Gesetzliche Kranken­versicherung: Wie viel Beitrag Selbst­ständige zahlen müssen

Gesetzliche Kranken­versicherung - Wie viel Beitrag Selbst­ständige zahlen müssen

Solist. Selbst­ständige Musiker haben oft stark schwankende Einkünfte.

Die gesetzliche Kranken­versicherung kann für Selbst­ständige güns­tiger sein als eine private Police. Hier erfahren Sie, was der Schutz kostet und was Sie bei Zahlungs­problemen tun können.

Wie können Selbst­ständige sich gesetzlich kranken­versichern?

Selbst­ständige und Freiberufler können als freiwil­lige Mitglieder in in einer gesetzlichen Krankenkasse versichert sein. In jungen Jahren ist die private Krankenversicherung (PKV) zwar attraktiv, weil sie höhere Leistungen zu oft güns­tigeren Beiträgen bietet – doch wer stark schwankende oder dauer­haft geringe Einkünfte hat, ist mit der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) besser dran, um die Kosten der Kranken­versicherung dauer­haft gut aufbringen zu können.

Vor allem für Gering­verdiener sinn­voll

Die Entscheidung treffen Menschen, wenn sie sich selbst­ständig machen – später ist eine Rück­kehr in die gesetzliche Kasse nicht ohne weiteres möglich. Die Stiftung Warentest bietet deshalb eine Entscheidungs­hilfe zum Thema Gesetzlich oder privat versichern?

Eine Ausnahme gibt es für Menschen, die einen künst­lerischen oder publizistischen Beruf haupt­beruflich selbst­ständig ausüben. Sie sind gesetzlich pflicht­versichert, und zwar über die Künstlersozialkasse.

Tipp: Sie wollen sich privat kranken­versichern? Passende Policen finden Sie mit unserem Vergleich Private Krankenversicherung.

Alle Einkünfte zählen für den Beitrag mit

Den Beitrag zur Kranken- und Pflege­versicherung berechnen die Krankenkassen auch für Selbst­ständige nach dem Einkommen des Versicherten. Bei freiwil­lig Versicherten ziehen die Kassen allerdings nicht nur die Einkünfte aus der selbst­ständigen Tätig­keit für die Beitrags­berechnung heran, sondern alle Arten von Einkünften, wie zum Beispiel Miet­einnahmen. Im folgenden erklären wir, wie die Beiträge berechnet werden und welcher Höchst­beitrag gilt.

Bei Zahlungs­schwierig­keiten schnell handeln!

Haben Selbst­ständige kein Geld für die Kranken­versicherung, können die Krankenkassen ihnen zwar nicht kündigen – säumige Beitrags­zahler verlieren aber ihren Anspruch auf Leistungen. Gleich­zeitig wachsen die Beitrags­schulden immer weiter. Deshalb ist es wichtig, schnell zu handeln (Wenn es Zahlungsprobleme gibt).

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Das zahlen Selbst­ständige für die Krankenkasse

Bei haupt­beruflich Selbst­ständigen berechnet die Kranken­versicherung die Beiträge anhand der aktuellen Beitrags­sätze und des beitrags­pflichtigen Einkommens.

So setzt sich der Beitrag zusammen (Werte für 2021)

  • Allgemeiner Beitrags­satz inklusive Anspruch auf Krankengeld ab dem 43. Krank­heits­tag: 14,6 Prozent
  • Selbst­ständige ohne Anspruch auf Krankengeld zahlen den ermäßigten Beitrags­satz: 14,0 Prozent
  • Zusatz­beitrags­satz: unterschiedlich je nach Kasse, durch­schnitt­licher Zusatz­beitrag 1,3 Prozent
  • Pflege­versicherung für Versicherte, die Kinder haben oder unter 23 Jahre alt sind: 3,05 Prozent
  • Pflege­versicherung für Kinder­lose ab 23 Jahren: 3,3 Prozent

Ein kinder­loser haupt­beruflich selbst­ständiger Versicherter mit Anspruch auf Krankengeld zahlt also insgesamt 18,6 Prozent seiner Einkünfte für Kranken- und Pflege­versicherung – allerdings werden Einkünfte nur bis zur Beitrags­bemessungs­grenze (siehe unten) berück­sichtigt.

Beitrags­pflichtiges Einkommen

Selbst­ständige haben in der gesetzlichen Kranken­versicherung den Status freiwil­lig versichert, sie müssen deshalb auf jegliche Art von Einkommen Beiträge zahlen, das für den laufenden Lebens­unterhalt zur Verfügung steht.

