Drei kleinere gesetzliche Krankenkassen zahlen Prämien an ihre Mitglieder: Die IKK Südwest, die BKK ALP plus und die hkk. Eine weitere Kasse verlangt dagegen bereits einen Zusatzbeitrag. test.de informiert.

Drei Kassen zahlen Prämien aus

Gibt eine Kasse weniger Geld für Behandlungen und Kundenservice aus, als sie aus dem Gesundheitsfonds erhält, darf sie aus dem Beitragsgeld Prämien an ihre Mitglieder auszahlen. Drei Kassen haben solche Prämien beschlossen: die IKK Südwest, die BKK ALP plus und die hkk. Jede Kasse regelt selbst, wie sie abrechnet und in welchem Abstand sie Prämien auszahlt. Die IKK Südwest hat bereits die ersten Schecks verschickt. Die BKK ALP plus zahlt halbjährlich, die hkk rechnet nachträglich für ein gesamtes Jahr ab.

Arbeitslose ausgeschlossen

So erhalten beispielsweise die Mitglieder der BKK ALP plus für die Zeit vom 1. Juli bis zum 31. Dezember 2009 eine Prämie von 25 Euro, die im ersten Quartal 2010 ausgezahlt wird. Freiwillig Versicherte, die den Höchstbeitrag für ein Monatsbruttoeinkommen von 3 675 Euro oder mehr bezahlen, bekommen sogar 35 Euro Prämie für ein halbes Jahr. Die hkk rechnet zum 31. März 2010 für das gesamte Jahr 2009 ab. 60 Euro gibt es hier pro Mitglied. Ist jemand erst im Lauf des Jahres 2009 in die Kasse eingetreten, werden 5 Euro pro Monat der Mitgliedschaft gezahlt. Wer es finanziell am nötigsten hat, bekommt aber oft keine Prämie. BKK ALP plus und IKK Südwest schließen Arbeitslose oder Menschen, die auf Arbeitslosengeld II (Hartz IV) angewiesen sind, von der Zahlung aus. Wer mit dem Beitrag im Verzug ist, darf laut Gesetz ohnehin keine Prämie erhalten.

Kein Grund zum Kassenwechsel

Ein Grund zum Kassenwechsel sind solche Prämien eher nicht, wenn jemand mit seiner Kasse zufrieden ist. Viel wichtiger sind die Kompetenz und die Leistungen einer Krankenkasse. Die ausgezahlten Summen sind vergleichsweise niedrig. Andere Vorteile, die manche Kassen bieten, sind erheblich mehr wert. Gibt eine Kasse zum Beispiel großzügige Zuschüsse zu Gesundheitskursen, können sich diese auf mehrere Hundert Euro im Jahr summieren. Auch besondere Versorgungsangebote, etwa für Menschen mit chronischen Erkrankungen oder Mehrleistungen für Familien mit Kindern, können für die Betroffenen viel mehr wert sein. Welche Kassen solche Zusatzleistungen bieten, zeigt die Finanztest-Untersuchung von 113 gesetzlichen Krankenkassen.

Prämien jederzeit reduzierbar

Prämien können außerdem jederzeit wieder reduziert oder gestrichen werden. Das kann zum Beispiel passieren, wenn es einen großen Ansturm von Neumitgliedern gibt, die wegen der Prämie in eine Kasse eintreten. Gleicht sich dann die Mischung gesunder und kranker Versicherter an die der übrigen Kassen an, wird die Kasse das Geld aus dem Fonds wohl für Leistungen und Service brauchen und kann keine Prämie mehr ausschütten.

Zusatzbeitrag bei der GBK

Die Gemeinsame Betriebskrankenkasse Köln (GBK) ist dagegen die erste gesetzliche Kasse, die von ihren Mitgliedern einen Zusatzbeitrag in Höhe von 8 Euro pro Monat verlangt (siehe Meldung auf test.de: Erster Zusatzbeitrag). Die GBK ist eine kleine Betriebskrankenkasse mit rund 32 000 zahlenden Mitgliedern. Sie muss einen Zusatzbeitrag verlangen, weil sie außerordentlich hohe Ausgaben für die Medikamente von zwei Patienten hatte. Solche kleineren Kassen können die Kosten für Behandlungen schwerkranker Mitglieder schlechter auffangen als Kassen mit großer Mitgliederzahl. Es ist jedoch nur eine Frage der Zeit, bis auch größere Kassen nachziehen müssen. Denn der Gesundheitsfonds, der seit Anfang 2009 gilt, muss laut Gesetz nur 90 Prozent der Ausgaben der Kassen decken. Wird das Geld knapp, zum Beispiel weil viele Menschen arbeitslos oder in Kurzarbeit sind, brauchen die Kassen Zusatzbeiträge.

Gesundheitsfonds seit Januar 2009

Durch den Gesundheitsfonds, der seit Anfang 2009 gilt, zahlen gesetzlich Krankenversicherte zunächst bei jeder Kasse denselben Beitrag. Die Einnahmen fließen in dem Fonds zusammen. Die Krankenkassen erhalten daraus einen festen Betrag für jeden ihrer Versicherten und zum Teil krankheitsabhängige Zuschläge. Kassen, denen die Pauschale nicht reicht, um ihre Versicherten zu versorgen, müssen einen Zusatzbeitrag erheben. Er darf 1 Prozent des beitragspflichtigen Einkommens nicht überschreiten. Ein Zusatzbeitrag bis 8 Euro im Monat kann jedoch einkommensunabhängig erhoben werden. Versicherte mit einem Einkommen unter 800 Euro im Monat müssen dann also mehr als 1 Prozent bezahlen.
Tipp: Spätestens einen Monat bevor ein Zusatzbeitrag fällig wird oder eine Prämie gestrichen oder gekürzt wird, muss die Kasse ihre Mitglieder auf das Kündigungsrecht hinweisen. Versäumt sie dies, verlängert sich die Kündigungsfrist.

Serie GKV im Überblick

Trotz einheitlichem Beitragssatz bieten die gesetzlichen Krankenkassen unterschiedliche Leistungen und Programme. test.de informiert daher jeden Monat zu einem speziellen Thema und vergleicht entsprechende Angebote der größten gesetzlichen Kassen.
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