Gesetzliche Krankenversicherung Test

Fleck für Fleck. Gesetzlich Versicherte ab 35 Jahren haben ab Juli 2008 Anspruch auf Krebsfrüherkennunguntersuchungen beim Hautarzt.

Der Staat macht Druck auf Vorsorgemuffel. Wer die Beratung über Früherkennungsuntersuchungen verweigert, muss später mehr selbst zahlen.

Die Bereitschaft zur Gesundheitsvorsorge ist in Deutschland nicht groß. Gerade 48 Prozent der Frauen und 16 Prozent der Männer gehen zu Krebsfrüherkennungsuntersuchungen.

Das soll sich ändern: Mehr als 140 Milliarden Euro im Jahr gibt die gesetzliche Krankenversicherung für die Behandlung von Krankheiten aus. Ihre Mitglieder sollen mehr dazu beitragen, die Kosten zu dämpfen. Sie sollen nicht rauchen, gesünder essen, mehr Sport treiben und zu Vorsorgeuntersuchungen gehen.

Seit diesem Jahr sind die ersten gesetzlich Versicherten verpflichtet, sich über Chancen und Risiken einer Krebsfrüherkennungsuntersuchung beraten zu lassen. Ob sie die Untersuchung dann mitmachen, dürfen sie selbst entscheiden. Den ganz großen Knüppel schwingen die Gesundheitspolitiker noch nicht.

Krebsberatung ist jetzt Pflicht

Die ersten sind junge Frauen, die nach dem 1. April 1987 geboren sind. Für sie hat mit dem 1. Januar 2008 die Uhr zu ticken begonnen. Binnen 24 Monaten müssen sie sich vom Arzt über die Möglichkeiten zur Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs beraten lassen.

Versäumen sie die Beratung, kommen sie nicht in den Vorteil niedrigerer Zuzahlungen, wenn sie später an Gebärmutterhalskrebs erkranken sollten.

Etwas länger Zeit lassen dürfen sich Männer, die nach dem 1. April 1962 geboren sind. In fünf Jahren, also 2012, beginnt für sie die Beratungspflicht. Dann müssen sie binnen zwei Jahren zum Gespräch über die Chancen und Risiken einer Darmspiegelung erscheinen.

Ignorieren sie ihre Pflicht bis 2014, kommt sie das teuer, falls sie einmal an Darmkrebs erkranken. Sie müssen dann jedes Jahr bis zu 2 Prozent ihres Bruttoeinkommens für Medikamente und Behandlungskosten beisteuern. Hätten sie ihre Pflicht erfüllt, wäre es nur die Hälfte.

Fest steht außerdem schon der zweite Beratungstermin für die jungen Frauen von heute: In 30 Jahren, wenn die nach dem 1. April 1987 geborenen Frauen 50 Jahre alt sind, müssen sie sich über das Röntgen der Brust zur Früherkennung von Brustkrebs beraten lassen.

Bei allen drei Krebsarten – Gebärmutterhalskrebs, Darmkrebs und Brustkrebs – sehen Wissenschaftler gute Heilungschancen, wenn sie früh entdeckt werden.

Um die Teilnahme an den Pflichtberatungen nachzuweisen, bekommen die Versicherten einen Präventionspass. Wann das sein wird, steht noch nicht fest.

Ursprünglich wollte die große Koalition die Versicherten gleich zur Untersuchung zwingen. Einen solchen Eingriff in das Selbstbestimmungsrecht lehnte der Gemeinsame Bundesausschuss jedoch ab. Das oberste Gremium der Selbstverwaltung von Ärzten, Zahnärzten, Psychotherapeuten, Krankenhäusern und Krankenkassen erinnerte daran, dass manche Untersuchungen auch Risiken bergen.

Das zahlt die Kasse weiterhin

Es gibt darüber hinaus noch ein paar mehr Vorsorgeuntersuchungen, für die die Kassen die Kosten voll übernehmen und für die die Patienten keine Praxisgebühr entrichten müssen.

Für Frauen und Männer:

  • Gesundheits-Check-up ab dem 35. Geburtstag alle zwei Jahre zur Früherkennung vor allem von Herz-Kreislauf- und Nierenerkrankungen sowie Diabetes.
  • Hautkrebsuntersuchung ab dem 35. Geburtstag alle zwei Jahre (voraussichtlich ab Juli 2008).
  • Ab 55 Jahren zwei Darmspiegelungen im Abstand von zehn Jahren.
  • Analyse auf Blut im Stuhl zwischen 50 und 55 Jahre.
  • Zahnärztliche Kontrolluntersuchung zweimal jährlich.

Für Frauen:

  • Ab 30 Jahre jährlich Abtasten der Brust.
  • Untersuchung von Enddarm und Dickdarm ab 50 Jahren.
  • Röntgen der Brust zwischen 50 und 70 Jahren alle zwei Jahre.

Für Männer:

  • Untersuchung von Prostata und Genitalien ab 45 Jahren jedes Jahr.

Nicht alle Angebote sind unverbindlich. Wer nicht regelmäßig zum Zahnarzt geht, muss höhere Eigenbeteiligungen bei Zahnersatz bezahlen.

Druck auf chronisch Kranke

Auch chronisch kranke Patienten geraten etwas unter Druck. Sie müssen sich ab diesem Jahr von ihrem Arzt bestätigen lassen, dass sie sich therapietreu verhalten.

Als schwer chronisch krank gilt, wer ein Jahr lang mindestens einmal pro Quartal wegen derselben Erkrankung zum Arzt muss und außerdem eine weitere Bedingung erfüllt. Er ist in der Pflegestufe 2 oder 3, hat eine Behinderung von 60 Prozent oder sein körperlicher oder seelischer Gesundheitszustand würde sich ohne ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung verschlimmern.

Therapietreu verhält sich ein Patient zum Beispiel, wenn er seine Medikamente wie verabredet einnimmt. Auch sonst sollte er dazu beitragen, dass seine Krankheit zumindest nicht schlimmer wird. Dafür bekommt er vom Arzt eine Bescheinigung und damit das Recht, Zuzahlungen nur bis zur Höhe von 1 Prozent des Einkommens zu leisten. Den Beleg benötigt er jedes Jahr.

Einfacher haben es Versicherte, die in eines der sechs Disease-Management-Programme eingeschrieben sind. Das sind standardisierte Behandlungsprogramme für chronisch Kranke, die an Brustkrebs, Diabetes 1 und 2, Erkrankungen der Herzkranzgefäße, an bestimmten Atemwegserkrankungen und Asthma leiden. Bei ihnen wird vorausgesetzt, dass sie sich therapiegerecht verhalten.

Dieser Artikel ist hilfreich. 814 Nutzer finden das hilfreich.