„Unternehmen müssen umdenken“

Professorin Büsch leitet das „Silver Workers Research Institute“ der SRH Hoch­schule Berlin.

Professorin Victoria Büsch forscht seit vielen Jahren zu der Erwerbs­tätig­keit älterer Menschen. Mit dem Bundes­institut für Bevölkerungs­forschung untersuchte sie die „Weiterbeschäftigung im Renten­alter“.

Warum arbeiten Menschen über das Renten­alter hinaus?

Unsere Unter­suchungen haben gezeigt, dass die Motivationen häufig „fit bleiben“, „Spaß bei der Arbeit“ und „Weitergabe von Wissen“  sind. Der finanzielle Aspekt lässt sich vor allem bei Menschen mit sehr nied­rigen Einkommen erkennen, bei ihnen ist die Bereitschaft für eine Beschäftigung im Renten­alter am stärksten ausgeprägt.

Wollen viele Menschen länger arbeiten?

Es hat uns über­rascht: Rund 50 Prozent der älteren Erwerbs­tätigen können sich vorstellen, über das Renten­eintritts­alter hinaus zu arbeiten. Männer etwas häufiger als Frauen. Das geht durch alle Berufe. Wir haben fest­gestellt: Je kleiner das Unternehmen ist, umso eher haben die Menschen die Neigung, länger zu arbeiten.

Gibt es bestimmte Anforderungen, die Arbeitnehmer im Renten­alter stellen?

Viele äußern den Wunsch, Teil­zeit und flexibel zu arbeiten.

Sind die Unternehmen darauf einge­stellt?

Da müssen die Unternehmen jetzt umdenken. Jahre­lang ging es eher um Vorruhestands­regelungen und Früh­verrentungen und nun kommen da Arbeitnehmer, die länger arbeiten wollen. Da sind viele Unternehmen noch nicht so weit. Es gibt bei größeren Unternehmen jedoch Pilot­projekte, die gut laufen.

Was sind das für Projekte?

Da geht es oft vor allem darum, das Wissen der älteren Arbeitnehmer im Unternehmen zu halten. Häufig bedenken die Unternehmen zu spät, dass mit den Mitarbeitern auch viel Wissen das Unternehmen verlässt. Plötzlich ist niemand mehr da, der sich mit der älteren Software oder älteren Maschinen auskennt. Da unterstützen die Älteren dann die Jüngeren.

Wird das Thema „Arbeiten im Alter“ in Zukunft wichtiger?

Ja. Wenn in den nächsten Jahren die geburten­starken Jahr­gänge das Renten­alter erreichen, wird das verstärkt kommen. Von den Akademikern hat ein Drittel keine Kinder und damit auch keine Enkel­kinder. Da sind andere Modelle für den Ruhe­stand gefragt, wenn das klassische Modell Familie wegfällt. Entscheidend sind da auch neue Alters­bilder: „Alte gehören aufs Abstell­gleis“ gilt heute nicht mehr.

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