Gesetzliche Rente Special

Nicht alle Selbst­ständigen zahlen wie Architekten in ein Versorgungs­werk ein. Doch für alle gibt es Wege zu einer Zusatz­rente.

Wer in den meisten Jahren seiner Selbst­ständig­keit nur wenig Geld übrig hatte, macht womöglich kurz vor dem Ruhe­stand eine kleine Erbschaft und will sie in eine Alters­rente investieren. Wer gut verdient hat, konnte einiges zurück­legen und will dieses Geld nun noch verrenten. Wir haben uns angeschaut, wie viel Rente ein Selbst­ständiger für 40 000 Euro bekommen kann.

Vier Wege zu mehr Rente

Selbst­ständig sein und kurz vor der Rente noch etwas für die Rente tun? Ja, das geht. Jedenfalls ist noch Zeit, für ein Zusatz­einkommen zu sorgen oder das kleine Stück zu schaffen, das an einer auskömm­lichen Alters­rente noch fehlt. Über vier Wege können Selbst­ständige an eine lebens­lange Alters­rente kommen. Das sind

  • die gesetzliche Renten­versicherung mit freiwil­ligen Beiträgen,
  • eine Rürup-Rente,
  • eine private Renten­versicherung,
  • eine private Sofortrente.

Wer freiwil­lig in die gesetzliche Rente einzahlen darf

Alle nicht pflicht­versicherten Selbst­ständigen und Freiberufler können freiwil­lige Beiträge in die gesetzliche Renten­versicherung einzahlen. Unbe­dingt sollten sie dies tun, wenn sie bereits einige Zeit gesetzlich pflicht­versichert waren, aber nicht auf die für eine Alters­rente notwendige Mindest­versicherungs­zeit von fünf Jahren kommen. Die bis dahin fehlenden Jahre können sie mit freiwil­ligen Beiträgen auffüllen und sich so eine gesetzliche Rente sichern. Für die nötigen fünf Jahre Mindest­versicherungs­zeit zählen auch Zeiten der Kinder­erziehung, der Arbeits­unfähigkeit, des Bezugs von Arbeits­losengeld I sowie Wehr- und Zivil­dienst mit.

Für wen sich die freiwil­lige Einzahlung lohnt

Für alle, die nur noch wenige Jahre bis zur Rente haben, lohnen sich freiwil­lige Einzahlungen derzeit besonders. Weil die Arbeits­losig­keit relativ nied­rig ist und viele in die Rentenkasse einzahlen, steht die gesetzliche Rente derzeit gut da. Wenn in etwa 12 bis 15 Jahren die „Babyboomer“ in Rente gehen, wird die gesetzliche Renten­versicherung aber unter Druck geraten. Wer dann freiwil­lige Beiträge zahlt, wird nicht mehr auf die gesetzliche Rente kommen, die jetzt denen winkt, deren Zeit im Berufs­leben zu Ende geht.

Gesetzliche Rente bringt am meisten

Hohe Anfangs­rente. Ein 1956 Geborener, der 2021 in Rente geht und in den vier Jahren bis dahin jedes Jahr 10 000 Euro in die gesetzliche Renten­versicherung einzahlt, kann mit einer Anfangs­rente von 179 Euro rechnen (Tabelle). Zahlt er denselben Betrag in eine klassische Rürup-Renten­versicherung mit Hinterbliebenen­schutz ein, bekommt er nur 118 Euro im Monat. In beiden Fällen kann die Rente später noch steigen. Bei der gesetzlichen Rente hängt dies von den Gehalts­steigerungen der Beitrags­zahler ab.

Mehr Gehalt, mehr Rente. Gut für Rentner sind kräftige Lohn­erhöhungen. Dann steigen auch die Renten kräftig. Auch das Verhältnis zwischen der Zahl der Rentner und der Zahl der Beitrags­zahler spielt eine Rolle: Gibt es mehr Beitrags­zahler, die die Rentenkasse füllen, führt dies zu höheren Renten­steigerungen. Gibt es mehr Rentner, werden die Steigerungen der Renten geringer. Die einmal erworbene Rente kann nicht sinken. Es gibt eine gesetzliche Sicherungs­klausel, die dies verhindert.

Rürup-Rente: Anla­geerfolg wichtig

Rente kann auch sinken. Bei der Rürup-Rente hängt die Renten­erhöhung davon ab, wie gut der Versicherer die Beiträge anlegt und wie gut er seine Kunden am Anla­geerfolg beteiligt. Die Rente kann je nach gewähltem Über­schuss­system auch sinken. Ausgeschlossen ist dies bei der voll­dynamischen Rente. Bei dieser Auszahlungs­form steigt die Rente beständig.

