Gesetzliche Rente Special

Ein früherer Ruhe­stand ist für viele weiterhin möglich. Der beste Weg ist Alters­teil­zeit mit anschließendem regulären Renten­beginn.

Vorzeitig in Rente – viele wollen das. Und viele können das auch. Weit mehr als die Hälfte aller Neurentner des Jahres 2012 beziehen eine vorgezogene Rente. Denn sie ist auch nach Einführung der Rente mit 67 noch möglich – wenn auch nicht mehr für so viele Renten­versicherte wie in den vergangenen Jahren.

Die Sonderregeln für Frauen und Arbeitslose können zum Beispiel noch alle nutzen, die vor dem Jahr 1952 geboren sind. Doch auch für Jüngere gibt es weiterhin Möglich­keiten für den Vorruhestand.

Königsweg in den Vorruhestand

Gesetzliche Rente Special

Engelbert Sittler ist seit knapp 48 Jahren renten­versichert. Mit 61 Jahren hat er sich zur Ruhe gesetzt – per Alters­teil­zeit und nach einem sehr vielseitigen Arbeits­leben. Der 63-Jährige hat als Schreiner, Holz­techniker, Kranken­pfleger und zuletzt als Lehrer an einer Alten­pfle­geschule gearbeitet.

Den Königsweg hat Engelbert Sittler gewählt. Er hat sich längst zur Ruhe gesetzt. In Rente ist er aber noch nicht. „Ich bin Scheinrentner“, sagt er scherzhaft. Der 63-jährige angestellte Lehrer an einer Berufs­fach­schule für Alten­pflege ging bereits mit 61 Jahren in die Frei­zeitphase der Alters­teil­zeit. Sie endet nächstes Jahr. Bis dahin bekommt Sittler noch Geld von seinem Arbeit­geber.

Sitt­lers Alters­teil­zeit­gehalt ist zwar spür­bar geringer als sein Gehalt bei voller Berufs­tätig­keit. Doch unterm Strich hat der Pädagoge aus dem badischen Herdwangen-Schö­nach sogar mehr im Portmonee als vorher. „Zur Schule hatte ich einen Fahrweg von 32 Kilo­metern. Durch den Wegfall der Sprit­kosten habe ich jetzt mehr Geld als vorher“, sagt er.

Rente bezieht er erst ab Herbst 2014. Dann ist er 65 und bekommt seine gesetzliche Alters­rente ohne Abschlag. Sitt­lers frühest­möglicher Renten­beginn wäre mit 63 gewesen – allerdings nur mit Abschlägen. Sie hätten ihn pro vorgezogenem Monat lebens­lang 0,3 Prozent seiner Rente gekostet.

Mit der Alters­teil­zeit konnte der angestellte Lehrer schon zwei Jahre früher – mit 61 Jahren – aufhören zu arbeiten. Er steht dennoch im Alter nicht schlechter da, als wenn er erst mit 63 vorzeitig in Rente gegangen wäre. Das hat zwei Gründe:

  • Sittler bekommt seine Rente abschlagfrei.
  • In der gesamten Alters­teil­zeit, also bis zu seinem 65. Lebens­jahr, fließen weiterhin Beiträge an die Renten­versicherung. Dies steigert seine Rente.

Alters­teil­zeit im Block­modell ist der beste Weg in den Vorruhestand. Er ist möglich, wenn er im Tarif­vertrag geregelt ist oder wenn der Arbeit­geber zustimmt.

Alters­teil­zeit in zwei Blöcken

Audio
Audio abspielenLautstärke einstellen

Das Block­modell besteht aus zwei gleich­großen Blöcken: Im ersten arbeitet der Beschäftigte zunächst voll weiter, bezieht aber nur das halbe Gehalt, das vom Chef um mindestens 20 Prozent aufgestockt wird.

Im zweiten Block, der Frei­stellungs­phase, arbeitet der Alters­teil­zeitler nicht mehr, bezieht aber weiter sein Alters­teil­zeit­gehalt.

In vielen Branchen bekommen Arbeitnehmer in Alters­teil­zeit oft sogar mehr als gesetzlich vorgeschrieben, denn die Tarif­partner haben höhere Gehälter vereinbart. Die 2,6 Millionen Beschäftigten der Metall- und Elektro­industrie erhalten zum Beispiel vom Arbeit­geber je nach Tarifgruppe 85 bis 89 Prozent ihres ursprüng­lichen Netto­verdienstes.

