Lang­jährig Versicherte: Früher mit Abzug

Gesetzliche Rente Special

Wer lange in die Rentenkasse einge­zahlt hat, darf früher in Rente. Für den Geldbeutel ist das nicht immer die beste Lösung.

Noch mehr als fünf Jahre bis zum Ruhe­stand – das ist Hella und Gerd Schmid zu lang. „Seit einiger Zeit schon ist uns klar, dass wir nicht bis zum letzten Tag arbeiten möchten“, sind sie sich einig.

Gerd Schmid ist Kunden­dienst­leiter eines mittel­stän­dischen Unter­nehmens, Hella Schmid arbeitet als Angestellte in einer Bank. „In unserem Bekann­tenkreis haben wir immer wieder erlebt, dass Menschen, kurz vor oder nachdem sie mit 65 Jahren in Rente gegangen sind, schwer erkrankten oder auch verstarben“, erklärt das Ehepaar.

Die Stutt­garter haben sich entschieden, bereits mit 63 dem Arbeits­alltag den Rücken zu kehren. „Dadurch gewinnen wir mehr als zwei Jahre, die wir ohne Arbeits­stress verbringen können“, sagt Gerd Schmid. Dafür nimmt das Ehepaar Einschnitte in Kauf. „Rund 250 Euro weniger Rente für mich und 120 Euro weniger für meine Frau“, sagt Gerd Schmid. „Das können wir verkraften.“

Vorgezogene Rente nach 35 Jahren

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Hella und Gerd Schmid wollen mit 63 Jahren vorzeitig in Rente. Sie nehmen dafür monatlich rund 370 Euro Renten­verlust in Kauf. Die Bank­angestellte und der Kunden­dienst­leiter freuen sich nach mehr als 40 Arbeits­jahren auf eine stress­freie Zeit.

Die Schmids haben bereits ein langes Arbeits­leben hinter sich und erfüllen so die Voraus­setzung für die Alters­rente für lang­jährig Versicherte: eine Mindest­versicherungs­zeit von 35 Jahren, die sogenannte Warte­zeit.

Jahre als pflicht­versicherter Arbeitnehmer oder Selbst­ständiger gehören genauso zu dieser Zeit wie Jahre mit freiwil­ligen Beiträgen. Auch Kinder­erziehungs- und Pflege­zeiten und Jahre mit Arbeits­losen- oder Krankengeld zählen mit.

Viele Versicherte können so durch­aus auf ihre 35 Jahre kommen. Der große Haken an der Rente mit 63 ist ein anderer: Der vorzeitige Berufs­ausstieg ist teuer, wie schon das Beispiel der Schmids zeigt.

Vor allem Rentner mit durch­schnitt­lichem und unter­durch­schnitt­lichem Einkommen werden die Einschnitte bei der Alters­rente schwer verkraften, wenn sie keine zusätzlichen Einkünfte haben.

Beispiel: Ein 1964 Geborener über­legt, später einmal mit 63 Jahren in Rente zu gehen statt regulär mit 67. Dann fehlen ihm vier Jahre, in denen er nicht in die Rentenkasse einzahlt. Nach heutigem Stand würden vier Jahre weniger Arbeits­zeit für einen Durch­schnitts­verdiener ein Minus an Rente von über 100 Euro monatlich bedeuten.

Außerdem werden ihm für jeden Monat, den er vor seinem Regel­alter Rente bezieht, 0,3 Prozent der Rentenzahlung abge­zogen. Bei vier Jahren früherer Rente sind das 14,4 Prozent (48 Monate x 0,3 Prozent).

Da die Schmids früher als 1964 geboren sind, liegt ihre Regel­alters­grenze nicht bei 67 Jahren, sondern bei 65 Jahren und 7 Monaten. Für sie bedeutet die Rente mit 63 Jahren also einen Abschlag von 9,3 Prozent (31 Monate x 0,3 Prozent). Der Renten­abschlag bleibt normaler­weise für den gesamten Ruhe­stand bestehen.

In nur zehn Jahren verzichtet das Paar auf fast 45 000 Euro Rente. Renten­steigerungen sind nicht einmal berück­sichtigt. Auch auf die Hinterbliebenenrente hat der Abschlag Auswirkungen. Sie wird auf Grund­lage der Rente des Verstorbenen berechnet.

Aus finanziellen Gesichts­punkten kann es sinn­voller sein, statt der vorzeitigen Rente mit dem Arbeit­geber Alters­teil­zeit im Block­modell zu vereinbaren.

Früher in Rente nach 45 Jahren

Weniger kost­spielig als für lang­jährig Versicherte ist ein vorgezogener Renten­beginn für Menschen, die „besonders lang­jährig“ versichert sind. Diese Variante der Frührente gibt es seit dem Jahr 2012 für Arbeitnehmer, die auf eine Mindest­versicherungs­zeit von 45 Jahren kommen. Sie können bereits ab ihrem 65. Geburts­tag ohne Abschläge in Rente gehen.

Anders als bei den anderen Alters­renten werden auf die 45-jährige Warte­zeit keine Beitrag­zeiten ange­rechnet, in denen Versicherte Arbeits­losengeld, Arbeits­losen­hilfe oder Arbeits­losengeld II bezogen haben. Auch Zeiten freiwil­liger Beiträge oder die nach einer Scheidung über­tragenen Zeiten des Versorgungs­ausgleichs zählen nicht.

Für das Ehepaar Schmid ist dies keine Alternative. Abschlags­frei könnten sie so nur sieben Monate früher in Rente gehen. Das ist ihnen zu wenig. Denn selbst wenn Versicherte wie die Schmids schon vor ihrem 65. Geburts­tag die 45 Jahre zusammenhaben, bleibt der Stichtag der 65. Geburts­tag. Vorher werden Abschläge fällig.

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