Gesetzliche Krankenversicherung Meldung

Statt Krankenhaus. Leman Bilgic will in einem Geburtshaus entbinden. Sie fühlt sich gut versorgt von ihrer Hebamme Yvonne Bovermann.

Die Schwangerschaft ist eine Zeit der Vorfreude und der zahllosen Untersuchungen durch Ärzte und Hebammen. Die Kassen sorgen gut für werdende Mütter. Finanztest sagt, was sie vor, während und nach der Geburt bezahlen.

Für Leman Bilgic kommt nur ein Geburtshaus infrage. „Ich finde die Vorstellung, in einem Krankenhaus zu entbinden, befremdlich – so viele Leute, die ich nicht kenne, die Schichtwechsel, es ist viel unruhiger dort. Ich möchte eine natürliche Geburt in einer schönen Atmosphäre. Die Hebamme ist hier nur für mich da.“

Geburtshäuser sind außerklinische Einrichtungen, die von Hebammen geleitet werden. Ihr Ziel ist eine umfassende, persönliche Betreuung der Schwangeren und eine natürliche Geburt. Die meisten Frauen gehen einige Stunden nach der Entbindung mit dem Neugeborenen nach Hause. Einige Geburtshäuser bieten inzwischen auch eine Wochenbettstation an.

Schwangere können sich aussuchen, ob sie ihr Kind im Krankenhaus, in einem Geburtshaus oder zu Hause zur Welt bringen. Frauen, die in einem Geburtshaus entbinden, müssen aber damit rechnen, dass die Krankenkasse nicht alle Kosten bezahlt.

Für die Hebamme kommt die Kasse auf jeden Fall auf. Die Übernahme der Kosten für Verpflegung, Unterbringung und allgemeine Betreuung ist dagegen nach derzeitiger Rechtslage nicht gesichert. Es liegt im Ermessen der Kassen, wie viel sie von diesen Kosten tragen.

Leman Bilgic ist bei der HEK versichert. Die 400 Euro, die sie dem Berliner Geburtshaus zahlen soll, übernimmt diese Kasse vollständig.

Die 34-jährige Berlinerin hat sich für ­eine ambulante Geburt entschieden. Sie will nach der Entbindung mit ihrem Freund und dem Neugeborenen nach Hause.

Wer sich noch einige Tage im Geburtshaus von den Strapazen erholen will, wird es schwer haben, dafür einen Zuschuss zu bekommen. Kürzlich hat das Bundessozialgericht (Az. B 1 KR 34/04 R) entschieden, dass die Krankenkasse DAK die Kosten für die stationäre Unterbringung einer Mutter aus Gera im Geburtshaus nicht übernehmen muss.

Wenn es im Geburtshaus Komplikationen gibt und die Geburt in einem Krankenhaus fortgesetzt werden muss, zahlt die Kasse meist nur einmal. Und zwar die Krankenhauskosten.

Die Ausgaben, die bis zum Transport ins Krankenhaus im Geburtshaus anfallen, müssen die Eltern alleine tragen.

Im Krankenhaus haben die Frauen dagegen mit der Kostenübernahme keine Probleme. Selbst für die stationäre Betreuung kommen die Krankenkassen dort auf. Sie bezahlen die Hebammenhilfe, alle medizinischen Leistungen und auch die Verpflegung uneingeschränkt. Nur Frauen, die länger als sechs Tage in der Klinik bleiben, müssen danach für längstens 28 Tage 10 Euro pro Tag zuzahlen.

Kein Kaiserschnitt auf Wunsch

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Beliebt: Ein Gipsabdruck vom Babybauch als Andenken. Einen Zuschuss von der Kasse gibt es aber nicht.

Nicht alle Frauen können oder wollen ihr Kind wie Leman Bilgic auf natürlichem Weg zur Welt bringen. Die Zahl der ­Kaiserschnitte ist in den vergangenen 15 Jahren von etwa 16 Prozent auf rund 27 Prozent gestiegen.

„Die Kosten werden nur bei einer medizinischen Indikation übernommen. Der Arzt entscheidet also, ob es einen Kaiserschnitt gibt. Es ist keine Wahlbehandlung“, sagt Udo Barske vom Bundesverband der allgemeinen Ortskrankenkassen.

Klaus Vetter, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe, erklärt, dass sich der Begriff „medizinische Indikation“ in den letzten Jahren aber stark erweitert habe. „Heute entscheiden die Ärzte nicht mehr nur nach ganz harten, rein medizinischen Gründen. Es hat da eine Verschiebung stattgefunden. Auch viel Angst vor der Geburt kann ein guter Grund für einen Kaiserschnitt sein.“

Organisatorische Gründe gelten aber nicht. Schwangere, die einen Kaiserschnitt wollen, weil der künftige Vater beruflich viel im Ausland unterwegs ist und sie so besser planen können, müssten den Kaiserschnitt selbst bezahlen.

Alle vier Wochen zur Vorsorge

Bis zur Geburt stehen viele Untersuchungen an. Mit Beginn der Schwangerschaft bekommen Frauen vom Frauenarzt oder der Hebamme einen Mutterpass. Der soll die Vorsorgeuntersuchungen während der Schwangerschaft dokumentieren.

