Mehr als 200 Krankenkassen stehen für jeden zur Wahl. Finanztest hat Leistungen und Beiträge verglichen.

Jeder fünfte gesetzlich Versicherte möchte seine Krankenkasse wechseln. Das ergab eine repräsentative Umfrage der Kölner MSR Consulting Group in diesem Sommer. Von den 1 500 Befragten wussten allerdings mehr als die Hälfte gar nicht, welchen Beitragssatz sie bei ihrer aktuellen Kasse zahlen.

Wahrscheinlich wollen viele einfach irgendetwas tun, weil sie durch die ständig wechselnden Ankündigungen der Politiker zur Gesundheitsreform verunsichert sind. Denn sicher ist nur eines: Der Gesundheitsschutz wird unterm Strich teurer.

Zuzahlungen sollen steigen, und die Patienten sollen Brillengläser und rezeptfreie Arzneimittel komplett selbst zahlen. Die Beiträge zur Versicherung für Zahnersatz und Krankengeld müssen die Arbeitnehmer künftig vielleicht allein tragen, ohne den Arbeitgeber. Und Rentner sollen höhere Beiträge in die Krankenkasse zahlen.

Die Bürger haben in den kommenden Jahren mit mehreren Milliarden Euro Mehrbelastung zu rechnen.

Beiträge werden kaum sinken

Alle diese Sparmaßnahmen reichen aber nicht, um die Kassenbeiträge nennenswert zu senken. Das Bundesgesundheitsministerium geht von einer Entlastung der Beitragszahler um nur etwa 0,5 bis 0,7 Prozentpunkte im Durchschnitt aus. Experten halten selbst diese Einschätzung für zu optimistisch.

Viele Versicherte wollen deshalb sparen, indem sie zu billigeren Kassen wechseln. Der Trend geht weg von den Ortskrankenkassen (AOK) und den Ersatzkassen wie Barmer und DAK. Sie haben seit Beginn der Wahlfreiheit im Jahr 1996 mehr als 4,5 Millionen Mitglieder an die meist günstigeren Betriebskrankenkassen (BKK) verloren.

Der Kassenwechsel ist einfach. Wie er funktioniert, steht in „Wechseln - so gehts“.

Doch zuerst muss der Kunde sich für eine der rund 200 Krankenkassen entscheiden. In ihren Lei­stungen sind die Kassen ans Sozialgesetzbuch gebunden. Die Behandlungen, die dem Patienten zustehen, die Zuzahlungen, die er zu leisten hat, die Ärzte, zu denen er gehen kann, sind also bei allen Kassen gleich.

Der deutlichste Unterschied zwischen den Kassen ist also der Beitragssatz. Obwohl sich die Beitragssätze immer mehr dem Durchschnitt von 14 Prozent annähern, ist die Spanne noch groß.

Die günstigsten bundesweit geöffneten Kassen im Test sind die Taunus BKK und die BKK Essanelle mit einem Beitragssatz von 12,8 Prozent. Unterboten werden sie nur von kleinen regionalen Kassen wie der für Schleswig-Holstein geöffneten BKK Ahlmann mit einem Beitragssatz von 12,1 Prozent.

In unserem Test gibt es 29 Kassen mit einem Beitragssatz von 12,9 Prozent oder weniger. Wir haben ihre Beitragssätze in der Tabelle ab Seite 18 gelb hervorgehoben. Kunden, die sich nur am Preis orientieren wollen, finden so leichter die günstigsten Angebote.

Doch der Beitragssatz sollte nicht das einzige Kriterium für die Wahl der Krankenkasse sein. Das Angebot der Kassen unterscheidet sich zum Beispiel in diesen Punkten:

  • häusliche Krankenpflege,
  • Haushaltshilfe,
  • Zusatzleistungen wie Akupunktur,
  • das Krankengeld für Selbstständige,
  • und die Erreichbarkeit der Kasse.

Manche Kassen zahlen besser

Einen weiteren Punkt können wir in unserer Untersuchung nicht darstellen: Ärzte und andere Therapeuten bekommen für die gleichen Leistungen mehr Geld, wenn der Patient in einer der zwölf Ersatzkassen versichert ist.

Das darf sich zwar nicht auf die Qualität der Behandlung auswirken. Ist aber ein Patient über längere Zeit zum Beispiel auf physiotherapeutische Behandlung angewiesen, dann möchte er vielleicht auch, dass seine Krankengymnastin dafür besser honoriert wird.

Ersatzkassen sind Barmer, DAK, Ham­burg-Münchener, Handelskrankenkasse, HEK, Kaufmännische Krankenkasse, Techniker, Brühler, Buchdrucker-Krankenkasse, Gmünder Ersatzkasse, Krankenkasse Eintracht Heusenstamm oder Krankenkasse für Bau und Holzberufe. Weniger Geld gibt es für Versicherte von AOK, BKK oder IKK.

