Gesetzliche Kranken­versicherung Special

Den Nordic-Walking-Einführungs­kurs bezahlt die Kasse, regel­mäßig trainieren müssen Versicherte dann in Eigen­regie.

Für Gesund­heits­kurse gibt es Zuschüsse von der Krankenkasse – künftig aber nur noch für zwei Kurse pro Jahr. Finanztest zeigt, wie hoch die Zuschüsse der jeweils sechs größten Kassen der AOKs, Innungs-, Ersatz- und Betriebs­krankenkassen sowie der Knapp­schaft sind.

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Über­gangs­frist bis März

Nordic Walking, Yoga oder Stress­bewältigung – wenn gesetzlich Kranken­versicherte Gesund­heits­kurse besuchen, können sie von ihrer Kasse einen Zuschuss oder die komplette Gebühr bezahlt bekommen. Mehr als zwei Millionen solcher Kurse bezahlten die Kassen im Jahr 2009, im Jahr 2002 waren es rund 350 000 Kurse. Nun müssen sie dieses Angebot stärker begrenzen. Seit Ende August stehen im „Leitfaden Prävention“ neue Regeln. Die Kassen dürfen jedem erwachsenen Versicherten nur noch zwei Kurse pro Jahr bezahlen. Versicherte können in einem Jahr zwei gleich­artige Kurse besuchen, etwa einen Einsteiger- und einen Aufbaukurs. Doch im Jahr darauf müssen es andere Kurse sein. Bis zum 1. März 2011 gilt eine Über­gangs­frist, in der einige Kassen noch ihre alten Regeln anwenden.

Kein kontinuierliches Training

Bis zu sieben Kurse bezahlte beispiels­weise bisher die HEK pro Jahr, bei vielen anderen Kassen gab es vier Kurse. Die DAK kürzte ihr Angebot von zwei auf nur noch einen Kurs pro Jahr. „Wir können nur Start­hilfe geben, danach sollen die Versicherten das, was sie im Kurs gelernt haben, selbst­ständig weiterführen“, sagt DAK-Presse­sprecher Frank Meiners. Kontinuierliches Training oder die Mitgliedschaft in einem Sport­ver­ein oder einer Yogaschule dürfen die Kassen ohnehin nicht finanzieren, sondern nur die Kosten einzelner Kurse mit maximal zwölf Terminen à 90 Minuten. Gefördert werden Kurse mit diesen Themen:

  • Bewegung. Das kann Herz-Kreis­lauf-Training wie Nordic Walking sein, aber auch Muskel­aufbau, zum Beispiel in Rücken­kursen. Fast drei Viertel aller bezu­schussten Kurse sind Bewegungs­kurse.
  • Stress­management. Dazu gehören auch Entspannungs­verfahren wie progressive Muskel­entspannung, Tai Chi oder Qi Gong.
  • Ernährung. In diesen Kursen werden die Versicherten fachlich beraten und bei der Umstellung ihrer Ernährung und ihres Bewegungs­verhaltens mit praktischen Übungen unterstützt. Diese Anleitung soll den Versicherten helfen, Überge­wicht zu vermeiden oder zu reduzieren.
  • Sucht. Die Kassen fördern in erster Linie Nicht­raucher­kurse.

Kurse direkt von den Kassen

Etwa jeder fünfte Kurs wird von den Kassen direkt veranstaltet, vor allem die AOKs bieten viele Kurse selbst an. Die meisten Kassen zahlen aber Zuschüsse, wenn ihre Versicherten Kurse bei einer Volks­hoch­schule oder anderen Anbietern besuchen. Die Kurs­leiter müssen eine staatlich anerkannte Ausbildung nach­weisen, für Bewegungs­kurse zum Beispiel als Physio­therapeut, Sport­lehrer, Sport­wissenschaftler oder Übungs­leiter. Es gibt auch Online­kurse zur Stress­bewältigung und zur Ernährungs­beratung. Die Grenzen des Leitfadens gelten auch für sie.

Mehr Gesundheit im Betrieb

Neben den Gesund­heits­kursen, an denen vor allem Frauen teilnehmen, sollen Kassen verstärkt in die betriebliche Gesund­heits­förderung sowie in Gesund­heits­programme an Schulen und Kinder­gärten investieren. So sollen vor allem diejenigen gefördert werden, deren Gesundheit am meisten gefährdet ist und die mit Kurs­angeboten bisher nicht erreicht werden. Die gesamte Gesund­heits­förderung, ob mit Kursen oder im Betrieb, spielt sich jedoch in einem bescheidenen Rahmen ab: Die Kassen sollen umge­rechnet nicht mehr als 2,86 Euro pro Versicherten im Jahr ausgeben.

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