Im Mutterpass werden zum Beispiel Gewicht, Urinwerte, Blutdruck und Lage des Kindes eingetragen. Später hält der Arzt oder die Hebamme auch den Verlauf der Geburt und die ersten Untersuchungen des Neugeborenen darin fest.

Zum regulären Programm gehören ungefähr zwölf Vorsorgeuntersuchungen. Die erste sollte kurz nach Beginn der Schwangerschaft stattfinden, die folgenden in Abständen von etwa vier Wochen. In den letzten zwei Monaten vor der Geburt haben Schwangere alle 14 Tage Anspruch auf einen Vorsorgetermin.

Bei normalem Schwangerschaftsverlauf kann die Frau wählen, ob sie sich lieber von einem Arzt oder einer Hebamme unter­suchen lässt. Leman Bilgic hat sich entschieden, die Vorsorgeuntersuchungen abwechselnd bei einem Arzt und einer Hebamme zu machen. Auch das ist möglich.

Genau wie beim Arzt muss die werdende Mutter bei der Hebamme die Versichertenkarte abgeben. Diese kann dann mit der Krankenkasse direkt abrechnen.

Keine Praxisgebühr für Vorsorge

Die Praxisgebühr fällt für Vorsorgeuntersuchungen nicht an. Auch für die Medikamente, die der Arzt aufgrund von Schwangerschaftsbeschwerden verschreibt, müssen Frauen nichts zuzahlen. Das Gleiche gilt für Heilmittel wie Krankengymnastik oder Massagen.

Ab der 24. Schwangerschaftswoche kann die Schwangere an einem Geburtsvorbereitungskurs teilnehmen. Andere Angebote wie Schwangerenyoga zahlen die Kassen jedoch nicht in jedem Fall. Es ist daher ratsam, beim Anbieter des Kurses oder der Krankenkasse nachzufragen. Leman Bilgics Geburtsvorbereitungskurs hat die Kasse übernommen.

Ihr Freund, der auch teilnahm, musste die 76 Euro selbst zahlen. Werdende Väter berücksichtigen die Krankenkassen nicht.

Mutterschaftsgeld

Ist die Schwangere Arbeitnehmerin, geht sie sechs Wochen vor dem errechneten Geburtstermin in Mutterschutz. Sie erhält in dieser Zeit und in den acht Wochen nach der Geburt Mutterschaftsgeld. Bei Früh- und Mehrlingsgeburten verlängert sich der Mutterschutz von 14 auf 18 Wochen.

Das Mutterschaftsgeld entspricht dem letzten Nettogehalt und ist steuerfrei. Die Krankenkasse zahlt höchstens 13 Euro pro Tag, den Rest legt der Arbeitgeber drauf.

Wer Arbeitslosengeld I bezieht, erhält Mutterschaftsgeld in Höhe des Arbeitslosengelds von der Kasse. Frauen, die ­Arbeitslosengeld II bekommen, haben ­keinen Anspruch.

Freiwillig versicherte Selbstständige bekommen Mutterschaftsgeld in Höhe ihres Krankengeldanspruchs.

Krankenkassenbeiträge müssen die Frauen im Mutterschutz nicht zahlen.

Die Hebamme kommt täglich

Nach der Entbindung können Mütter sich zu Hause von einer Hebamme betreuen lassen. Diese Hilfe dürfen sie auch dann nutzen, wenn sie für die Vorsorgeuntersuchungen bei einem Gynä­kologen waren.

In den ersten zehn Tagen nach der Geburt zahlt die Kasse für täg­liche Besuche der Hebamme. Sie untersucht Mutter und Kind und hilft zum Beispiel bei der Nabelpflege des Säuglings oder gibt Tipps zum Stillen.

Bei Problemen übernimmt die Kasse die Kosten für weitere Termine, bis das Kind acht Wochen alt ist. Beratung rund ums Stillen bezahlt sie auch noch danach.

Schwangere sollten sich frühzeitig um eine Hebamme für die Nachbetreuung kümmern. Denn oft ist es schwierig, kurzfristig noch eine Betreuerin zu finden.

Wenn die Mutter nach der Entbindung häusliche Krankenpflege benötigt, kommt die Kasse auch dafür auf, wenn kein anderer im Haushalt sich um die Frau kümmern kann. Meist übernimmt dann ein Hauspflegedienst diese Betreuung. Der Arzt verschreibt sie zum Beispiel, wenn ansonsten ein längerer Krankenhausaufenthalt notwendig wäre.

In manchen Fällen bezahlt die Kasse auch eine Haushaltshilfe. Ob und wie lange sie die Kosten übernimmt, unterscheidet sich von Kasse zu Kasse.

Zum Paket der gesetzlichen Krankenkassen gehören noch zwei Kontrolluntersuchungen beim Frauenarzt und die Rückbildungsgymnastik. Solche Kurse, die den Beckenboden nach der Geburt wieder stärken sollen, bieten Hebammen und Krankengymnastinnen an.

Leman Bilgic ist auf die Ankunft ihres Sohnes gut vorbereitet. „Mein Freund hat sich für die Zeit nach der Geburt Urlaub genommen. Notfalls springen auch meine Schwester und meine Nichte ein“, sagt sie. Eine Kleinigkeit müssen die beiden aber noch regeln: „Auf einen Namen konnten wir uns noch nicht einigen.“

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