Gesetzliche Rente Meldung

Jahrgang 1945. Wer seine Kindheit in den Trümmern der Nachkriegszeit verbrachte, kann noch mit einer guten Rendite rechnen.

Die Versicherten bekommen auch künftig mehr Rente, als sie an Beiträgen geleistet haben. ­Finanztest hat nachgerechnet: Die Renditen der Renten fallen zwar, doch sie bleiben positiv.

Die gesetzliche Rente ist sicher. Sie ist so sicher, dass sogar ein weit in der Zukunft liegender Anspruch auf Rente gepfändet werden kann. Das entschied der Bundesgerichtshof (Az. IX ZB 85/02).

Der 47-jährige Mann, um dessen Rente es ging, konnte seine Schulden nicht begleichen. Die Richter entschieden, dass nicht nur laufende Geldleistungen wie ­Arbeitseinkommen gepfändet werden können. Falls das nicht ausreicht, um die Forderungen der Gläubiger zu erfüllen, ist auch der Zugriff auf künftige Rentenansprüche möglich. Denn eine künftige Rente könne nicht „nur mit bloßen Erwartungen und Hoffnungen gleichgestellt“ werden. Nicht nur Politiker, auch höchste Richter beruhigen uns also: Selbstverständlich ist die Rente sicher.

Sicher ist allerdings nur, dass jedem Versicherten später eine Rente gezahlt wird. Doch wie hoch sie sein wird, ist ungewiss. Das Rentenniveau wird dauerhaft sinken. Denn immer weniger Beschäftigte müssen mit ihren Beiträgen die Renten einer wachsenden Zahl von Ruheständlern bezahlen. Derzeit beträgt das Bruttorentenniveau – also das Verhältnis der Rente vor Abzug von Steuern und Sozialbeiträgen zum durchschnittlichen Bruttoeinkommen – rund 48 Prozent. 2030 sollen es laut Alterssicherungsbericht der Bundesregierung nur noch 40 Prozent sein. Das gilt für ­einen Modellrentner, der 45 Jahre lang durchschnittlich verdient und entsprechend Beiträge gezahlt hat.

Angesichts des sinkenden Rentenniveaus machen sich viele Menschen Sorgen, ob sie auf ihre Beiträge überhaupt noch eine ­Verzinsung bekommen. Angeheizt werden diese Sorgen durch Studien, die sogar ­Negativrenditen prophezeien.

Finanztest hat nachgerechnet und festgestellt: Die nominalen Renditen werden drastisch sinken, doch sie bleiben nach derzeitigem Rentenrecht voraussichtlich immer positiv für alle, die bis 2070 in ­Rente gehen.

So weit in die Zukunft zu schauen ist ­jedoch sehr problematisch. Dann wie stark die Beiträge steigen und wie hoch die ­Rente sein wird, hängt nicht allein von der Bevölkerungsentwicklung, sondern entscheidend von der wirtschaftlichen Entwicklung ab. Denn wenn die Wirtschaft brummt und die Löhne steigen, können auch die Rentner mit mehr Geld rechnen. Stagnieren die Löhne, gibt es keine Rentenerhöhungen.

Weil weit in die Zukunft reichende Prognosen sehr unsicher sind, beschränken wir uns in unseren Tabellen auf einen relativ überschaubaren Zeitraum. Wir stellen die Renditen dar für die Geburtsjahrgänge 1940, 1945, 1955 und 1965.

Dabei haben wir drei unterschiedliche Rechenvarianten verglichen:

  • Die Rendite auf 80 Prozent des gesamten Rentenbeitrags, also Arbeitnehmer- und Arbeitgeberanteil (Tabelle „80 Prozent vom Rentenbeitrag“).
  • Die Rendite nur auf den Arbeitnehmeranteil des Rentenbeitrags (Tabelle „Rendite nur auf den Arbeitnehmeranteil“)
  • Die Rendite auf den gesamten Rentenbeitrag (Arbeitnehmer- und Arbeitgeberanteil, siehe Tabelle „Rendite auf den gesamten Beitrag“).

