Demenzkranke: Ein bisschen Entlastung für die Pflegenden

Gesetzliche Pflegeversicherung Test

Rund 1,1 Millionen Menschen mit ­einer Demenzerkrankung leben derzeit in Deutschland. Mit zunehmendem ­Alter steigt die Häufigkeit der Erkrankung: Von etwa 1 Prozent in der Alters­gruppe der 65- bis 69-Jährigen auf mehr als 30 Prozent der über 90-Jährigen. Demenzen befallen Männer und Frauen gleichen Alters mit ähnlich ­hoher Wahrscheinlichkeit. Da Frauen jedoch statistisch gesehen länger ­leben als Männer, sind 70 Prozent der heutigen Demenzpatienten weiblich.

Die Krankheit beeinträchtigt Orientierung und Urteilsfähigkeit. Später lassen das Sprach- und Rechenvermögen nach und Teile der Persönlichkeit werden zerstört. Alltagsaktivitäten gelingen nur eingeschränkt und im weiteren Verlauf oft gar nicht mehr. Häufig werden Erkrankte aggressiv oder enthemmt, depressiv oder in ihrer Stimmung sprunghaft.

Das belastet pflegende Angehörige oft bis an die Grenze des Erträglichen. Dennoch bekommen Demenzkranke meist keine adäquate Pflegestufe zugesprochen, wenn sie außer ihrer Demenz keine körperlichen Leiden haben. Die allgemeine Beaufsichtigung und Betreuung und Hilfen bei der Strukturierung des Tagesablaufs werden nur eingeschränkt berücksichtigt.

Immerhin erhalten Demenzkranke und ihre Angehörigen seit Juli 2008 etwas mehr Geld: Menschen, denen der Gutachter des Medizinischen Dien­stes der Krankenversicherung eine „eingeschränkte Alltagskompetenz“ bescheinigt, können bis zu 2 400 Euro pro Jahr für die Nutzung gerontopsychiatrischer Zusatzangebote in Anspruch nehmen – auch wenn ihnen nur die Pflegestufe 0 zugesprochen wurde. Damit können Pflegende ihre dementen Angehörigen zum Beispiel einen oder zwei Tage im Monat in eine spezialisierte Betreuungseinrichtung bringen.

Von Juli bis September 2008 haben bereits 100 000 Menschen die neuen Zusatzleistungen erhalten. Der Medizinische Dienst schätzt, dass insgesamt ein Drittel aller Pflegebedürftigen einen erhöhten allgemeinen Betreuungsbedarf aufgrund einer Demenz hat, ­davon 9 Prozent mit Pflegestufe 0.

Von Pflegestufe 0 spricht man, wenn der Medizinische Dienst zwar einen Hilfebedarf festgestellt hat, dieser aber nicht für die Eingruppierung in Pflegestufe I reicht. Das kann zum Beispiel sein, wenn der Anteil an Grundpflege weniger als 45 Minuten pro Tag beträgt oder wenn jemand bei anderen Dingen als den gesetzlich anerkannten Verrichtungen Hilfe braucht.

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