Gesetzliche Krankenversicherung Meldung

Werden Versicherte von Betriebskrankenkassen (BKK) beim Arzt schlechter behandelt als Angehörige anderer Kassenarten? Diese Angst schüren einige Ärzte, um Kassenwechslern den Eintritt in eine beitragsgünstige BKK mies zu machen.

Insbesondere in Berlin und Brandenburg verunsichern einzelne Ärzte ihre Patienten: Sie bekämen von den BKKs weniger Geld für die Behandlung als von Ersatzkassen ­ also gebe es auch Unterschiede in der Qualität der Behandlung. So droht ein Berliner Facharzt in einem Informationsblatt: "Solange bei der Wahl der Krankenkasse gilt: ,Das Billigste ist gerade billig genug, kann bei der erwarteten Leistung nicht gelten ,Das beste ist gerade gut genug."

"Das ist Agitation auf Kosten der Patienten", wettert Thomas Isenberg, Referent für Gesundheitsdienstleistungen bei der Arbeitsgemeinschaft der Verbraucherverbände (AgV). Einige Mediziner missbrauchten Patientenängste für ihre persönlichen Honorarerwartungen.

Tatsächlich darf kein Kassenarzt Patienten aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu einer bestimmten Kasse abweisen oder Leistungen verweigern. Tut er es doch, sollten betroffene Patienten umgehend ihre Krankenkasse informieren. Beschweren sollten sie sich darüber hinaus bei der zuständigen Kassenärztlichen Vereinigung ­ die ist nämlich gesetzlich verpflichtet, die ärztliche Versorgung aller Patienten in ihrem Gebiet sicherzustellen.

Das Argument, der Doktor bekomme für die Behandlung BKK-Versicherter weniger Geld als für andere Patienten, stimmt nur teilweise. Die Krankenkassen zahlen für die ambulante ärztliche Versorgung ihrer Mitglieder zwar unterschiedliche "Kopfpauschalen" an die 23 Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen).

Doch die Unterschiede sind ­ von einzelnen "Ausreißern" abgesehen ­ gar nicht so groß. Im Durchschnitt gaben die gesetzlichen Krankenkassen im Jahr 1999 je Mitglied rund 814 Mark für die ambulante ärztliche Behandlung aus. Die AOK zahlte im Schnitt 779 Mark, BKKs 834 Mark und Ersatzkassen für Angestellte 873 Mark pro Kopf.

Die Gesamtvergütung fließt zunächst an die KVen. Diese ­ nicht die Kassen ­ sind dafür verantwortlich, die Honorare gerecht an die Ärzte zu verteilen.

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