Zusätzliche Betreuungs­leistung: 200 Euro extra im Monat von der Pflegekasse

Pfle­gestufe 0. Viele Demenz­kranke können alltägliche Hand­lungen wie essen, ankleiden oder spazieren gehen zwar körperlich allein umsetzen, sind aber geistig stark einge­schränkt. Daher sind sie oft nicht fähig, ohne Unterstüt­zung zu handeln, und müssen betreut werden. Oft erfüllen sie aber noch nicht die Anforderungen für eine Pfle­gestufe zwischen 1 und 3. Sie können dennoch von den Pflegekassen einen Zuschuss zu Betreuungs­kosten erhalten. Das wird auch Pfle­gestufe 0 genannt.

Zuschuss. Pro Monat zahlen die Pflegekassen bis zu 100 Euro für eine Betreuung am Tag oder in der Nacht. Das Geld kann auch für Kurz­zeit­pflege, die Betreuung durch einen ambulanten Pflege­dienst zuhause oder für ein paar Stunden Teil­nahme an einer Betreuungs­gruppe genutzt werden. In schweren Fällen steuert die Kasse bis zu 200 Euro bei. Werden in einem Monat die 100 Euro nicht aufgebraucht, steht der Rest­betrag im nächsten Monat weiter zur Verfügung. Auch ins nächste Jahr kann ein Rest mitgenommen werden. Er muss dann aber im ersten Halb­jahr aufgebraucht werden. Sonst verfällt er.

Antrag. Den Antrag stellen Versicherte oder ihre Angehörigen bei der Pflegekasse, die gleich­zeitig auch ihre Krankenkasse ist. Das können sie formlos telefo­nisch oder schriftlich tun.

Voraus­setzung. Eine Demenz-Diagnose ist nicht nötig, um den Zuschuss zu erhalten. Die Versicherten müssen aber mehrere Kriterien erfüllen. Schon wer regel­mäßig nicht mehr von allein isst, obwohl das Essen vor ihm steht oder öfter den Weg nach Hause nicht mehr findet, erfüllt einzelne Merkmale. Mindestens 2 von 13 Kriterien müssen erfüllt sein. Die Mängel in der Alltags­kompetenz müssen so groß sein, dass der Versicherte täglich betreut werden muss. Ein Gutachter des Medizi­nischen Dienstes der Krankenkassen (MDK) über­prüft das bei einem Haus­besuch.

Kriterien. Die 13 Kriterien und Beispiele sind in der „Richt­linie zur Fest­stellung von Personen mit erheblich einge­schränkter Alltags­kompetenz“ nach­zulesen. Sie ist im Internet beim Bundes­verband Gesetzliche Krankenkassen unter „Pflege­versicherung“ www.g-k-v.de zu finden.

Pfle­gestufe 1 bis 3. Versicherte, die eine Pfle­gestufe zwischen 1 und 3 haben oder wegen körperlichen Pflegebe­darfs einen Antrag stellen, können ebenfalls auf die Kriterien hin begut­achtet werden. Sie können den Betreuungs­zuschuss zusätzlich zum Pflegegeld oder Sach­leistungen bekommen.

Pfleg­etagebuch. Um den Besuch des Gutachters vorzubereiten, ist ein Pfleg­etagebuch sinn­voll. Darin schreiben Angehörige zum Beispiel auf, wie viele Minuten es dauert, bis ein Demenz­kranker sich unter Anleitung angezogen hat, den Löffel zum Mund führt oder den Weg zum Arzt schafft. Wichtig ist es, zu notieren, wie lange es nötig ist, den Dementen bei den unterschiedlichen Aktivitäten anzu­leiten oder zu beaufsichtigen. Ins Pfleg­etagebuch gehört auch, wenn der Betreute sich häufig verweigert und die Unterstüt­zung ablehnt. Der Gutachter sollte sich ein möglichst umfassendes Bild von dem zeitlichen Aufwand machen können, den die Pflegenden haben.

Gutachter­besuch. Wenn der Gutachter kommt, sollten die Menschen dabei sein, die haupt­sächlich die Pflege erledigen, rät Uwe Brucker vom Medizi­nischen Dienst. „Die Demenz­kranken geben sich in Anwesenheit des Gutachters oftmals besonders viel Mühe, wollen zeigen, dass sie noch alles allein können. Da ist es wichtig, dass die Pfle­gekräfte dem Gutachter unter vier Augen die Realität schildern können“, sagt Brucker. Wenn schon eine ambulante Pfle­gekraft die Pflege zuhause unterstützt, kann es auch hilf­reich sein, diese bei der Begut­achtung dabei­zuhaben. „Sie kennt den Demenz­kranken und weiß auch, worauf es bei der Begut­achtung ankommt. Sie kann den Gutachter auf bestimmte Problem­bereiche und Verhaltens­weisen hinweisen.“

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