in Rente gehen; fest steht nur, dass sie ihre Rente erhöhen.

Tipp: Alle wichtigen Informationen zu einem früheren Renten­beginn finden Sie in unserem Special Früher in Rente

Beispiel Abschlags­ausgleich

Eine Arbeitnehmerin aus Düssel­dorf, 1964 geboren, möchte mit 63 ihre Alters­rente beziehen. Das sind vier Jahre vor ihrem regulären Renten­beginn. Mit 63 Jahren kommt sie voraus­sicht­lich auf insgesamt 40 Entgelt­punkte. Das entspricht nach derzeitigen Werten einer Rente von 1 441 Euro im Monat.

Aufgrund des frühen Renten­starts büßt sie aber 5,7600 Entgelt­punkte ein. Nach derzeitigen Werten fällt ihre Rente dadurch 207,48 Euro monatlich nied­riger aus. Will sie die Rentenkür­zung vermeiden, muss sie für 5,7600 Entgelt­punkte Geld an die Renten­versicherung über­weisen:

  • 2021 wurden dafür 51 992 Euro fällig,
  • 2022 sind es 48 688 Euro und
  • 2023 muss sie nach unseren vorläufigen Berechnungen dafür um die 54 000 Euro einzahlen.

Güns­tige Bedingungen bis Ende Dezember

Wie viel ein Entgelt­punkt wert ist, hängt stark mit der allgemeinen Lohn­entwick­lung zusammen. Grob zusammengefasst: Steigen die Löhne, steigt der Wert eines Entgelt­punkts und Versicherte müssen mehr für einen Entgelt­punkt auf ihrem Renten­konto einzahlen.

Aufgrund der verhaltenen Lohn­entwick­lung während der Corona-Pandemie haben Renten­statistiker das Durch­schnitts­entgelt für 2022 nied­riger als 2021 einge­schätzt. Endgültig fest steht es noch nicht. Für zusätzliche Entgelt­punkte zum Abschlags­ausgleich gelten aber die vorläufigen Werte noch bis Ende des Jahres. Für Einzahlungen, die ab 2023 die Rentenkasse erreichen, gelten dann neue Bedingungen.

Steuer­vorteile nutzen

Versicherte, die Ausgleichs­zahlungen leisten, können diese teils steuerlich geltend machen. 2022 können Allein­stehende bis zu 25 639 Euro für ihre Alters­vorsorge mit dem Finanz­amt abrechnen, Ehepaare das Doppelte. 94 Prozent davon können sie ansetzen – Allein­stehende 24 101 Euro.

Allerdings zählen bei Arbeitnehme­rinnen und Arbeitnehmern die Renten­pflicht­beiträge, die der Arbeit­geber an die Rentenkasse abführt, bereits auto­matisch als Vorsorgeaufwendungen. Das verringert den Spielraum für Steuer­vorteile deutlich.

Gesetzliche Rente wird besteuert

Den Steuer­vorteilen während des Berufs­lebens steht die Besteuerung der gesetzlichen Rente im Ruhe­stand gegen­über. Vorsorgesparende sollten das in ihre Über­legungen mit einbeziehen. Allerdings ist der durch­schnitt­liche Steu­ersatz von Rentne­rinnen und Rentnern meist deutlich nied­riger als im Berufs­leben.

Bei gesetzlich kranken­versicherten Rentnern gehen neben den Steuern auch Beiträge für die gesetzliche Kranken- und Pflege­versicherung ab.

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Profilbild Stiftung_Warentest am 20.09.2022 um 17:39 Uhr
Erklärung der Beispielrechnung

@Hardy99: 5,7600 Entgeltpunkte beschreiben die Minderung an persönlichen Entgeltpunkten, die einen Abschlag von 14,4 % (Faktor = 0,856) beinhalten.
Will man den Beitragsaufwand zum Ausgleich der Abschläge ermitteln, muss man die Entgeltpunkte vor bzw. ohne Abschlag zugrunde legen. Im Beispiel betragen die Entgeltpunkte ohne Abschlag 6,7290. Sie werden ermittelt, indem man 5,7600 durch 0,856 teilt.

Um den Beitragsaufwand zum Ausgleich der Abschläge zu berechnen, multipliziert man die Entgeltpunkte ohne Abschlag mit dem Wert eines Entgeltpunktes, also hier:
6,7290 x 7.235,5860 € = 48.688 €.

Dieser Betrag ist aufzuwenden, um die Rentenminderung im Beispiel infolge des Abschlags in Höhe von 14,4 % auszugleichen.

Profilbild Stiftung_Warentest am 19.09.2022 um 09:30 Uhr
Zuverdienst ab 2023 / geplante Änderungen

@20FM19: Die Bundesregierung hat in einem Gesetzesentwurf für das 8. SGB IV-Änderungsgesetz den Wegfall der Hinzuverdienstgrenze bei vorgezogenen Altersrenten ab 1. Januar 2023 vorgeschlagen. Bei Erwerbsminderungsrenten sollen die Hinzuverdienstgrenzen deutlich angehoben werden.
www.bundesregierung.de/breg-de/bundesregierung/bundeskanzleramt/hinzuverdienste-fuer-rentner-2080952

Hardy99 am 18.09.2022 um 18:22 Uhr
Rechenfehler im Beispiel?

z.B. für 2022: 5,76*7236=41.679,36 Euro statt 48.688 Euro

20FM19 am 17.09.2022 um 13:17 Uhr
Zuverdienst ab 2023

Gemäß Ihrem "Rechner" zum Hinzuverdienst bei Frührentnern (also ab 63 Jahren) ist dieser ab 2023 wieder auf 6300 € begrenzt. Hat sich das mittlerweile geändert? Ist eine Verlängerung der vorübergehenden Erhöhung für 2023 in Sicht? Danke schon mal für eine Antwort.

Profilbild Stiftung_Warentest am 15.09.2022 um 12:01 Uhr
Rendite / lebenslange Leistung

@Willi.2000: Wichtig ist, dass Sie sich entscheiden, was Ihr Sparziel sein soll. Suchen Sie eine Altersvorsorge, die auch dann die Rente weiter bezahlt, wenn Sie sehr, sehr alt werden, haben Sie die Wahl zwischen der zusätzlichen Einzahlung in die gesetzliche Rentenversicherung und dem Kauf einer privaten oder betrieblichen Rentenversicherung mit lebenslanger Leistung.

Suchen Sie eine Geldanlage, die auch eine Rendite erwirtschaftet, wenn Sie fünf oder 10 Jahre nach Rentenbeginn versterben (oder sehr spät in Rente gehen), sollten Sie Ihr Geld in eine andere Vorsorgeform stecken. Für wen die Rendite im Vordergrund steht, kann mithilfe eines ETF-Sparplanes und der Pantoffel-Strategie von Finanztest, versuchen am Wachstum an der Börse teilzuhaben:
www.test.de/pantoffelmethode