Rente ist kein Sparprodukt

Gesetzliche Rente Meldung

Jahrgang 1955. Familienausflug ins Grüne. Die Kinder von damals müssen mit sinkenden Renditen bei ihrer Rente rechnen.

Die Rentenversicherer berücksichtigen bei ihrer Renditerechnung nur 80 Prozent vom Beitrag für die Finanzierung der Alters­rente. Denn die restlichen 20 Prozent dienen nach ihren Angaben zur Absicherung von Hinterbliebenen sowie des Risikos der Erwerbsminderung und der Finanzierung von Rehabilitationsleistungen.

Sicher ist die gesetzliche Rente kein ­bloßes Sparprodukt, sondern Altersvorsorge plus Versicherung der drei genannten Risiken. Doch wie viel von dem Beitrag für Hinterbliebenenabsicherung, Erwerbsminderungsschutz und Rehaleistungen abgezweigt wird, ist umstritten. „Die genaue Abgrenzung des auf diese Risiken entfallenden Beitragsanteils ist nicht eindeutig bestimmbar“, stellt der Sozialbeirat, der die Bundesregierung berät, lapidar fest.

Der einzelne Versicherte will dies womöglich auch gar nicht so genau wissen. Ihn interessiert vor allem, wie viel Rente er für seine Beiträge einmal bekommen wird.

Der Beitragssatz beträgt zurzeit 19,5 Prozent des Bruttolohns. Davon zahlt die eine Hälfte der Arbeitnehmer, die andere der Arbeitgeber. Bezogen auf ihren eigenen Beitragsanteil hat etwa eine Frau, die 45 Jahre Beiträge bezahlt, immer durchschnittlich verdient hat und 2005 mit 65 Jahren in Rente gegangen ist, ein gutes Geschäft gemacht. Mit 5,7 Prozent nach Steuern hat sich ihr Arbeitnehmeranteil verzinst. Hat sie nur 40 Jahre Beiträge ­gezahlt, beträgt die Rendite auf den Arbeitnehmeranteil immerhin noch 5,6 Prozent.

Halber Beitrag vom Arbeitgeber

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Jahrgang 1965. Urlaubsfreuden mit den Eltern in den Sechzigern. Eine maue Rendite im Alter.

Doch die andere Beitragshälfte, die vom Arbeitgeber getragen wird, gilt als fester Bestandteil des Lohns. Deshalb ist es auch sinnvoll, die Rendite auf den gesamten Beitrag zu betrachten. Diese Rechnung gilt unter bestimmten Bedingungen auch für freiwillig Versicherte und für pflicht­versicherte Selbstständige, beispielsweise Handwerksmeister. Vorausgesetzt sie zahlen nicht den so genannten Regelbeitrag, sondern 19,5 Prozent ihres tatsächlichen Einkommens. Freiwillig Versicherte und pflichtversicherte Selbstständige zahlen den gesamten Beitrag selbst.

Weil Frauen im Durchschnitt länger ­leben als Männer, bekommen sie auch länger Rente. Deshalb ist ihre Rendite höher.

Bei verheirateten Männern ist die Verzinsung ihrer Beiträge in etwa so hoch wie die Rendite bei Frauen, wenn sich nach ­ihrem Tod eine Hinterbliebenenrente für die Witwe anschließt.

Eine Frau mit 45 Beitragsjahren, die 2005 mit 65 Jahren in Rente gegangen ist, erhält bezogen auf den Gesamtbeitrag nach Steuern eine Rendite von 3,7 Prozent (siehe Tabelle „Rendite auf den gesamten Beitrag“). Bei einem gleichaltrigen ledigen Mann sind es 3,2 Prozent.

Doch die Renditen werden für spätere Jahrgänge stark sinken. Eine Frau des Jahrgangs 1965 kann nur mit einer Rendite von 1,9 Prozent rechnen. Ein gleichaltriger Mann kommt auf maue 1,3 Prozent.