In beiden Phasen der Alters­teil­zeit ist der Arbeitnehmer weiterhin bei seinem Unternehmen beschäftigt. Das heißt auch, dass es ihn bei einer Pleite des Unter­nehmens erwischen kann – und er arbeitslos wird.

Allerdings muss der Arbeit­geber für den Fall einer Insolvenz vorsorgen und die finanziellen Ansprüche der Alters­teil­zeitler absichern.

Alters­teil­zeit viel besser als Frührente

Für das Block­modell haben sich 90 Prozent der Alters­teil­zeitler entschieden. Beschäftigte können Alters­teil­zeit aber auch dafür nutzen, ihre Arbeits­zeit vor der Rente um die Hälfte zu reduzieren, also kürzer zu arbeiten – ohne danach unbe­dingt vorzeitig in Rente zu gehen.

Für beide Varianten gilt: Während der gesamten Alters­teil­zeit stockt der Arbeit­geber nicht nur das Gehalt auf, sondern auch die Beiträge zur Renten­versicherung. Und zwar um so viel, als bekäme der Kollege in Alters­teil­zeit 90 Prozent seines bisherigen Gehalts. In einigen Branchen sind es sogar mehr, beispiels­weise 95 Prozent in der Metall- und Elektro­industrie. Die späteren Einbußen bei der Rente sind also sehr gering.

Sitt­lers Fazit ist klar: „Die Entscheidung, in Alters­teil­zeit zu gehen, hat sich gelohnt.“

Nicht nur für Sittler, sondern auch für jüngere Jahr­gänge, die jetzt noch mitten im Berufs­leben stehen, ist Alters­teil­zeit besser als Frührente. Sie kann ihnen zigtausend Euro Verlust bei der Rente ersparen.

Beispiel: Ein 1958 geborener Angestellter aus Hessen hat über die Jahre insgesamt andert­halb­mal so viel verdient wie der durch­schnitt­liche Arbeitnehmer – zurzeit hat er ein Jahres­gehalt von gut 51 000 Euro. Der Mann kann mit 66 Jahren regulär in Rente gehen. Er kann nach jetzigem Stand damit rechnen, dass er nach einer Versicherungs­zeit von 40 Jahren auf eine Monats­rente von 1 668 Euro kommt.

Doch diese Rente bekommt der heute 55-Jährige wirk­lich nur, wenn er erst mit 66 Jahren Rentner wird. Geht er mit 63, kostet ihn das für den Rest seines Lebens 10,8 Prozent Abschlag von seiner Alters­rente (36 vorgezogene Monate x 0,3 Prozent).

Gleich­zeitig hat der Mann aus unserem Beispiel dann aber auch drei Jahre weniger in die Rentenkasse einge­zahlt. Dies ergibt nur eine Rente von 1 562 Euro.

Dieser Betrag wird um 10,8 Prozent gekürzt, sodass 1 393 Euro übrig bleiben. Das sind Monat für Monat 275 Euro weniger als bei regulärem Renten­beginn. In nur zehn Jahren Rentenbe­zugs­zeit ist das schon ein Verlust von 33 000 Euro.

Volle Rente nach Alters­teil­zeit

Ein Alters­teil­zeitler, der die Arbeits­phase der Alters­teil­zeit mit 60 Jahren beginnt, sich dann ebenfalls mit 63 Jahren zur Ruhe setzt, hat sehr viel geringere Verluste. Denn er kassiert ab dem 66. Geburts­tag seine reguläre Alters­rente ohne Abzug.

Nur in den drei Jahren vom 60. bis zum 63. Lebens­jahr, in denen er noch voll arbeitet, aber nur sein Alters­teil­zeit­gehalt bekommt, hat er weniger Geld als der Kollege. Denn dieser arbeitet in den Jahren bis zur vorgezogenen Rente mit 63 durch und hat sein volles Gehalt.

Weil der Alters­teil­zeitler ab 66 eine ungekürzte Rente bekommt, gleicht er dies in wenigen Jahren wieder aus.

Dieser Artikel ist hilfreich. 50 Nutzer finden das hilfreich.