Pflege und Hilfe zu Hause

Alle Kassen müssen ihren Versicherten medizinische Behandlungspflege zu Hause bezahlen, wenn dies notwendig ist, um den Erfolg der ärztlichen Behandlung zu sichern. Sie zahlen dann zum Beispiel für das Wechseln eines Verbands oder eines Blasenkatheters. Doch wenn ein Patient gesundheitlich angeschlagen und allein zu Hause ist, braucht er vielleicht auch Hilfe beim An- und Ausziehen oder im Haushalt. Das muss die Kasse nicht zahlen.

Manche tun es aber. Zum Beispiel zahlen die AOK Niedersachsen, die BKK Diakonie oder die BKK Gildemeister-Seidensticker für die Dauer der Behandlungspflege auch Grundpflege und hauswirtschaftliche Versorgung. Müsste der Patient den Einsatz professioneller Hilfskräfte selbst bezahlen, kämen schon in einer oder zwei Wochen beträchtliche Summen zusammen.

Das Gleiche gilt für die Haushaltshilfe. Unter sehr strengen Voraussetzungen zahlen alle Kassen einen Zuschuss für eine Haushaltshilfe. Muss eine Mutter ins Krankenhaus und hat niemanden, der dann ihre kleinen Kinder versorgt, dann trägt die Kasse diese Kosten.

Normalerweise gibt es diese Leistung aber nur, solange das jüngste Kind noch keine zwölf Jahre alt ist. Die meisten AOKs sind da deutlich großzügiger: Sie zahlen eine Haushaltshilfe auch, wenn kein Kind im Haushalt lebt oder wenn das Kind schon 13 Jahre alt ist.

Zusatzleistungen

Die Kassen können noch mit weiteren Zusatzleistungen um Kunden werben. Das am weitesten verbreitete Extra ist die Akupunkturbehandlung für bestimmte Schmerzpatienten. Andere Zusatzleistungen sind zum Beispiel besondere Behandlungen und Betreuung bei Hautkrankheiten wie Neurodermitis oder Schuppenflechte.

Wer solche Extras in Anspruch nehmen möchte, sollte sich in unserer Tabelle vergewissern, ob seine Wunschkasse diese bietet.

Wechselt ein Kassenpatient beispielsweise in die beitragsgünstige Direkt IKK (12,9 Prozent), die keine Akupunktur anbietet, ist sein Beitragsvorteil unter Umständen schon dahin, wenn er nur zwei Akupunktur-Sitzungen im Monat selbst bezahlen muss.

Krankengeld für Selbstständige

Das Krankengeld gleicht krankheitsbedingte Verdienstausfälle aus. Auch Selbstständige und Freiberufler können es von manchen Kassen bekommen. Das ist vor allem für Versicherte mit relativ geringem Einkommen interessant und für solche, die an einer chronischen Krankheit leiden. Sie würden nämlich bei einer privaten Versicherungsgesellschaft mehr für eine Krankentagegeldversicherung bezahlen oder gar keine bekommen.

Die Konditionen der Kassen unterscheiden sich erheblich. Will sich ein Selbstständiger wie ein Arbeitnehmer versichern, zahlt er den allgemeinen Beitragssatz und bekommt ab der siebten Krankheitswoche Krankengeld. Das geht zum Beispiel günstig bei der Atlas BKK oder der BIG Direktkrankenkasse.

Manche Kassen bieten aber auch die Möglichkeit, schon ab der dritten oder vierten Krankheitswoche Krankengeld zu bekommen, dann allerdings zum erhöhten Beitragssatz. Bei der BKK Sachsen-Anhalt gibt es sogar schon ab dem ersten Krankheitstag Krankengeld, der Beitragssatz beträgt dafür 17,2 Prozent.

Service und Erreichbarkeit

Durch den starken Zulauf sind Billigkassen wie die BKKs Taunus und Essanelle oft überfordert und verärgern ihre Neukunden durch Organisationsprobleme und dauerbesetzte Telefone.

Legt jemand Wert darauf, persönlich mit Mitarbeitern seiner Kasse sprechen zu können, sollte er keine Kasse mit nur wenigen Geschäftsstellen wählen. Das dichteste Netz haben die Barmer Ersatzkasse mit 1 067 und die DAK mit 800 Geschäftsstellen. Alle AOKs zusammen haben rund 2 000 Niederlassungen.

Der persönliche Kontakt kann notwendig sein, wenn ein Versicherter besondere Gesundheitsprobleme hat und es auf das Zusammenspiel der Krankenkasse mit anderen Institutionen ankommt. Normalerweise ist es aber kein Problem, alle wichtigen Vorgänge telefonisch, schriftlich oder per E-Mail mit der Krankenkasse abzuwickeln. Wenn das jedoch nicht funktioniert, ist der Versicherte aufgeschmissen.

Wer sich einen ersten Eindruck verschaffen möchte, ob die Kasse seiner Wahl in der Lage ist, ihren Kunden einen adäquaten Service zu bieten, sollte einfach mal dort anrufen. Stehen mehrere Kassen in der engeren Wahl, hilft es auch bei der Entscheidung, probeweise von allen die Antragsunterlagen anzufordern und in Ruhe zu vergleichen, wie kundenfreundlich und informativ sie sind.  

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