Rente ohne Abschlag erst mit 67

Geringer wird die Rendite, wenn er nur 40 Beitragsjahre vorweisen kann. Hat der jetzt 41-jährige Mann bis zum 25. Lebensjahr studiert, zahlt dann 40 Jahre Beiträge und geht mit 65 Jahren in Rente, verzinst sich der Beitrag nur mit 1 Prozent. Der Grund für die geringere Verzinsung ist nicht nur die geringere Zahl von Beitragsjahren. Er muss auch Rentenabschläge von 7,2 Prozent in Kauf nehmen, weil er regulär erst mit 67 Jahren in Rente gehen könnte.

Denn ab 2012 soll das Rentenalter nach den Plänen der Bundesregierung stufenweise heraufgesetzt werden. Ganz ohne Abschlag mit 65 Jahren in Rente gehen können nur noch Versicherte, die vor 1947 geboren wurden. Alle später Geborenen müssen für eine abschlagsfreie Rente dann mindestens 45 Beitragsjahre vorweisen. Bei allen Versicherten mit weniger als 45 Beitragsjahren verschiebt sich der reguläre Beginn der Altersrente stufenweise. So kann ein 1947 Geborener abschlagsfrei erst mit 65 Jahren und einem Monat in Rente gehen.

Wer im Jahr 1955 geboren wurde, kann ohne Abschlag erst mit 65 Jahren und neun Monaten in den Ruhestand wechseln. Seine Rendite fällt um etwa 0,2 Prozentpunkte geringer aus als bei der noch bestehenden Regelung, also der abschlagsfreien Rente mit 65.

Negativ wird die Rendite aber auch für spätere Jahrgänge nicht.

Inflation schmälert Rente

Doch das Deutsche Institut für Altersvorsorge, das von der Deutschen Bank und der Deutschen Herold AG finanziert wird, kommt in seinen Berechnungen auf „reale Verluste“ für Männer ab 26 Jahren. Der Grund: Es rechnet die Inflation mit ein. Bei anderen Anlageprodukten lassen die Anbieter bei der Berechnung der Renditen die Inflation jedoch immer außen vor. So gibt es keinen Lebensversicherer, der in ­seiner jährlichen Standmitteilung eine inflationsbereinigte voraussichtliche private Rente ausweist oder der auch nur darauf hinweist, dass die Inflation die Ablauf­leistung schmälert. Deshalb mutet es merkwürdig an, wenn die Finanzbranche von der gesetzlichen Rente etwas verlangt, was sie selbst nicht leistet.

Wie die Inflation die gesetzliche Rente schmälert, zeigt unsere Rechnung für den Geburtsjahrgang 1940.

Dabei berücksichtigen wir eine durchschnittliche Inflationsrate von 3 Prozent für die vergangenen 45 Jahre, in denen der Versicherte durchschnittlich verdient und entsprechend Beiträge gezahlt hat.

Für die Rentenjahre nehmen wir eine Inflationsrate in Höhe von 1,5 Prozent an. Die Rendite auf den gesamten Beitrag beträgt dann nur noch 1,0 Prozent statt 3,2 Prozent ohne Berücksichtigung der Inflation. Bezogen nur auf den Arbeitnehmer­anteil sinkt die Rendite der Rente von 5,3 auf 2,9 Prozent.

Eine Konsequenz aus den sinkenden Renditen sollte jeder ziehen: Er sollte sich nicht allein auf die gesetzliche Rente verlassen. Derzeitig bezieht ein Rentnerehepaar in Deutschland durchschnittlich rund 85 Prozent seines Einkommens aus der gesetzlichen Rente. 5 Prozent kommen aus der betrieblichen Altersvorsorge und 10 Prozent aus privater Vorsorge. Wenn die gesetzliche Rente sinkt, muss sich ­dieses Verhältnis verschieben, damit der Lebensstandard im Alter nicht fällt.

In anderen Ländern hat es sich längst geändert. Ein Rentnerehepaar in der Schweiz bezieht im Durchschnitt nur 42 Prozent seines Einkommens aus der gesetzlichen Rentenversicherung. 32 Prozent kommen aus der betrieblichen Altersvorsorge und 26 Prozent aus privater Vorsorge.

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