Drei Varianten. In unserem jüngsten Test der klassischen Rürup-Renten­versicherung haben wir drei gute Angebote gefunden (Test Rürup-Rente, Finanztest 12/2016). Neben der klassischen Variante, bei der die Beiträge vorwiegend in sichere Anlagen fließen, gibt es die Rürup-Rente auch als fonds­gebundene Renten­versicherung und als Fonds­sparplan.

Gut vergleich­bar. Die Rürup-Rente ist als staatlich geförderte Alters­vorsorge vor allem für Selbst­ständige und Freiberufler gedacht. Denn sie können die anderen beiden geförderten Formen, betriebliche Alters­vorsorge und Riester-Rente, in der Regel nicht nutzen. Weil für die Rürup-Rente die gleichen Steuer­regeln gelten wie für die gesetzliche Rente (Vorsorge mit Versicherungen) und hier wie dort keine Kapital­auszahlung möglich ist, sind beide Vorsorgeformen besonders gut vergleich­bar.

Sonder­ausgaben. Insgesamt berück­sichtigt das Finanz­amt in diesem Jahr Alters­vorsorgebeiträge bis 23 362 Euro bei Allein­stehenden, bis 46 724 Euro bei Verheirateten. Davon werden 84 Prozent als Sonder­ausgabe ange­rechnet.

Private Versicherung und Sofortrente

Beiträge für eine private Renten­versicherung und für eine private Sofortrente werden nicht steuerlich gefördert. Im Gegen­zug ist nur ein kleiner Teil der Rente steuer­pflichtig, der sogenannte Ertrags­anteil. Im jüngsten Test der Sofortrente – auch Rente gegen Einmalbeitrag genannt – haben wir nur zwei gute Angebote gefunden (Test Sofortrente, Finanztest 12/2015). Damals lag der Garan­tiezins für den Spar­anteil des Beitrags, nach Abzug der Kosten des Versicherers, noch bei 1,25 Prozent. Heute beträgt er für Neuverträge nur noch 0,9 Prozent. Das gilt auch für alle anderen ab 2017 abge­schlossenen privaten Renten­versicherungs­verträge.

Gut versorgt im Versorgungs­werk

Eine obliga­torische Alters­vorsorge für alle Selbst­ständigen gibt es nicht. Allerdings sind viele Freiberufler wie Architekten, Ärzte und Apotheker Pflicht­mitglieder in ihrem berufs­stän­dischen Versorgungs­werk. Laut Alters­sicherungs­bericht der Bundes­regierung haben Selbst­ständige im Ruhe­stand im Durch­schnitt ein Netto­einkommen von 1 435 Euro im Monat. Selbst­ständige mit Leistungen aus einem berufs­stän­dischen Versorgungs­werk kommen sogar auf 3 362 Euro durch­schnitt­liches Netto­einkommen. Doch in dem Bericht heißt es auch: „Neben vielen hohen Einkommen finden sich in dieser Gruppe aber auch viele Personen mit nied­rigem Einkommen. So verfügt fast die Hälfte der ehemals Selbst­ständigen über ein Netto­einkommen von unter 1 000 Euro, während es bei Angestellten nur gut ein Drittel ist.“

Vorsorge in Eigen­regie

Die meisten Selbst­ständigen müssen ihre Alters­vorsorge in die eigenen Hände nehmen. Und viele wollen das auch. Karl Brenke vom Deutschen Institut für Wirt­schafts­forschung (DIW) sagt: „Wer selbst­ständig wirt­schaftet, möchte oft auch selbst­ständig vorsorgen.“

Fast die Hälfte aller Selbst­ständigen ist gesetzlich renten­versichert

Nur knapp 280 000 der 4,3 Millionen Selbst­ständigen sind in der gesetzlichen Renten­versicherung pflicht­versichert, etwa Handwerks­meister, die weniger als 18 Jahre selbst­ständig sind. Viele Selbst­ständige zahlen aber freiwil­lig in die gesetzliche Renten­versicherung ein. Gesetzlich renten­versichert sind insgesamt 43 Prozent aller Selbst­ständigen, zeigt eine DIW-Studie. Sie besagt auch: 48 Prozent der Selbst­ständigen haben eine Kapital­lebens­versicherung, 31 Prozent eine private Renten­versicherung und 58 Prozent ein Immobilien­vermögen im Verkehrs­wert von mindestens 100 000 Euro.

Alternative ETF

Wer fürs Alter sparen, aber nicht unbe­dingt eine Rente will, hat mit börsennotierten Aktienfonds (ETF) eine gute Alternative. Der Vorteil für Selbst­ständige: Sie kommen jeder­zeit an Kapital.

Tipp: Auf test.de finden Sie regel­mäßig aktualisierte Informationen zur gesetzlichen Rente, zur Rürup-Rente, zur privaten Rentenversicherung und zur privaten Sofortrente.

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