Dazu gehören neben dem steuerrecht­lichen Gewinn aus der selbst­ständigen Tätig­keit auch andere Einkünfte, etwa aus Vermietung und Verpachtung, Zinsen oder Dividenden, Unter­halts­zahlungen vom getrennt lebenden oder geschiedenen Ehepartner, gesetzliche Rente, Betriebs­renten oder Direkt­versicherungen. Unter Umständen zählt sogar das Einkommen eines nicht gesetzlich versicherten Ehe- oder Lebens­part­ners mit.

So hoch ist der Höchst­beitrag für Selbst­ständige

Die Kranken­versicherung berück­sichtigt Einkünfte aber nur bis zur Beitrags­bemessungs­grenze, die aktuell bei 58 050 Euro im Jahr liegt, das entspricht 4 837,50 Euro monatlich (Werte für 2021).

Für eine Krankenkasse mit durch­schnitt­lichem Zusatz­beitrag zahlt ein kinder­loser Selbst­ständiger mit Anspruch auf Krankengeld monatlich rund 769 Euro für die Kranken­versicherung plus 160 Euro für die Pflege­versicherung. Zusammen liegt der Höchst­beitrag also bei rund 929 Euro im Monat (18,6 Prozent von 4 837,50 Euro).

Einkünfte mit dem Steuer­bescheid nach­weisen

Einkünfte aus selbst­ständiger Tätig­keit und Vermietung oder Verpachtung weisen Versicherte mit ihrem Einkommensteuer­bescheid nach. Bestimmte Betriebs­ausgaben wie oder Werbungs­kosten behandelt die Krankenkasse ebenso wie das Finanz­amt: Diese Kosten mindern die Einkünfte.

Tipp: Haben Sie noch keinen Einkommensteuer­bescheid, weil Sie sich gerade erst selbst­ständig gemacht haben, können Sie Ihr Einkommen aus der selbst­ständigen Tätig­keit auch schätzen.

Wer anfangs zu viel zahlt, kann Geld zurück­verlangen

Ein Vorteil für Selbst­ständige: Legt jemand keine Einkommens­nach­weise vor, zum Beispiel, weil es noch keinen Steuer­bescheid gibt, muss er erst einmal den Höchst­beitrag von 928,80 Euro (2021) für Kranken- und Pflege­versicherung berappen. Sobald er sein tatsäch­liches Einkommen bei der Kasse belegen kann, und dieses nied­riger ist, reduziert diese den Beitrag. Für bis zu zwölf Monate können die Beiträge rück­wirkend neu fest­gesetzt werden, wenn Selbst­ständige ihren Steuer­bescheid nach­reichen. Für viele kann es Geld zurück­geben.

Bei Höchst­beitrag kein Einkommens­nach­weis nötig

Selbst­ständige, deren Einkommen bei mindestens 58 050 Euro im Jahr liegt (Wert für 2021), brauchen keinen Einkommens­nach­weis bei der Kranken­versicherung einzureichen. Denn sie zahlen ohnehin den Höchst­beitrag.

Tipp: Viele weitere Informationen zu Beiträgen und Leistungen der GKV finden Sie in unserem Special Gesetzliche Krankenversicherung.

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Mindest­beitrag für gering verdienende Selbst­ständige

Gesetzliche Kranken­versicherung - Wie viel Beitrag Selbst­ständige zahlen müssen

Selbst­ständige Reiseleiter verdienen oft sehr wenig. Seit 2019 gilt für sie und andere Selbst­ständige mit kleinem Einkommen ein reduzierter Mindest­beitrag zur Kranken- und Pflegekasse.

Selbst­ständige mit geringen Einkünften mussten bis zum Jahr 2018 unver­hält­nismäßig hohe Krankenkassenbeiträge zahlen. Das ist nun vorbei: Für rund 200 Euro im Monat gibt es die Kranken- und Pflege­versicherung.

Früher hohe Beiträge für gering verdienende Selbst­ständige

Gering verdienende Selbst­ständige mussten zuvor mehr als 400 Euro im Monat für Kranken- und Pflege­versicherung aufbringen. Ausnahmen galten lediglich für Existenz­gründer und im Rahmen einer Härtefall­regelung. Anders als bei Angestellten im Nied­riglohn­sektor richtet sich der Beitrag bei Selbst­ständigen nicht immer nach dem Einkommen. Die Kassen setzen bei ihnen ein fiktives Mindest­einkommen an, unabhängig davon, wie wenig sie tatsäch­lich verdienen. Von diesem Betrag, der jähr­lich neu fest­gelegt wird, errechnen sich dann die Beiträge.

