Nicht zu viel selbst bezahlen

Patienten müssen sich an den Kosten ihrer Versorgung beteiligen – bis zur Belastungsgrenze.

Bis zu 2 Prozent ihres Bruttoeinkommens müssen erwachsene Versicherte für medizinische Leistungen bezahlen, wenn sie krank werden. Jugendliche unter 18 sind von Zuzahlungen weitgehend befreit. Chronisch Kranke tragen bis zu 1 Prozent selbst. Praxisgebühr und Zuzahlungen zu Medikamenten sind nur zwei Beispiele.

Sobald ihre Grenze erreicht ist, können sich Versicherte von weiteren Zuzahlungen befreien lassen. Zu viel gezahlte ­Beträge muss die Kasse erstatten.

Belastungsgrenze berechnen

Die Bruttoeinnahmen aller Familienmitglieder, die unter einem Dach wohnen, zählen zusammen. Zur Familie gehören auch eingetragene Lebenspartner.

Vom ermittelten Einkommen darf der Versicherte 2008 für den Ehe- oder Lebenspartner 4 473 Euro abziehen und für jedes Kind 3 648 Euro. Alleinerziehende ziehen für das erste Kind 4 473 Euro ab, für jedes weitere 3 648 Euro.

Weitere Angehörige im Haushalt gehen mit 2 982 Euro in die Rechnung ein.

Ein einfaches Beispiel:
Ein verheirateter Versicherter hat mit seiner Frau zwei Kinder. Er verdient brutto 30 000 Euro im Jahr. Sein Vater lebt bei der Familie. Dieser bezieht eine Rente von 12 000 Euro im Jahr. Die Einliegerwohnung im Haus ist für 6 000 Euro im Jahr vermietet.
Einnahmen: 48 000 Euro
Abzüge (Frau, 2 Kinder, Vater) –14 751 Euro
= 33 249 Euro
Davon 2 Prozent: 664,98 Euro

Das ist die Belastungsgrenze dieser Familie. Haben die im Haushalt lebenden Menschen gemeinsam diese Summe erreicht, stellt die Krankenkasse sie in dem Jahr von weiteren Zuzahlungen frei.

Ist nur ein Mitglied des Haushalts chronisch krank, sinkt der Eigenanteil auf 1 Prozent des Haushaltseinkommens. Im Beispielfall also auf 332,49 Euro.

Der Kinderfreibetrag von nur 3 648 Euro wird von den Krankenkassen angesetzt, obwohl nach den Buchstaben des Gesetzes ein Freibetrag von 5 808 Euro gilt. Darauf macht die Stiftung Warentest seit Jahren aufmerksam. Noch haben die Sozialgerichte nicht darüber entschieden.

Ausnahmen gelten für Bezieher von Hilfe zum Lebensunterhalt. Eine Bedarfsgemeinschaft muss als Einnahmen nur den Regelsatz des Haushaltsvorstands ­heranziehen, sonst nichts.

Ausgaben nachweisen

Belege sammeln ist die einzige Möglichkeit, um der Kasse nachzuweisen, dass die Belastungsgrenze überschritten ist. Die Quittungen müssen auf den Namen des Versicherten oder einer in seinem Haushalt lebenden Person ausgestellt sein.

Die Kasse verlangt Kopien außerdem von Gehaltsbescheinigungen und weiteren Einkommensnachweisen.

Bei manchen können die Versicherten ­ihre Selbstbeteiligung am Jahresanfang einzahlen. Dann entfällt das lästige Belegesammeln und die Befreiung ist ab dem ersten Quartal wirksam. Diese Variante ist sinnvoll für Versicherte, die ihre Belastungsgrenze regelmäßig überschreiten.

Ist der Papierkram erledigt, stellt die Krankenkasse einen Befreiungsausweis aus. Praxisgebühren, Zuzahlungen fürs Krankenhaus, für Medikamente, Hilfs- und Heilmittel entfallen dann. Der Ausweis gilt bis zum 31. Dezember des Jahres. Dann beginnt das Spiel von vorn.

Anwendungen und Medikamente ohne Rezept dürfen Versicherte nicht auf die Rechnung setzen. Auch Leistungen der Ärzte, die Kassen nicht bezahlen, werden nicht angerechnet, ebenso wenig der ­Eigenanteil für den Zahnersatz. Selbst der teure Eigenanteil für orthopädische Schuhe gilt nicht als Zuzahlung.

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