Entlastung durch nied­rigeren Mindest­beitrag

Jetzt gilt für Selbst­ständige ein fiktives Mindest­einkommen von 1 096,67 Euro im Monat. Selbst­ständige, deren regel­mäßige monatliche Einkünfte diesen Betrag nicht über­steigen, zahlen für Kranken- und Pflege­versicherung rund 210 Euro Beitrag im Monat. Der Beitrag verringert sich nicht weiter, wenn jemand zum Beispiel nur 800 Euro im Monat verdient.

Etwas güns­tiger wird es, wenn eine Kasse weniger als den durch­schnitt­lichen Zusatz­beitrags­satz von derzeit 1,3 Prozent verlangt. Sind die Einkünfte auch noch so gering: Ist jemand haupt­beruflich selbst­ständig, kommt eine beitrags­freie Familien­versicherung beim Ehepartner nicht infrage.

Tipp: Nutzen Sie unseren umfassenden und ständig aktuellen Krankenkassen-Vergleich!

Vorsorgen für krank­heits­bedingten Verdienst­ausfall

Der Mindest­beitrag von 210,56 Euro (Wert für 2021) sichert Selbst­ständigen mit geringem Einkommen den kompletten Versicherungs­schutz einschließ­lich eines Krankengelds ab dem 43. Tag der Arbeits­unfähigkeit. Auf das gesetzliche Krankengeld zu verzichten, um nur den ermäßigten statt des allgemeinen Beitrags­satzes zu zahlen, lohnt sich für Selbst­ständige mit kleinem Einkommen nicht. Die Versicherung einschließ­lich des Krankengeldes kostet sie nur 6,58 Euro im Monat mehr.

Wer schon ab dem 15., 22. oder 29. Krank­heits­tag einen Ersatz für fehlende Einkünfte braucht, kann dafür einen speziellen Wahl­tarif bei seiner Kasse abschließen.

Tipp: Krankengeld-Zusatz­angebote der Kassen für Selbst­ständige zeigt unser Vergleich Wahltarife Krankengeld. Preise und Leistungen unterscheiden sich enorm!

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Wenn es Zahlungs­probleme gibt

Rund 9,6 Milliarden Euro Beitrags­schulden notierten die gesetz­lichen Krankenkassen Anfang 2021. Und zwar von den sogenannten Selbst­zahlern, also den Mitgliedern, die ihren Beitrag komplett selbst zahlen – ­ohne Unterstüt­zung eines Arbeit­gebers. Die meisten sind Selbst­ständige, so der Spitzen­ver­band der gesetzlichen Kranken­versiche­rung. Ihre finanzielle Instabilität hat sich in der Pandemie weiter verschärft.

Mindest­beitrag gesenkt

Ein Teil der Schulden sind älter und haben nichts mit der Pandemie zu tun. Weil der bis 2018 geltende Mindest­beitrag von rund 420 Euro für Kranken- und Pflege­versicherung viele Klein­unternehme­rinnen und Klein­unternehmer finanziell über­forderte, wurde er auf rund 210 Euro gesenkt (FAQ: Kein Geld für die Krankenkasse – was tun?).

Bei Zahlungs­schwierig­keiten mit der Kasse sprechen

Ob als Freiberufler, Solo-Selbst­ständige oder als kleine Firma mit einigen Angestellten: Schwankende Einkünfte gehören für fast alle zum Alltag. Manchmal bricht die Auftrags­lage sogar komplett ein. Wer dann nur geringe Rück­lagen hat, kann in Zahlungs­schwierig­keiten geraten. Was viele nicht wissen: Auch mit der gesetzlichen Kranken­versicherung können Selbst­ständige – wie mit anderen Gläubigern – über einen Zahlungs­aufschub verhandeln.

Beiträge für die GKV nicht einfach aussetzen

Selbst­ständige und Freiberufler sollten nicht einfach weniger oder nichts mehr zahlen, in der Hoff­nung, später nach­zahlen zu können. Wichtig ist, früh­zeitig Kontakt mit der Kranken­versicherung aufzunehmen und die Situation zu schildern. Gesetzliche Krankenkassen haben verschiedene Möglich­keiten, wie sie mit Beitrags­schulden umgehen können (FAQ: Kein Geld für die Krankenkasse – was tun?).

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Dieses Special ist am 1. Januar 2021 auf test.de erschienen. Es wurde am 10. Juni 2021 aktualisiert.

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